Werdohler gedenken der Opfer der Weltkriege

WERDOHL ▪ Der Gefallenen der beiden Weltkriege und aller Menschen, die in ihrem Bemühen um ein besseres Deutschland ihr Leben gelassen haben, wurde in Werdohl anlässlich des Volkstrauertages am Wochenende an vier unterschiedlichen Orten gedacht.

Pfarrer Martin Buschhaus ging am Sonntag in seiner kurzen Ansprache am Ehrenmal an der Freiheitstraße auf die besondere Bedeutung des Volkstrauertages ein. „Viele von uns haben keine persönlichen Erinnerungen mehr an den Zweiten Weltkrieg. Deshalb ist ein gemeinsames Erinnern an diesem Tag so wichtig“, sagte der Geistliche. Dass es bisher nicht gelungen sei, aus der Geschichte zu lernen, bedauerte Buschhaus vor dem Hintergrund zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen in der Welt.

Werdohls stellvertretender Bürgermeister Dirk Middendorf legte als Vertreter der Verwaltung ebenso einen Kranz nieder wie die Schützen, die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sowie Vertreter der Werdohler Vereine. Für eine würdige musikalische Begleitung der Gedenkfeier sorgten die Bläser des CVJM-Posaunenchores sowie die Werdohler Chorgemeinschaft mit rund 50 Sängern.

„Ich hatt einen Kameraden“ klang auch eine Stunde später über den evangelischen Friedhof in Eveking. Männergesangverein und Posaunenchor schufen auch hier eine bewegend-feierliche Stimmung. Die Abordnungen zahlreicher Vereine und der Feuerwehr nahmen an der Gedenkstunde teil, in deren Rahmen zwei Kränze am Ehrenmal niedergelegt wurden.

Oliver Haupt, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft, spann in seiner nachdenklich stimmenden Rede den Bogen zur Gegenwart und merkte an, dass die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Alltagsempfinden vieler Menschen wenig zu spüren seien. Ob sie richtig seien? Dazu gebe es verschiedene Meinungen. Er möchte nicht in der Haut der Politiker stecken – es gebe keine Sicherheit, ob die richtige Entscheidung getroffen wurde, es gebe keine Sicherheit, wie es ausgehe.

„Geschichte ist eine Einbahnstraße“, gab Haupt zu bedenken: „Wir können es nicht rückgängig machen. Wir müssen mit den Unsicherheiten leben.“ Aus den Fehlern der Vergangenheit gelte es zu lernen: „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden.“

Man könne die Geschehnisse der Vergangenheit nicht genug als abschreckendes Beispiel in Erinnerung rufen, betonte auch Rudolf Völker, erster Vorsitzender des TuS Jahn Werdohl. Eine kleine Gruppe hatte sich gestern Morgen im Stadion Riesei versammelt, um am Gedenkstein des Vereins einen Kranz niederzulegen und an die verstorbenen Vereinsmitglieder und die Opfer der Kriege zu erinnern.

Auch nach vielen Jahren sei dies noch notwendig, so Völker. Er verband mit den Gedanken an die deutschen Soldaten in aktuellen Kriegsgebieten die Hoffnung, dass nie wieder ein Vereinsmitglied als Kriegsopfer zu betrauern sein werde.

Bereits am Samstagnachmittag hatten sich die ehemaligen Mitglieder der „Heimatfreunde Schlesiens“ am Keßler-Platz getroffen. Alljährlich zum Volkstrauertag gedenken sie am dortigen Mahnmal der Opfer der vergangenen Kriege und erinnern sich an die Heimat Schlesien, die sie verloren haben. Elisabeth Jährling ging in ihrer kurzen Ansprache darauf ein, dass es 67 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs keinen Krieg mehr auf heimatlichem Boden gebe: „Aber das ist leider nicht überall in der Welt so.“ Wohl jeder der Anwesenden habe in seiner Familie Menschen im Krieg verloren. In Erinnerung an die Opfer meinte sie: „Mögen sie die letzten gewesen sein.“ ▪ higo/ute

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