Regionalplan bilanziert die Flächennutzung neu

Viel zu viel Platz zum Wohnen in Werdohl

Den Entwurf für den neuen Regionalplan, der auch das Gebiet der Stadt Werdohl betrifft, hat die Bezirksregierung jetzt vorgelegt. Darin werden auch auf Rosmart (links) neue Flächen für den Gewerbe- und Industriebau (grau-rot) ausgewiesen.
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Den Entwurf für den neuen Regionalplan, der auch das Gebiet der Stadt Werdohl betrifft, hat die Bezirksregierung jetzt vorgelegt. Darin werden auch auf Rosmart (links) neue Flächen für den Gewerbe- und Industriebau (grau-rot) ausgewiesen.

In Nordrhein-Westfalen gehen täglich rund 10 Hektar wertvolle Natur- und Freiflächen verloren. Und wie großzügig möchte die Stadt Werdohl in den nächsten 20 Jahren mit dem Flächenverbrauch umgehen?

Werdohl ‒ Was wo möglich wäre, das steht im Entwurf des neuen Regionalplanes, den die Bezirksregierung Arnsberg aufgelegt hat.

Der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea) hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Entwurf des neuen Regionalplans befasst. Der neue städtische Raumplaner Marcel Schmidt hat den Politikern das umfangreiche und komplizierte Papier näher gebracht.

Gewerbe und Industrie: Es fehlen 23 Hektar

Im Regionalplan-Entwurf hat die Bezirksregierung unter anderem die Flächen für den Allgemeinen Siedlungsbau (ASB) und für die Gewerbe- und Industrienutzung (GIB) für das Stadtgebiet Werdohl bilanziert. Wenig überraschendes Ergebnis der Bilanz für die Bereiche, die dem Gewerbe und der Industrie in Werdohl zur Verfügung stehen: Es fehlen 23 Hektar. Dass Werdohl einen Bedarf an solchen Flächen hat, wurde auch schon im Zusammenhang mit der Erweiterung des Gewerbeparks Rosmart diskutiert.

Profitieren könnte Werdohl von der Aufgabe des Kraftwerks Elverlingsen, denn dort fallen in Kürze durch die Aufgabe der ehemaligen Siedlung (4,5 Hektar) und des Kohlelagers (etwa 3 Hektar) rund 75 Hektar sogenannte betriebsgebundene Reserveflächen weg. Sie können dem Defizit dann gegengerechnet werden. An anderer Stelle nimmt die Bezirksregierung GIB-Flächen aus dem Regionalplan heraus. Im Bereich Blechhammer will sie damit einer bandartigen Entwicklung entgegensteuern.

Allgemeine Siedlungsbereiche: Auch hier greift die Bezirksregierung ein

Korrigierend greift die Bezirksregierung auch im Bereich der Allgemeinen Siedlungsbereiche (ASB) ein, in denen neben einer Wohnbebauung auch wohnverträgliches Gewerbe zulässig ist. Für die Stadt Werdohl sieht Arnsberg nämlich einen Bedarf an 14 Hektar für Wohnbebauung und zwei Hektar für das Gewerbe, tatsächlich stehen aber insgesamt rund 73 Hektar Flächenreserven zur Verfügung. Thomas Schroeder, für die Stadtplanung zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus, sprach in der Ustea-Sitzung deshalb auch von einem „rekordverdächtigen Überhang“.

Um diesen Überhang zumindest „auf dem Papier“ abzubauen, werden ASB-Flächen zum Beispiel in den Bereichen Königsburg, Versevörde und Düsternsiepen aber auch in der Osmecke und in Kleinhammer im Regionalplanentwurf nicht mehr als solche dargestellt. Direkte Folgen habe das für Werdohl nicht, konnte Raumplaner Schmidt die Ausschussmitglieder beruhigen. In den Gebieten, für die es einen gültigen Bebauungsplan gebe, könne auch weiterhin gebaut werden.

Auswirkungen auf zukünftige städtebauliche Entwicklungen

Auswirkungen könnten die Darstellungen im neuen Regionalplan aber auf zukünftige städtebauliche Entwicklungen haben. So ist denkbar, dass die Landesplanung Werdohl keine Festsetzung weiterer Wohnbaugebiete im Flächennutzungsplan genehmigt, solange in den vorhandenen Gebieten noch Bauplätze zur Verfügung stehen. Werdohl müsste dann zunächst noch nicht bebaute Flächen „zurückgeben“. Eine Verpflichtung ist aus dem Regionalplan aber erst einmal nicht abzuleiten. Die Rücknahme von Flächen für den Allgemeinen Siedlungsbau sei eher als Empfehlung zu verstehen, erklärte Schmidt.

Regionalplan: Abwägung unterschiedlicher Interessen

Land ist eine begrenzte Ressource, auf die jeder Ansprüche erhebt: zum Wohnen, zum Arbeiten, zum Einkaufen, zum Autofahren, zur Erholung oder zum Reisen. Aber auch Landwirtschaft, Industrie, Forstwirtschaft sowie Energieerzeugung möchten Flächen nutzen. Damit unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden können, ist eine genaue Planung erforderlich. Die Regionalplanung wägt konkurrierende Ansprüche auf Flächen in einer Region ab und führt sie im Interesse der Allgemeinheit zum Ausgleich. Sie regelt, wie die zur Verfügung stehenden Flächen genutzt werden können. Für Werdohl und den Märkischen Kreis ordnet die Bezirksregierung Arnsberg die Flächeninteressen.

Ähnlich verhält es sich mit Gewerbegebieten, allerdings gibt es auf diesem Sektor in Werdohl keinen Überhang, sondern einen deutlichen Bedarf. Bedeutsam wird der Regionalplan in diesem Punkt dennoch, weil die Ausweisung von neuem Bauland für Gewerbe und Industrie nur dort möglich ist, wo der Regionalplan Flächen dafür vorsieht. Das durch den Abbruch des Kraftwerks Elverlingsen frei werdende Areal könnte also Gewerbegebiet werden, eine Ausdehnung über das im Regionalplan dargestellte Gebiet hinaus wäre aber nicht möglich.

Eine „Verrechnung“ ist nicht möglich

Eine „Verrechnung“ von zu viel vorhandenen Allgemeinen Siedlungsbereichen mit zu wenig vorhandenen Flächen für die Gewerbe- und Industrienutzung ist übrigens nicht möglich. Der Regionalplanentwurf sieht für Werdohl aber noch zusätzliche GIB-Flächen im Bereich Bauckloh und östlich der Bundesstraße 236 in Dresel vor.

Interessant ist auch, wie im Regionalplanentwurf der Bereich auf Rosmart dargestellt wird, der für eine Erweiterung des interkommunalen Gewerbeparks infrage kommt. Werdohls Rat hatte sich ja dagegen ausgesprochen, das Gewerbegebiet dort auf das Stadtgebiet von Werdohl auszudehnen. Im Entwurf des Regionalplans taucht es aber nun dennoch als mögliche weitere Fläche für Gewerbe und Industrie auf. Diese Darstellung verpflichte Werdohl aber zu nichts, die Entscheidung über die tatsächliche Flächennutzung bleibe bei der Stadt, versicherte Raumplaner Schmidt. Allerdings erhalte Werdohl dadurch die Möglichkeit, in einigen Jahren doch wieder in das Projekt der Rosmart-Erweiterung einzusteigen. Regionalpläne haben in der Regel eine Geltungsdauer von 15 bis 20 Jahren.

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