Volkstrauertag in Werdohl: Wie verankern wir ihn in der Gegenwart?

+
Der Volkstrauertag begann zunächst mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche, bevor neben den Schützen auch die Vertreter aus Politik und Verwaltung und weitere Bürger an der Gedenkveranstaltung am Ehrenmal teilnahmen.

Werdohl - Erstmals wurde der Volkstrauertag in diesem Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche begangen. Auch sonst betraten die Organisatoren Neuland, indem mit den Schülern der Realschule Werdohl auch junge Menschen in den Programmablauf eingebunden wurden.

Zudem fand die Gedenkveranstaltung wieder am Vormittag statt und begann, nachdem die Gottesdienstbesucher die Kirche verlassen hatten. Neben Pfarrer Dirk Grzegorek richtete auch Pfarrer Martin Buschhaus das Wort an die versammelten Gläubigen. 

Er setzte sich in seiner Predigt dafür ein, den Volkstrauertag nicht nur als einen Gedenktag für ältere und alte Menschen zu betrachten, die noch eine unmittelbare Betroffenheit zu den Ereignissen des 2. Weltkriegs verspürten. „Doch wie kann das gelingen?“, fragte Pfarrer Buschhaus, angesichts der Tatsache, dass sich das Ende des Krieges in diesem Jahr zum 73. Mal jährte und bereits drei Generationen umspanne: „Ist es sinnvoll, nach einer so langen Zeit noch einen Volkstrauertag zu begehen?“ 

„Stimmen aus dem Krieg“

Martin Buschhaus deutete diese lange Zeitspanne positiv: „Drei Generationen kennen den Krieg nur noch vom Hörensagen. Lasst uns das mal festhalten!“ Der lang anhaltende Friede sei ein gewaltiger Segen Gottes. 

Eine Möglichkeit, den Volkstrauertag in der Gegenwart zu verankern, könne darin liegen, junge Menschen in das Gedenken einzubinden. In diesem Sinne hatten die Schüler der beiden zehnten Klassen der Realschule Werdohl ein Projekt erarbeitet. Gemeinsam mit Religionslehrer Björn Michel Edelmann wurden Feldpostbriefe aus dem 2. Weltkrieg und Schriftstücke von KZ-Häftlingen ausgewertet, um ein Gefühl für die Nöte und Sorgen der Menschen zu bekommen. 

Aus diesen Erfahrungen heraus haben die Jugendlichen einen Film mit dem Titel „Stimmen aus dem Krieg“ erstellt und darin die Botschaften von damals in eine moderne Sprache übertragen. Auch am Ehrenmal und innerhalb der offiziellen Gedenkveranstaltung brachten sie sich ein. 

Versöhnung, Kooperation und Verständnis

Bevor die Kränze durch die Mitglieder des Werdohler Schützenvereins und der Vertreter aus Politik und Verwaltung niedergelegt wurden, hielt Bürgermeisterin Silvia Vossloh eine kurze Ansprache. Sie appellierte, die gegenseitige Versöhnung, Kooperation und Verständnis als Garanten eines dauerhaften Friedens zu sehen. 

Dies gelte es auch, 100 Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs, weiterzuführen. „Wer diese Menschen waren, die in den Weltkriegen den Tod gefunden haben, wissen wir meistens nicht. Daher ehren unsere Gedanken das Leid, die Opfer und das Unglück, welches die Kriege über die Menschen gebracht haben“, so Vossloh.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare