Vision: ICE-Halt in Werdohl

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Der früherer Werdohler Christian Frahm (l.) präsentierte den Eisenbahnfreunden Ideen für den Bahnhofsumbau, Heiner Burkhardt (3.v.r.) und Heinz-Werner Turk (r.) staunten. J

WERDOHL ▪ Mit der Miniatureisenbahn spielen viele Jungs – und auch manche Männer. Bei einigen geht die Liebe zu Loks, Schienen und Waggons aber noch viel weiter. Elf davon trafen sich am Montagabend in der Gaststätte Inselstube. Heinz-Werner Turk, Organisator der Bahnhofsausstellung zu „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“ im vergangenen Sommer, hatte sie zusammen gerufen, um einen lockeren Stammtisch zu initiieren, der sich von nun ab vierteljährlich treffen soll.

Zum Auftakt präsentierte einer dieser Spezialisten in einem gut einstündigen Monolog etwas, was er selbst als „fixe Idee“, „Vision“ und „Wunschtraum“ bezeichnete. Der gebürtige Werdohler und jetzt aus Köln angereiste Christian Frahm sorgte bei den Zuhörern für große Augen, Schmunzeln und Kopfschütteln. Immer wieder hakten die anderen Eisenbahnfreunde ein, glaubten nicht daran, dass die Idee realisierbar sei.

Frahm beklagte zunächst einen „massiven und kontinuierlichen Rückgang an Service und Qualität bei der Deutschen Bahn“. Um diese Entwicklung umzukehren, forderte Frahm im Zuge des Bahnhofumbaus eine sogenannte Mobilitätszentrale. Er erläuterte, dass dies ein Schalter sei, wo nicht nur Fahrkarten ohne Preisaufschläge verkauft würden. Darüber hinaus solle hier zum Angebot gehören: Koffertransfers, Mietwagenverleih, Taxizentrale, Hotelbuchungen und – so ein Vorschlag aus dem Plenum – ein (E)Bikeverleih.

Das Personal könne die Deutsche Bahn stellen, wünschte sich Frahm. Der Märkische Kreis solle die Planstelle finanzieren, da eine Mobilitätszentrale in Werdohl ja weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung habe. Heiner Burkhardt, der im Rahmen des Stammtisches am Montag zum Leiter der Gruppe erkoren wurde, schlug vor, dass die Mobilitätszentrale kombiniert werden könne mit dem so genannten „Welcome Point“, der in der Bahnhofslobby sowieso eingerichtet werden solle.

Doch damit nicht genug: Frahms „Wunschtraum“ sieht auch eine Reaktivierung von Gleis 1 am Bahnhof Werdohl vor. Das heißt, künftig solle hier zweimal am Tag eine ICE-Verbindung halten. Angeblich wisse er, argumentierte der Kölner Gast, dass die Deutsche Bahn dies intern bereits so plane, da die bisher genutzten Fernverkehr-Strecken durch Güterzüge überlastet seien.

Abgesehen von dieser „Vision“ beschäftigte sich der frisch gegründete Eisenbahner-Stammtisch mit absehbareren Themen. So sei eine Broschüre geplant, die auf einer Serie im Süderländer Volksfreund zu „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“ von Karlheinz Neumann basiere, aber auch um einige andere Artikel erweitert werden solle. Die gebundene Ausgabe solle zeitnah erscheinen und etwa sechs, sieben Euro kosten, erläuterte Burkhardt, der als Vertreter des Heimatvereins auch Unterstützung für die Eisenbahner-Freunde versicherte.

Turk nahm noch einmal Bezug auf seine Ausstellung im Bahnhof. 300 Stunden Arbeit habe er dort hinein gesteckt, abgesehen auch von finanziellen Mitteln. Doch als Reaktion der Stadt habe es lediglich eine Dankes-E-Mail gegeben - „mehr nicht“, beklagte er. ▪ kol

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