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Viel mehr als nur Buchausleihe: Das alles bietet die Stadtbücherei

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Von: Volker Griese

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Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei zeigte im Kulturausschuss einen Dash-Roboter, der mittlerweile zum Angebot der Bibliothek gehört.
Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei, zeigte im Kulturausschuss einen Dash-Roboter, der mittlerweile zum Angebot der Bibliothek gehört. © Volker Griese

Das Angebot der Stadtbücherei Werdohl geht mittlerweile weit über das bloße Ausleihen von Büchern hinaus. Das wurde im Jahresbericht deutlich, den Büchereileiterin Katharina Bode in dieser Woche in der Sitzung des städtischen Kulturausschusses abgab. Außerdem berichtete sie von einer erfreulich guten Entwicklung der Nutzerzahlen.

Werdohl ‒ Die Zeiten, in denen Menschen in eine Bücherei gegangen sind, nur um dort ein Buch auszuleihen oder – eher selten – vor Ort etwas zu lesen, sind in Werdohl längst vorbei. Zwar gibt es dieses Basisangebot in der Stadtbücherei noch, aber das eigentliche „Geschäft“ macht die kommunale Bibliothek mittlerweile mit anderen Angeboten, mit denen sie sich mehr und mehr zum Ort der Integration, Inklusion und Diversität mit freiem Zugang zu Wissen und Information entwickelt.

Beispielsweise bietet die Stadtbücherei für ihre jungen Besucher – die Leiterin spricht gerne von „Kunden“ – Konsolenspiele an, die man vor Ort ausprobieren und dann für die Nutzung zuhause ausleihen kann. „Bei den Kindern unter zwölf, insbesondere den Leseanfängern, erfreut sich der Lesebär SAMi größter Beliebtheit, den wir zum Ende vergangenen Jahres hin in unser Programm aufgenommen haben“, berichtete Bode dem Kulturausschuss. Die kleine Figur hilft Kindern ihre eigenen Lesefähigkeiten zu fördern.

Darüber hinaus hat die Bücherei den sogenannten Maker-Space eingerichtet: Dort finden sich sowohl Angebote aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich als auch der Informationstechnik, aber ebenso künstlerisch-kreative Angebote zur individuellen Förderung. „Der Maker-Space beinhaltet unsere bereits seit längerer Zeit vorhandenen Beebote zum problemlösenden Denkspiel für jüngere Kinder und wurde dazu um Roboter Dash für die etwas Älteren erweitert“, erläuterte Bode den Ausschussmitgliedern, hatte den Dash-Roboter zur Demonstration auch gleich mitgebracht und erklärte, worum es dabei geht: „Für seine Programmierung ist die Bedienung eines Tablets erforderlich. Es kommen somit verschiedene Medien und Geräte zum Einsatz. Kinder, Jugendliche und auch interessierte Erwachsene können sich dadurch spielerisch an Themen wie Robotik, Coding oder auch physikalische Gesetzmäßigkeiten herantasten.“

Ebenfalls für verschiedene Altersstufen – für Kinder ab sechs und für Kinder ab zehn Jahren – hat die Stadtbücherei die Möglichkeit zur Beschäftigung mit zwei Lego-Education-Angeboten eingerichtet. „Damit kann man physikalische Konzepte erforschen, Experimente zu Kräften, Wechselwirkungen und Bewegungen durchführen oder auch zu Maschinenbau, Informatik und Programmiersprache“, erläuterte die Büchereileiterin, wie die Bibliothek durch solche Angebote mehr und mehr zum Bildungsort wird. Zudem würden durch die vielfältigen Konstruktionsmöglichkeiten und Aufgaben per App das kritische Denken und die Kreativität der Kinder angeregt und gefördert.

Neben diesen digitalen und weiteren analogen Angeboten wie Mangazeichnen oder Handlettering, mit denen sich die Kunden der Bücherei größtenteils selbst beschäftigen können und die die Aufenthaltsqualität in der Bücherei verbessern sollen, gibt es auch noch Gemeinschaftsangebote. „Besonderer Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen erfreut sich unser Game-Monday, den wir seit dem 24. Juni regelmäßig jeden Montagnachmittag anbieten“, berichtete Katharina Bode.

„Die Bücherei unterstützt die Menschen sichtbar tagtäglich“.

Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei Werdohl

Daneben setzt sich die Stadtbücherei seit einiger Zeit für Klima- und Ressourcenschutz sowie Nachhaltigkeitsziele ein. „Nach diversen Sammelstellen und dem Tauschregal haben wir daher in diesem Jahr weitere nachhaltige Aktionen wie zum Beispiel eine Saatgutbibliothek ins Leben gerufen“, berichtete Bode von ersten Schritten auf dem Weg zur „Green Library“ (deutsch: „Grüne Bibliothek“).

Dazu passt zweifellos auch eine für Büchereien eher ungewöhnlicheAktion, die im Oktober erstmals durch geführt wurde und auf Anhieb riesige Resonnz fand: eine Fledermausnacht mit Vortrag und Exkursion. „Die Veranstaltung war dermaßen stark gefragt, dass wir bereits einen Zweittermin für das Frühjahr mit unserer Fledermausexpertin vom Nabu angesetzt haben, um der Nachfrage gerecht zu werden“, blickte die Büchereileiterin zurück und kündigte gleichzeitig eine Fortsetzung an.

In Bodes Jahresbericht wurde deutlich, dass sich die Stadtbücherei längst nicht mehr nur über die Ausleihzahlen definiert, obwohl sich die im bisherigen Jahresverlauf auch durchaus sehen lassen können. „Die Ausleihzahlen dieses Jahres sollten voraussichtlich die des vergangenen Jahres übersteigen. Schon Mitte Oktober lagen sie in einigen Bereichen über den Entleihungen für das gesamte vergangene Jahr,“ sagte Bode.

Und auch dabei spielten die Ausleihen jenseits der Bücherregale eine bedeutende Rolle, wie sie verdeutlichte: „Zum Beispiel konnten wir bei den Tonies, einfachen Tonabspielgräten für Kinder, bis Oktober bereits 350 Entleihungen mehr verzeichnen. Aber auch bei den Spielen waren es bereits knapp 200 Ausleihen mehr als im gesamten Vorjahr“, berichtete die Büchereileiterin und nutzte die Gelegenheit zu einer generellen Aussage über die Bedeutung der Stadtbücherei: „Besonders in Krisenzeiten erweist sich die Bibliothek als wichtige Anlaufstelle und Multiplikator.“ Sie biete Zugang zu aktuellen Informationen, kläre auf, helfe bei Recherche gegen Fake News, fördere eigenständiges Denken, wappne gegen Diskriminierung, stifte Zusammenhalt und fördere Demokratie. Sie unterstütze bei Aufklärungskampagnen beispielsweise des Gesundheitssystems, indem man seriöses Informationsmaterial erhalte und biete nicht zuletzt Möglichkeiten zur Zerstreuung und zum Austausch. „Die Bücherei unterstützt die Menschen sichtbar tagtäglich“, sagte Bode.

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