Widerstand gegen Viadukt-Abriss

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Die Ortsheimatpfleger Barbara Funke, Heiner Burkhardt und Günter Reitz sowie Bürgermeister Siegfried Griebsch wollen sich für den Erhalt des Viaduktes einsetzen.

Werdohl - Die Position der Ortsheimatspfleger Heiner Burkhardt, Barbara Funke und Günter Reitz ist klar: 150 Jahre hat die Eisenbahnbrücke in Ütterlingsen ohne Schäden überstanden. Dass die Bahn den Viadukt jetzt aus Kostengründen abreißen lässt, kommt für die drei Werdohler nicht in Frage.

Auch Bürgermeister Siegfried Griebsch will sich für den Erhalt des Bauwerkes einsetzen. „Der Bahnhof und die Brücke gehören zusammen“, findet das Stadtoberhaupt. Beide prägten gleichermaßen das Stadtbild. „Die Brücke ist das Eingangstor zur Stadt“, unterstreicht Griebsch. Es gebe also viele gute Gründe, warum der Viadukt stehenbleiben müsse.

In der vergangenen Woche hatte die Bahn als Eigentümerin angekündigt, das Bauwerk im Laufe der kommenden 15 Jahre abzureißen. Als Begründung hieß es, die Brücke sei wirtschaftlich nicht zu sanieren. Dagegen wehren sich jetzt die Ortsheimatspfleger. „Es kann nicht sein, dass durch mangelnde oder fehlende Wartung und Pflege der Brücke durch den Eigentümer nun der Abriss mit nachfolgendem Neubau als kostengünstigste Variante propagiert wird“, schreiben Burkhardt, Funke und Reitz in einer Stellungnahme. „Wir halten dies für die schlechteste aller möglichen Lösungen.“

Brücke älter als gedacht

Schließlich stehe der Viadukt völlig zu Recht seit 1988 unter Denkmalschutz. „Man könnte fast an Rom denken“, weist Barbara Funke auf die Ähnlichkeit mit klassischen Bauwerken hin. „Während der Industrialisierung wurde Technik auch immer mit Ästhetik versehen.“ Außerdem ziehe der Viadukt Bahn- und Architekturbegeisterte nach Werdohl, die sonst sicher nicht den Weg in die Stadt fänden.

Wie Heiner Burkhardt herausgefunden hat, ist die Brücke sogar noch älter, als in der Denkmalliste notiert ist. Die Jahre 1863 bis 1865 sind dort als Bauzeit angegeben. „Das stimmt aber nicht“, sagt Burkhardt. Im Jahr 1861 sei schließlich schon die Ruhr-Sieg-Strecke von Altena nach Siegen erweitert worden. „Da fuhren schon Züge über die Brücke“, ist der Heimatpfleger sicher. „Es gab bestimmt nicht für zwei Jahre ein Provisorium.“

Ein Online-Archiv der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gab weiteren Aufschluss. Burkhardt fand einen „Jahresbericht über die Verwaltung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn“ aus dem Jahr 1861. Darin war die Werdohler Lennebrücke bereits aufgeführt. Zwischen 1859 und 1861 sei der Viadukt also gebaut worden, folgert Heiner Burkhardt.

Dass die Brücke unter Denkmalschutz steht, werde sie nicht unbedingt vor dem Abriss schützen, sagt der Heimatpfleger. „Behörden oder Gerichte wägen ab, ob es Gründe für einen Abbruch gibt“, erläutert Burkhardt. Allerdings halte er solch eine Entscheidung gerade im Fall des Werdohler Viaduktes für bedenklich. „Wir haben hier ein Staatsunternehmen, die Bahn“, sagt er. „Wenn sich das nicht an die Regeln des Denkmalschutzes hält, dann kann man das von Privatleuten erst recht nicht verlangen.“

Als erste Rettungsmaßnahme und vor allem als Signal schlagen Heimatpfleger und Bürgermeister vor, das Bauwerk im Dunkeln anzustrahlen. Diesen Vorschlag habe auch der Arbeitskreis Tourismus bereits gemacht, sagte Siegfried Griebsch. Für die Beleuchtung brauche die Stadt allerdings Sponsoren. Wer Interesse hat, wendet sich an den Bürgermeister oder an Heiner Burkhardt. - Von Constanze Raidt

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