Volksbank: Veruntreuung von 1,3 Millionen Euro

Die Volksbank in Werdohl soll durch einen ehemaligen Mitarbeiter um insgesamt 1,3 Millionen Euro betrogen worden.

WERDOHL ▪ Bei der Volksbank am Standort Werdohl soll ein früherer Mitarbeiter insgesamt 1,3 Millionen Euro veruntreut haben. Der Vorwurf geht dahin, dass er das Geld seit dem Jahr 2000 von fünf Kunden der Bank für sich genommen habe. Das erklärte gestern Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli von der Hagener Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.

Die Volksbank habe in ihrer Strafanzeige gegen den früheren Mitarbeiter vom 12. Mai nur diese wenigen Angaben gemacht, sagte Dr. Pauli. Die Staatsanwaltschaft warte derzeit noch auf weitere Angaben der Bank.

„Schonungslose Aufklärung“ versprach gestern Volksbank-Vorstandssprecher Karl-Michael Dommes. Die Staatsanwaltschaft werde zu Beginn kommender Woche vollständig informiert, danach werde sich der Vorstand auch an die Öffentlichkeit wenden und weitere Details preisgeben.

Um der Ermittlungsbehörde nicht vorzugreifen, bestätigte Dommes weder die Zahl der Vorfälle noch die Höhe der veruntreuten Summe. „Die Situation ist uns unsäglich peinlich“, sagte er. Von dem Mitarbeiter habe sich die Volksbank im Märkischen Kreis im November 2010 im Rahmen eines Vergleichs getrennt. Die Trennung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Zum Wohnort des Mannes und zum Tatort wollte Dommes ebenfalls noch nichts sagen, nur soviel: „Es betrifft Werdohl.“ Erst nach dem Ausscheiden des Mitarbeiters seien Unregelmäßigkeiten bemerkt worden. Daraufhin habe sich ein Expertenteam unter Leitung des Chef-Revisors Meinolf Wüllner an die Arbeit gemacht und in „mühevoller Detailarbeit“ die Veruntreuung aufgearbeitet. Dieses Paket der internen Recherche-Arbeit der Bank werde Anfang der Woche an die Staatsanwaltschaft übergeben, so Dommes.

Ein Signal könne er aber jetzt schon geben: „Unsere bankinternen Sicherheitssysteme haben nahtlos funktioniert.“ Die hinzugezogenen Wirtschaftsprüfer hätten der Bank bestätigt, dass das Unternehmen keine Schuld treffe. Die Veruntreuung sei allein auf die „kriminelle Energie“ des ehemaligen Mitarbeiters zurückzuführen, so Dommes.

Den betroffenen Kunden werde der Schaden „umfänglich bis auf den letzten Cent und mit Zins und Zinseszins“ erstattet. Darauf habe sich die Bank mit dem Versicherer geeinigt. Dommes weiß um den Schaden, der außerhalb des Geldverlustes entstehen kann: „Das ist der größte anzunehmende Unfall im Vertrauensgeschäft Bank.“ Es sei „Schicksal“, dass es die Volksbank getroffen habe. Dommes: „Wir werden zigmal im Jahr überprüft, und jetzt so was.“

Die Volksbank ist in Sachen Veruntreuung ein gebranntes Kind: Im Jahre 2006 stellte die Volksbank am damaligen Hauptsitz in Altena-Dahle Strafanzeige gegen einen ehemaligen Prokuristen. Er hatte zwischen 1996 und 2006 in 71 Fällen zu Lasten von Kunden und zu Lasten der Bank 258 737 Euro auf eigene Konten überwiesen. Der Mann ist mittlerweile rechtskräftig verurteilt. Dommes: „Der neue Fall liegt aber völlig anders.“

Der Ex-Prokurist hatte das Vier-Augen-Prinzip verletzt und eigene Überweisungen selbst abgezeichnet. Auch hier war Revisor Meinolf Wüllner mit der internen Aufklärung betraut.

Damals hatte Bank-Vorstand Josef-Werner Schulte gesagt, dass nach der Volksbank-Fusion Sicherungssysteme eingezogen worden seien, die einen derartigen Betrug nicht mehr zuließen.

Volker Heyn

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