Jahrelange Untersuchungen

Viadukt-Sanierung verschoben: Jetzt soll es 2027 werden

Das Bahnviadukt in Ütterlingsen.
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Das Bahnviadukt in Ütterlingsen.

Die Deutsche Bahn hat die Fertigstellung der Viadukt-Sanierung um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben: 2027 könnte die Erneuerung abgeschlossen sein. In Werdohl glaubt man das eher nicht.

Werdohl – Die Deutsche Bahn ist in diesen Tagen damit beschäftigt, das Eisenbahn-Viadukt einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Vorläufige Untersuchungen laufen aber schon seit vier Jahren. Weil klar ist, dass die erzwungene Sanierung des Baudenkmals außerordentlich aufwendig und teuer wird, hat die Bahn die Fertigstellung um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben: 2027 könnte die Erneuerung abgeschlossen sein. In Werdohl glaubt man das eher nicht.

Ein Bahnsprecher teilte auf Nachfrage mit, dass im Augenblick Vermessungsarbeiten und Bauwerksuntersuchungen im Gange seien. Untersuchungen an der Eisenbahnüberführung hätten aber schon seit März 2017 stattgefunden, um den Zustand zu beurteilen und das weitere Vorgehen festzulegen. Aktuell würden „mehrere unterschiedliche Varianten“ untersucht.

Die Deutsche Bahn hat ein Gelsenkirchener Unternehmen mit der Vermessung des Ütterlingser Viadukts beauftragt. Die Vermesser untersuchen gerade zusätzlich andere Brücken auf Werdohler und Plettenberger Gebiet. Es geht dabei auch um Gebirgsschwankungen und Gleislagen.

Man befinde sich am Anfang der Planung, die Variante der Erneuerung sei noch nicht festgelegt. Auf weitere Nachfrage hieß es dazu: „Mögliche Varianten sind, dass wir Teile der Brücke wie zum Beispiel Widerlager und Gewölbe erhalten, ertüchtigen und stabilisieren. In diesem Fall würde die Fahrbahnplatte oben auf der Brücke neu erstellt werden.“

Ob nach den Untersuchungen doch Abriss und Neubau denkbar würden? Die Antwort: „Im Falle der Lennebrücke es unsere Prämisse, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten.“ Zur Prüfung und Ausarbeitung der Varianten werde im Juli dieses Jahres ein Ingenieurbüro beauftragt. Frühestens Ende 2021 erwarte die Bahn erste Ergebnisse.

Im Laufe der weiteren Planung werde die Bahn Abstimmungen mit der Stadt Werdohl und der zuständigen Denkmalbehörde durchführen. Die Entscheidung, welche Variante umgesetzt wird, soll frühestens Ende 2021 fallen.

Den Bauzeitenplan hat die Bahn vorsorglich wieder einmal weiter nach hinten verlegt: Der Zeitplan sieht jetzt einen Baubeginn für das Jahr 2025 und eine Fertigstellung im Laufe des Jahres 2027 vor. Der Bahnsprecher erklärt das so: „Wir rechnen mit aufwendigen Bauarbeiten, daher wurde der ursprünglich angedachte Termin von 2026 auf 2027 korrigiert.“

Männer eines Bauunternehmens aus Ennepetal nehmen in diesen Tagen Ausbesserungs- und Unterhaltungsarbeiten am Mauerwerk des Eisenbahn-Viadukts in Ütterlingsen vor. Ein Bahn-Bediensteter ist für die Streckensicherheit zuständig.

Am Viadukt ließen sich in diesen Tagen Beobachtungen machen. Ein Vermesser eines von der Bahn beauftragten Unternehmens sagte, dass von seinem Team nicht nur das Viadukt, sondern auch die Eisenbahnbrücke zwischen dem Ütterlingser Tunnel und dem Werdohler Bahnhof sowie eine Eisenbahnbrücke in Plettenberg vermessen werde. Die beiden Brücken würden möglicherweise nach 2027 komplett erneuert. Bahn-Sprecher Pohlmann wollte diese Aussagen weder autorisieren noch kommentieren.

Zu den Bauwerksuntersuchungen am Viadukt gab die Bahn weitere Erklärungen: „Es werden Probebohrungen an verschiedenen Stellen im Mauerwerk der Brücke gemacht, um Rückschlüsse auf die Festigkeit und den Zustand des Gesteins zu erhalten. Die Bauwerksuntersuchungen und Vermessungsarbeiten vor Ort sind nahezu abgeschlossen.“

Heiner Burkhardt ist Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins und setzt sich seit 2014 gemeinsam mit den jeweiligen Bürgermeistern Siegfried Griebsch und Andreas Späinghaus sowie Bürgermeisterin Silvia Voßloh für den Erhalt des stadtbildprägenden Bauwerks ein. 2014 hatte die Bahn mitgeteilt, dass das Viadukt innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre abgerissen und neu gebaut werden müsse. Die Bahnbrücke auf der Ruhr-Sieg-Strecke sei wirtschaftlich nicht zu sanieren.

Nach Protesten seitens der Stadt Werdohl und der Denkmalbehörden musste die Bahn einlenken, seit 2017 wird deshalb von einer Sanierung des Baudenkmals gesprochen. Heiner Burkhardt hakt hier ein: „Die Bahn hat angeblich von 2017 bis 2021 das Viadukt untersucht. Das sind vier Jahre. Was ist in diesen vier Jahren eigentlich passiert? Die sollen doch mal endlich mit offenen Karten spielen!“ Werdohler Bahn-Beobachter mutmaßten in der Vergangenheit häufig, dass die Bahn absichtlich das Viadukt verkommen lasse, um es eines Tages abreißen zu können.

Die Ruhr-Sieg-Bahnstrecke wird im Nahverkehr von Abellio befahren, dazu kommen viele Güterzüge. Ab November wird auch ein Intercity die Strecke befahren. Auf dem Brückenkörper ist kein Platz für den Notfall, falls ein Zug auf dem Viadukt zum Stehen kommt und Passagiere aussteigen müssen.

Die Verschiebung auf eine mögliche Fertigstellung 2027 hält Burkhardt jedenfalls für einen „Hammer“. Von jetzt an gerechnet sind das noch einmal sechs Jahre. Vom Beginn der angeblichen Untersuchungen 2017 bis zur geplanten Fertigstellung 2027 sind es zehn Jahre. Heiner Burkhardt: „In der Wirtschaft würde so etwas nicht passieren. Der Zeitrahmen ist enttäuschend.“

Da die Bahn den Fertigstellungszeitpunkt schon mehrfach verschoben habe, könne er auch an 2027 nicht so recht glauben.

Aufgrund der jüngsten Erklärungen hat sich Burkhardt bei den Denkmalbehörden erkundigt: Weder im Werdohler Rathaus noch beim Denkmalamt in Münster habe man etwas von der Bahn gehört. Die Absichtserklärungen der Bahn in Sachen Viadukt seien nicht ein einziges Mal glaubwürdig gewesen: „Da wird bestimmt noch irgendwas Unerwartetes gefunden und dann wird es ganz schnell 2028.“

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