Mutige Investitionen

Vier Jahreszeiten fit für die Zukunft: Gastronom nutzt Krise als Chance

Im großen Saal des Restaurants Vier Jahreszeiten steht Tomislav Lavric zwischen Farbeimern und Leitern. Die Renovierungsarbeiten sind aber fast abgeschlossen, der Gastwirt hofft, bald wieder öffnen zu können.
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Im großen Saal des Restaurants Vier Jahreszeiten steht Tomislav Lavric zwischen Farbeimern und Leitern. Die Renovierungsarbeiten sind aber fast abgeschlossen, der Gastwirt hofft, bald wieder öffnen zu können.

Die vergangenen Monate, in denen das Vier-Jahres-Zeiten geschlossen bleiben musste, hat Wirt Tomislav Lavric für aufwendige Sanierungsmaßnahmen genutzt. Ausgerechnet in der wohl schwierigsten Phase der Gastronomiebranche Investitionen vorzunehmen, könnte man als mutig bezeichnen...

Werdohl – Er könnte jammern über den Corona-Lockdown, der ihm seit rund sieben Monaten seine Geschäftsgrundlage raubt. Wirklich glücklich ist Tomislav Lavric darüber natürlich auch nicht, das eint ihn mit vielen anderen Gastronomen in Deutschland. Doch der Inhaber des Restaurants Vier Jahreszeiten hat versucht, die Krise als Chance wahrzunehmen.

Seit 2008 ist der Werdohler mit kroatischen Wurzeln Pächter des ehemaligen Schützenhofs an der Dammstraße, der unter seiner Regie zum Restaurant Vier Jahreszeiten wurde. Zum Auftakt vor nunmehr 13 Jahren habe er die Räume natürlich renoviert und auch in den Jahren danach sei „immer mal wieder etwas gemacht worden“, blickt der 39-Jährige zurück.

Als das Lokal jetzt gezwungenermaßen für mehrere Monate geschlossen war, habe er aber noch einmal umfassend in verschiedene Bereiche investiert, berichtet Lavric. Zum Teil sind es reine Verschönerungsarbeiten, zum großen Teil aber Maßnahmen, die ihm das Geschäft für die Zukunft sichern sollen.

Neue Beleuchtung in den Sälen

Optisch gewonnen hat der Eingangsbereich, der neu gestaltet worden ist. Zu den eher kosmetischen Maßnahmen gehört auch, dass alle drei Säle eine neue Beleuchtung erhalten haben.

Obwohl: Auch das kann man durchaus als Investition in die Zukunft betrachten, denn: „Sämtliche Leuchten im großen Saal brauchen jetzt zusammen so viel Strom wie früher eine einzige der großen Deckenleuchten“, erklärt Lavric, warum er auf die stromsparende und damit umweltfreundliche LED-Technik umgeschwenkt ist.

Obendrein spendeten diese Leuchten aber auch „ein unheimlich schönes Licht“, gefällt Lavric, dass sich die Farben und die Lichtintensität variieren lassen. Viele andere Investitionen hat der gelernte Gastronom aber im Hinblick auf die Corona-Pandemie vorgenommen, wie er sagt. Bereits bestellt, aber nicht geliefert seien mobile Luftfilter für die Gasträume.

Kontaktloses Bezahlen

„Das wird wohl eine Voraussetzung werden, wenn wir in Zukunft in den Innenräumen Gäste bewirten wollen“, glaubt Lavric, dass die Pandemie mit dem Abklingen der dritten Welle hoffentlich in den nächsten Wochen, noch keineswegs ausgestanden ist. Deshalb hat er in seinem Restaurant auch die Digitalisierung vorangetrieben. Entsprechende Geräte sollen in der Lage sein, beispielsweise den zukünftigen digitalen Impfpass lesen zu können.

Auch kontaktloses Bezahlen möchte Lavric ermöglichen. Apropos kontaktlos: In den Sanitäranlagen könnten die Bedienelemente zukünftig betätigt werden, ohne sie mit den Händen berühren zu müssen.

Hygienekonzept: „Möchte nicht das Handtuch werfen müssen“

Ausgerechnet in der wohl schwierigsten Phase der Gastronomiebranche überhaupt solche Investitionen vorzunehmen, könnte man als mutig bezeichnen. Tomislav Lavric winkt aber ab: „Mir bleibt doch gar nicht anderes übrig“, sagt er. „Ich muss in ein solches Hygienekonzept investieren, denn ich möchte nicht das Handtuch werfen müssen.“

Bezahlt habe er das alles aus Rücklagen, die eigentlich für das Alter vorgesehen gewesen seien, erzählt Lavric. Das ist der Moment, in dem in ihm doch so etwas wie Verärgerung über die monatelange Zeit aufkommt, in der er kein Geld verdienen konnte und „vom Eingemachten“ leben musste.

Denn auch wenn er Überbrückungshilfen des Bundes beantragt und bekommen habe, die seien ja nicht für seinen privaten Lebensunterhalt bestimmt gewesen. Davon habe er Miete für sein Restaurant und andere laufende Betriebskosten bezahlen müssen, was schwierig genug gewesen sei: „Auf das Geld habe ich wochenlang warten müssen, aber die Rechnungen waren da und mussten bezahlt werden.“

Corona: Politik kommt nicht gut weg

Mithilfe seiner Bank und seines Steuerberaters, aber auch seiner Mitarbeiter sei er durch diese sehr schwierige Zeit gekommen. Die Politik kommt bei Tomislav Lavric, der sich selbst nicht als politischen Menschen bezeichnen würde, nicht gut weg. Die Gastronomie sei zu Unrecht zum Sündenbock gestempelt worden.

Denn es habe sich sehr bald gezeigt, dass das Gastgewerbe keineswegs der Pandemietreiber gewesen sei. „Alle Kneipen hatten geschlossen, aber die Zahlen sind trotzdem weiter gestiegen“, erinnert Lavric an die Entwicklung.

Doch der Familienvater hat dem Lockdown tatsächlich auch angenehme Seiten abgewinnen können. „Ich hatte mehr Zeit für meine Familie, sogar an den Feiertagen“, sagt er lächelnd. Gerade die Feiertage bedeuten ja ansonsten für alle in der Gastronomie Tätigen besonders viel Arbeit. „Nach gut 20 Jahren habe ich endlich auch einmal selbst wieder Silvester feiern können“, ist dem 39-Jährigen Vier-Jahreszeiten-Gastronom der Jahreswechsel 2020/21 noch besonders angenehm in Erinnerung.

Hoffentlich bald wieder Gäste

Dennoch hofft Tomislav Lavric, dass er am nächsten Silvesterabend wieder viele Gäste in seinem Restaurant Vier Jahreszeiten begrüßen kann. Denn das würde bedeuten, dass die Pandemie zumindest so weit überwunden ist, dass er als Gastronom wieder das tun kann, was er gelernt hat und gerne tut: Gäste bewirten und ihnen schöne Stunden bereiten.

Derzeit zögert er damit noch, obwohl ihm die Lockerungen ja zumindest eine Bewirtung im Außenbereich erlauben würden. Aber erstens, sagt Lavric, sei der Biergarten noch nicht wieder hergerichtet. Und zweitens sei ihm dieses Geschäft aufgrund der instabilen Wetterlage zu unsicher. „Ich warte noch, bis ich auch in den Innenräumen wieder bewirten kann“, sagt er. In der Zwischenzeit legt er bei der Renovierung noch letzte Hand an.

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