Viadukt: Eisenbahner wundern sich über die Bahn

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Der marode Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen war großes Thema beim Werdohler Eisenbahn-Stammtisch. Die Bahn will das Denkmal jetzt doch sanieren und erstmal die Trasse freischneiden.

Werdohl - Viel zu bereden hat der Werdohler Eisenbahner-Stammtisch immer, wenn er zusammenkommt. Wenn dann aber gerade einmal noch der Abriss des Ütterlingser Viaduktes abgewendet werden konnte, ist der Gesprächsbedarf umso höher. Eine Mischung aus Erleichterung und Begeisterung schwang am Donnerstagabend durch das Kleine Kulturforum im Bahnhof.

„Das ist doch eine Verarschung der Leute“, empörte sich Dietmar Kunen, Sprecher der Eisenbahner-Runde. „Erst heißt es, der Abriss sei unumgänglich – und dann doch nicht.“ Heimatvereins-Vorsitzender Heiner Burkhardt betonte jedoch: „Wir wollen keine Konfrontation mit der Bahn.“

Einig waren sich indes die 13 Anwesenden beim Stammtisch-Treff, dass es nun wichtig sei, die Bäume sowie deren Wurzelwerk vom Viadukt zu entfernen. „Sonst zieht das Wasser da rein“, erklärte Kunen. „Das Mauerwerk muss aber geschützt werden.“ Und dieses sei, so der Stammtisch-Sprecher, „landschaftsbildend“. Burkhardt wusste zu berichten, dass unterdessen der Auftrag für einen solchen Freischnitt bereits erteilt worden sei.

Burkhardt blickte noch einmal zurück auf den Ablauf der Ereignisse: „Keiner von der Bahn hatte mit Werdohl gesprochen.“ Dass der Viadukt abgerissen werden sollte, habe er aus der Zeitung erfahren. Zwar hätte die Stadt Werdohl Einspruch gegen die Demontage der Eisenbahnbrücke einlegen können, schließlich stünde der Viadukt unter Denkmalschutz, aber die Bahn hätte dann wohl gegen ein Verbot des Abrisses geklagt. Burkhardt vermutete, dass das Unternehmen vor Gericht dann möglicherweise hätte nachweisen können, dass eine Sanierung zu aufwändig und zu kostspielig beziehungsweise zu unwirtschaftlich sei. Kunen kommentierte das mit der Feststellung: „Man kann auch alles kaputt rechnen.“

Nachdem er sich öffentlich gegen den Abriss stark gemacht habe, „haben WDR und SAT.1 bei mir angerufen“. Der Heimatvereins-Vorsitzende stellte dann die Frage in den Raum, „ob die deshalb bei der Bahn etwas hellhöriger geworden sind?“ Schließlich hätten die Fernsehsender sich sicher auch an das Unternehmen gewandt.

Kunen sprach dann ein weiteres Thema an. Am 14. Mai 1965 sei die Ruhr-Sieg-Strecke, die auch durch Werdohl führte, elektrifiziert worden. Der Beginn der schrittweisen Abkehr von den Dampfloks sei kommendes Jahr also 50 Jahre her. Er regte eine Sonderausstellung im Stadtmuseum an. Diese sollte alle Aspekte dieser historischen Entwicklung beleuchten. Denn mit der Elektrifizierung seien „aber auch Arbeitsplätze vernichtet worden“.

Ein drittes Thema des Abends sprach Matthias Schröder an. Der Regionale-Beauftragte der Nachbarstadt Plettenberg berichtete von einem weiteren runden Geburtstag. Die Fischbauchbrücke in Böddinghausen – nahe des Aqua Magis – sei in diesem Jahr 100 Jahre alt. 1915 sei sie in Betrieb genommen worden. Das sei Anlass, die Brücke und ihre Geschichte am 17. August bei der Veranstaltung „Lenne lebt“ mit einem Film in einem Zelt vorzustellen. Im kommenden Jahr – zum Jubiläum der Inbetriebnahme – solle die Brücke dann wieder zugänglich sein. Eine Ausischtsplattform solle darauf errichtet werden. Eine tschechische Studentin habe sogar bereits die Idee vorgebracht, in der Brücke ein Hotel für Wanderer zu installieren. „Ich finde die Idee gar nicht so schlecht“, befand der Regionale-Beauftragte. - Von Michael Koll

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