Absichtlicher Verfall?

Viadukt in Werdohl: Ortsheimatpfleger wirft Bahn Untätigkeit vor

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Das Viadukt in Ütterlingsen ist ein Baudenkmal und kein Naturdenkmal. Angesichts des üppigen Bewuchses und der Akzeptanz bei Wasservögeln vermutet man auf den ersten Blick nicht, dass es sich bei dem Bau in erster Linie um eine Eisenbahnbrücke handelt, die gewissen statischen Ansprüchen des modernen Bahnverkehrs genügen sollte.

Werdohl – Seit 2014 kämpfen Ortsheimatpfleger Heiner Burkhardt und sein Team um den Erhalt des Eisenbahnviadukts in Ütterlingsen – die Bahn als Eigentümerin ist als quasi unsichtbarer Gegner kaum zu treffen.

Jetzt ist das Viadukt wieder stark mit Birken bewachsen, Burkhardt fürchtet eine Art kalten Abriss: „Die Bahn macht nichts.“ 

Im Mai 2014 sollte das Bauwerk, das zwischen 1859 und 1861 entstanden ist, abgerissen werden. Es gehört der Bahn, die Überführung ist ein NRW-Baudenkmal. Nach langem Einsatz der drei Ortsheimatpfleger Burkhardt, Udo Böhme und Barbara Funke lenkte die Bahn ein und versprach für irgendwann eine Sanierung des Bauwerks. 

Wahrzeichen von Werdohl

Der Abriss des Werdohler Wahrzeichens war erst einmal vom Tisch. Dann versprach die Bahn, vor einer Sanierung wenigstens die munter sprießenden Bäume vom Bauwerk zu entfernen, um den weiteren Verfall der mehr als 150 Jahre alten Substanz nicht noch mehr zu beschleunigen. 

Die Durchgänge unter dem Viadukt hat die Bahn abgesperrt.

In einer Nacht- und Nebelaktion wurde im Juni 2018 der gröbste Bewuchs vom Gemäuer entfernt. Bei der Stadt machte man sich Hoffnungen, dass die Bahn vielleicht bald ein Sanierungskonzept der angegriffenen Brücke vorlegen würde. Doch darauf warten die Viadukt-Freunde noch heute. 

Burkhardt hat keine Beweise

Heiner Burkhardt beschleicht angesichts des seit knapp zwei Jahren wieder wachsenden Gestrüpps ein unguter Verdacht. „Die Bahn könnte mit Absicht das Viadukt verfallen lassen, damit sie es doch abreißen lassen kann.“ Für so eine Vermutung findet Burkhardt natürlich keine Beweise. 

Stattdessen hat er wieder einmal bei Reinhild Wüllner-Leisen nachgefragt. Die städtische Mitarbeiterin bildet mit den Ortsheimatpflegern die untere Denkmalbehörde. Natürlich hat auch Wüllner-Leisen nichts davon gehört, dass sich die Bahn in Sachen Sanierung beim Denkmalamt gemeldet hätte. Auch eine Stufe höher – bei der Denkmalschutzbehörde in Münster – weiß man von keinen Bahn-Plänen. 

Bahn ist in der Pflicht

Heiner Burkhardt, Architekt von Beruf, zitiert noch einmal die Pflichten der Bahn: Laut Gesetz haben Eigentümer von Denkmälern die Verpflichtung, das Denkmal instand zu setzen, instand zu halten, vor Gefährdung zu schützen und sachgemäß zu behandeln. Burkhardt: „Gerade ein Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn muss sich doch an die Regeln des Denkmalschutzes halten.“ 

Die Realität scheint eine andere zu sein: Diese Hoffnung auf Pflicht des Eigentümers hat die Bahn bereits seit sechs Jahren enttäuscht.

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