1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Vier Monate nach der Flut: Ministerin Scharrenbach spricht mit Betroffenen

Erstellt:

Von: Jona Wiechowski

Kommentare

Ministerin Ina Scharrenbach (Zweite von links) schaute sich rund vier Monate nach dem Hochwasser in Werdohl um. Unter anderem besuchte sie Veronika und Arnold Deichmann in Dresel. Das Ehepaar hatte dort neun Jahre die „Kaffeedeele“ betrieben – dann kam das Wasser und zerstörte alles.
Ministerin Ina Scharrenbach (Zweite von links) schaute sich rund vier Monate nach dem Hochwasser in Werdohl um. Unter anderem besuchte sie Veronika und Arnold Deichmann in Dresel. Das Ehepaar hatte dort neun Jahre die „Kaffeedeele“ betrieben – dann kam das Wasser und zerstörte alles. © Wiechowski, Jona

Hoher Besuch in Werdohl: Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, besuchte am Samstag die Stadt an Lenne und Verse, um sich ein Bild davon zu machen, wie es Werdohl gut vier Monate nach dem verheerenden Hochwasser vom 14. Juli geht.

Nach einem Gespräch im Rathaus zeigte Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) der CDU-Ministerin Orte, die es besonders hart getroffen hatte. Erster Halt: Die Firma Kehra-Tec, die an der Hammerstraße im Versetal liegt. Noch heute sind die Folgen zu sehen, wie Geschäftsführer Carsten Kehr der Abordnung zeigte. Weiter ging es zu Fuß über die Bundesstraße 229, hier hatte das Hochwasser eine Rohrbrücke mit einem Abwasserkanal über die Verse weggespült. Das Abwasser war wochenlang in den Fluss gelangt. Erst am 27. August bemerkte ein Anwohner eine Verfärbung in der Verse und meldete sich bei der Stadt. Derzeit laufen die Arbeiten zum Neubau der Rohrbrücke, so Tiefbauabteilungsleiter Martin Hempel.

Im Versetal hatte das Hochwasser eine Rohrbrücke für einen Abwasserkanal weggespült. Die Erneuerungsarbeiten laufen.
Im Versetal hatte das Hochwasser eine Rohrbrücke für einen Abwasserkanal weggespült. Die Erneuerungsarbeiten laufen. © Wiechowski, Jona

Wie die Flut Firmen bis heute beeinflusst, wurde auch beim Transport-Unternehmen NBTK Ulbrich in Dresel deutlich. „Das größte Problem, das wir aktuell haben, ist die Verkehrslage“, sprach Geschäftsführer Marc Krombach die mindestens noch bis Jahresende gesperrte B236 zwischen Werdohl und Altena an. Die bedeute riesige Kosten für Umwege. Eine halbe Stunde länger dauere der Weg zur Autobahn. Beim Hochwasser hatte die Spedition Ulbrich bei Aufräumarbeiten geholfen. Krombach sprach Probleme bei der Abrechnung der Arbeiten mit Straßen.NRW an. Scharrenbach wolle nachhaken.

Soforthilfen für Private und Unternehmen

Aus Werdohl sind bislang (Stand 10. November) 120 Anträge auf Soforthilfe durch das Hochwasser geschädigter Bürger vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung genehmigt worden. Damit flossen bisher 282 500 Euro an Private in der Stadt an Lenne und Verse. Aus Balve wurden 80 Soforthilfe-Anträge mit einem Gesamtvolumen von 174 000 Euro genehmigt, aus Neuenrade 38 Anträge (87 000 Euro). Zum Vergleich: Aus Altena stellten 411 Bürger einen Antrag auf Soforthilfe. Das Gesamtvolumen beträgt hier 904 500 Euro. Altena hatte von den Kommunen im Lenne- und Hönnetal bei dem Jahrhundertunwetter Mitte Juli die mit Abstand größten Schäden zu verzeichnen. Insgesamt wurden landesweit bislang knapp 47 000 Anträge (Volumen knapp 103 Millionen Euro) genehmigt. Auch in Sachen finanzieller Unterstützung für geschädigte Unternehmen hat das Ministerium eine erste Übersicht veröffentlicht. Aus Werdohl kamen 29 Anträge, die allesamt genehmigt wurden. 25 Anträge kamen aus betroffenen gewerblichen Betrieben beziehungsweise freien Berufen und vier von Landwirten beziehungsweise land- und forstwirtschaftlichen Betrieben. Insgesamt wurden 145 000 Euro erstattet. Nach Neuenrade flossen insgesamt 50 000 Euro für zehn betroffene Unternehmen, nach Balve 95 000 Euro für 19 Unternehmen. Aus Altena stellten 138 Unternehmen einen Antrag auf Soforthilfen. 131 Anträge wurden genehmigt (Gesamtvolumen 655 000 Euro). Auch hier ist die Burgstadt die Nummer eins im Kreis. Landesweit wurden von 8173 Anträgen 7144 genehmigt. Die Gesamtsumme der erstatteten Mittel beläuft sich bislang auf 35,72 Millionen Euro.

Wassermassen zerstören die Kaffeedeele

Immer noch mit den Aufräum- und Sanierungsarbeiten nach dem Jahrhundertunwetter beschäftigt sind auch Veronika und Arnold Deichmann, die direkt nebenan in Dresel 1 wohnen. Neun Jahre hatte Veronika Deichmann hier die „Dreseler Kaffeedeele“ betrieben, bis das Hochwasser am 14. Juli die komplette untere Etage samt privatem Wohnzimmer und Küche sowie Innenhof und Garten unter Wasser gesetzt hatte.

Ina Scharrenbach (rechts) zu Besuch beim Transportunternehmen Ulbrich. Geschäftsführer Marc Krombach (links) berichtete über die Auswirkungen der Flut.
Ina Scharrenbach (rechts) zu Besuch beim Transportunternehmen Ulbrich. Geschäftsführer Marc Krombach (links) berichtete über die Auswirkungen der Flut. © Wiechowski, Jona

Der Fußboden musste komplett raus, ebenso zahlreiche Möbel, erzählte sie. Ein geschätzt drei Sattelschlepper-Ladungen großer Schlamm- und Geröllberg liegt noch heute auf dem Grundstück. Anschließend brachte Späinghaus die Ministerin wieder zum Rathaus, wo ihr Fahrer mit der großen Audi-Limousine wartete.

Auch interessant

Kommentare