Viele sind unsicher, ob sie ab Montag wieder öffnen werden

Öffnung erlaubt: Gastwirte noch sehr vorsichtig

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Akkordeon-Musik wird es in den Tiroler Stub’n auf dem Kohlberg vorerst ganz sicher nicht geben. Ansonsten hat Betreiber Gerald Strutzmann aber schon konkrete Idee, wie die Wiederöffnung erfolgen könnte.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Die Wiedereröffnung der Restaurants, Cafés und Hotels ist plötzlich schneller als erwartet in greifbare Nähe gerückt. Die NRW-Landesregierung gab in dieser Woche grünes Licht für einen Start ab kommendem Montag – unter strengen Auflagen. Wie genau diese Auflagen aussehen, konnte gestern aber noch niemand sagen. Die Kommunen und die Gastronomen warteten auf genaue Vorgaben. Die detaillierte Ausarbeitung lag noch nicht vor.

Unabhängig davon machten sich einige Betreiber der Gaststätten in Werdohl, Neuenrade und Balve aber schon Gedanken, wie sie möglichst schnell starten könnten. Andere hingegen überlegten trotz der Freigabe, ob sie in der kommenden Woche überhaupt schon öffnen sollen. Ein Überblick:

Kaisergarten in Neuenrade

Kaisergarten-Chef Engelbert Groke sagte ganz klar: „Die Wiedereröffnung kommt zu schnell und zu plötzlich.“ Natürlich freuten sich alle darüber, dass sie den Betrieb wieder aufnehmen dürfen – zumindest in der Theorie, denn das letzte Wort hat das jeweilige Ordnungsamt vor Ort. Aber über das Wochenende die Speiseräume umzubauen und zu putzen sei eine Mammutaufgabe, auf die man sich mit mehr Zeit hätte vorbereiten müssen. Auch das Einkaufen frischer Lebensmittel müsse nun sehr spontan geschehen.

Groke will sich am Wochenende mit den nötigen Dingen eindecken. Klar ist für ihn schon: Im Kaisergarten wird es nach der Wiedereröffnung keine Tischdecken mehr geben. Abstände von 1,5 Metern müssen eingehalten werden, die Bedienungen tragen vermutlich Mundschutze. An den Tresen werden sich die Gäste nicht mehr setzen können. Und generell sind Besuche im Restaurant nur noch nach telefonischer Reservierung möglich. Den Außer-Haus-Verkauf möchte der Kaisergarten auf jeden Fall beibehalten: „Das läuft wirklich gut, gerade am Wochenende“, ist Groke dankbar

Tiroler Stub’n auf dem Kohlberg

Gerald Strutzmann ist optimistisch: „Wenn jeder seine Aufgaben und Vorschriften erfüllt, kann es ja nur noch besser werden.“ Die genauen Vorgaben fehlten zwar auch ihm gestern noch, der Chef der Tiroler Stub’n steckte aber schon voll in den Planungen für die Wiedereröffnung. Die Tischgruppen sollen so umgestellt werden, dass überall ausreichend viel Platz zwischen den Gästen ist. Außerdem denkt Strutzmann darüber nach, provisorische Wände einzuziehen, die die einzelnen Sitzgruppen voneinander abtrennen. Jeder zweite Vierertisch könnte nach der Wiedereröffnung frei bleiben.

Damit sich die Gäste nur dorthin setzen, wo sie dürfen, sollen sie ihren Tisch in den Tiroler Stub’n vorab telefonisch reservieren. Vor Ort werden sie am Eingang abgeholt und zu ihren Tischen geleitet. „Nur so bleibt der Menschenfluss regulierbar“, betonte Strutzmann. Vor der Toilette möchte er einen Servicemitarbeiter abstellen, der darauf achtet, dass nie mehr als ein Gast die Sanitärräume benutzt. Der Stub’n-Chef wird ab Montag selbst im Service arbeiten. Ein Koch werkelt in der Küche. Das restliche Personal möchte Strutzmann nach und nach wieder in den Betrieb holen; „so wie Geld da ist“.

Der Gastronom aus Neuenrade erwartet trotz weniger Plätzen im Innenbereich vorerst keine massiven Umsatzeinbrüche, solange das Wetter mitspielt. Denn die Tiroler Stub’n haben den Vorteil, dass auch im Außenbereich viel Platz für Tischgruppen ist. Wenn diese bedient werden können, käme er annähernd auf die normale Platzanzahl. Statt 80 innen, jeweils 40 drinnen und draußen. Jeder Gast muss sich in eine Liste eintragen, „damit der Pandemieweg im Fall einer Infektion eingegrenzt werden kann“, erklärte Strutzmann. 

„Wir müssen jetzt dran bleiben, eine Strategie entwickeln und viel rechnen“, erläuterte er sein weiteres Vorgehen. Der Pavillon auf dem oberen Parkplatz jedenfalls, an dem frisch zubereitete Snacks verkauft werden, soll vorerst bleiben. Der Verkauf dort laufe hervorragend und die angebotene Currywurst hätte sogar schon von Gästen aus dem Ruhrgebiet großes Lob bekommen. In Zukunft soll statt des kleinen Zeltes ein Verkaufsanhänger auf den unteren Parkplatz gestellt werden.

Versevörder Hof in Werdohl

Im Versevörder Hof wartete man gestern noch auf den offiziellen Bescheid des Ordnungsamtes, in dem die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen erläutert werden. Der Außer-Haus-Verkauf laufe derzeit „super“, weshalb sich die Mitarbeiter noch nicht sicher sind, ob sie überhaupt so schnell wieder öffnen. Es lohne sich wirtschaftlich nicht, die Küche wieder hochzufahren, wenn bedingt durch die strengen Auflagen nur vier bis fünf Kunden in die Gaststätte dürften.

Haus Werdohl in Werdohl

Brigitte Mölders, Leiterin des Haus Werdohl, weiß eines schon sicher: Am Montag wird sie auf keinen Fall eröffnen. „Da ist Ruhetag“, sagte sie – und dieser Tag sowie das Wochenende würden für Vorbereitungen genutzt. Unter anderem müsse geputzt und „alles frisch gemacht“ werden. Frisches Essen will sie am Wochenende einkaufen. Das könnte durch die Maskenpflicht bei den großen Mengen eine körperliche Herausforderung werden. Frühestens werde das Haus Werdohl also am kommenden Dienstag wieder Gäste empfangen.

Wirklich erleichtert ist Brigitte Mölders noch nicht, weil es weitergehen kann. Sie hat Respekt davor, die neuen Bestimmungen gewissenhaft umzusetzen. Und wie gut es sich in ihrem, recht bewegungsintensiven Job mit Maske arbeiten lässt, bleibe noch abzuwarten. „Aber wenn es so kommen sollte, bleibt uns nichts anderes übrig, dann müssen wir da durch“, sagte sie. Grundsätzlich ist sie froh, dass nun Besserung in Sicht ist. „Wir hatten jetzt sieben Wochen zu, das reicht dann jetzt auch.“

Hotel Wilhelmshöhe in Neuenrade

Kai Friedriszik wusste gestern ebenfalls noch nicht so recht, wie lohnenswert es sein würde, wieder zu eröffnen. Die Familie betreibt mehrere Gastronomiebetriebe in Neuenrade und Balve. Zu diesen gehört unter anderem das Hotel Wilhelmshöhe. Vater Heinz Friedriszik ist zudem stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und Delegierter für Westfalen. Aber selbst die Dehoga habe bisher keine näheren Informationen erhalten.

Wird es einen Ansturm geben oder wären die Leute doch eher vorsichtig? Diese Frage trieb den Hotelleiter am Donnerstag um: „Wir haben mehr Angst vor dem Aufmachen, als vor dem Zulassen“, brachte Kai Friedriszik die Unsicherheit zum Ausdruck. Das Hotel Wilhelmshöhe lebe zudem vor allem von geschäftlichen Kunden und sei eher keine Ausflugsstätte. „Wir leben von Tischen, an denen in der Regel mehr als vier Menschen zusammensitzen. Ob das bei Geschäftskunden, die ja nicht miteinander verwandt sind, ohne Weiteres möglich sein wird, ist noch offen.“

Ebenso, ob Reservierungen zwingend nötig werden und ob er eine Desinfektionssäule und Acrylglasscheiben besorgen muss. Friedriszik rechnet damit, dass es spätestens am Wochenende weitere Informationen geben wird. Dann gelte es, ein Hygienekonzept zu erarbeiten. So wie gewohnt, wird der Betrieb jedenfalls unter keinen Umständen funktionieren. Sicher weiß der Gastronom eines: Die Corona-Pandemie hat schon jetzt massive Folgen. Stornierungen für Hochzeiten und Geschäftsessen gibt es bis August, große Weihnachtsfeiern wurden noch gar nicht gebucht.

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