Pflegeeinrichtung  am Grasacker: Viele Fragen bleiben offen

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Der Bielefelder Architekt Karol Mach (links) und der Investor Wilhelm Kötter aus Bad Dürkheim stellten am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung Pläne für den Neubau einer Altenpflegeeinrichtung am Grasacker vor.

WERDOHL - Projektentwickler Wilhelm Kötter, der am Grasacker eine vollstationäre Pflegeeinrichtung plant, wollte sich am Dienstag nicht in die Karten schauen lassen: Erst nachdem mehrere Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung darauf gedrängt hatten, den Namen des Betreibers der Einrichtung zu erfahren, nannte Kötter die Casa Reha Holding GmbH.

Was die Architektur und die Aufteilung des geplanten Gebäudes betrifft, informierte Architekt Karol Mach die Kommunalpolitiker. Im Erdgeschoss der viergeschossigen Pflegeeinrichtung sollen unter anderem der Empfang, die Verwaltung, Büros, ein Aufenthaltsraum und ein Restaurant untergebracht werden. Darüber seien drei Regelgeschosse mit insgesamt sechs Wohnbereichen geplant. Mach erklärte, das Gebäude solle an die vorhandene Bebauung angepasst werden. Im rückwärtigen Bereich werde ein begrünter Verweilplatz geschaffen.

Insgesamt solle die Einrichtung über 80 Einzelzimmer verfügen. „Die Größe liegt jeweils zwischen 16,5 und 17,5 Quadratmeter, die der dazugehörenden Nasszellen bei fünf bis sechs Quadratmetern“, berichtete der Architekt aus Bielefeld und fügte hinzu, dass 18 der Zimmer rollstuhlgerecht eingerichtet werden sollten.

Diese Zahl hinterfragte WBG-Mitglied Thomas Janikowski kritisch: „Ist das nicht zu wenig? Es geht schnell, dass Bewohner einer Pflegeeinrichtung, die gerade noch fit waren, im Rollstuhl landen.“ Janikowski wollte wissen, was in einem solchen Fall geschehe, wenn alle der 18 rollstuhlgerechten Zimmer belegt seien.

Eine konkrete Antwort blieben sowohl Mach als auch Kötter schuldig. Der Architekt erklärte lediglich, die Planung beruhe auf entsprechenden Erfahrungswerten.

Auch Jürgen Henke konnte mit der ihm erteilten Auskunft nicht zufrieden sein. Der Sozialdemokrat hatte sich nach einem möglichen Konzept für Betreutes Wohnen erkundigt. „Ich glaube nicht, dass dafür Bedarf besteht“, sagte Mach und verwies auf Gespräche mit der Heimaufsicht. Henke konnte das nicht verstehen: „Viele Werdohler zieht es nach Neuenrade, weil es das Betreute Wohnen dort gibt und hier eben nicht.“

Projektentwickler Wilhelm Kötter verwies schließlich auf die „umfangreichen Erfahrungen“ des mutmaßlichen Betreibers. „Er hat 72 Häuser in Deutschland mit mehr 10 000 Plätzen.“ Einen Namen wollte er jedoch nicht nennen – und versicherte, dass ihm die Werdohler Kommunalpolitiker diesbezüglich vertrauen könnten. Dem Sozialdemokraten Matthias Wershoven reichte das ebenso wenig WBG-Mitglied Thomas Janikowski, der anmerkte: „Das ist merkwürdig. Sie erwarten von uns eine Entscheidung, aber wollen selbst nicht mit offenen Karten spielen.“ Daraufhin meinte Kötter hörbar gereizt, Casa Reha sei mittlerweile seit 20 Jahren in Deutschland tätig. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Pressesprecher der Unternehmensgruppe, im Jahresverlauf würden immer wieder Projekte zum Bau neuer Seniorenpflegeheime geprüft – so auch in Werdohl. Bisher seien aber noch keine Entscheidung für den Standort gefallen.

Von Carla Witt

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