Bau in Ütterlingsen

Eisenbahn-Viadukt: Werdohls Bürgermeisterin verliert langsam die Geduld

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Das Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen bietet auch in der Dunkelheit einen schönen Anblick.

Werdohl - Nach Ortsheimatpfleger Heiner Burkhardt, der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag und dem designierten SPD-Bürgermeisterkandidaten Andreas Späinghaus hat sich jetzt auch Bürgermeisterin Silvia Voßloh in Sachen Eisenbahnviadukt Ütterlingsen zu Wort gemeldet.

Sie habe auf eine Anfrage an die Deutsche Bahn eine praktisch gleichlautende Antwort wie Dagmar Freitag erhalten, sagte Voßloh.

Die Bürgermeisterin beziehungsweise ihre im Rathaus für Denkmalschutzangelegenheiten zuständige Mitarbeiterin Reinhild Wüllner-Leisen hätten die Deutsche Bahn schriftlich aufgefordert, ihrer Verpflichtung zum Entfernen der Vegetation an dem historischen Bauwerk nachzukommen, teilte Voßloh am Freitag mit.

Dazu hatte sich die Deutsche Bahn nach ihren Worten zuletzt im Oktober 2019 verpflichtet, als Vertreter des Verkehrskonzerns, der Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und der Stadt Werdohl im Rathaus zusammengesessen und die Möglichkeiten der Sanierung der Eisenbahnbrücke erörtert hätten. Seinerzeit hätten herabfallende Steine eine Gefahr dargestellt, gab Voßloh einen Hinweis auf den Anlass der Zusammenkunft.

Im Mai habe die Stadtverwaltung dann mehrfach vergeblich versucht, die verantwortliche Stelle bei der Deutschen Bahn telefonisch zu erreichen, um den inzwischen erforderlichen Rückschnitt des Buschwerks am Viadukt anzumahnen. Schließlich sei diese Aufforderung dann schriftlich mit einer Fristsetzung erfolgt.

Keine Wertschätzung seitens der Bahn

Dass nach dem letzten Vegetationsrückschnitt im Sommer 2018 weitere Arbeiten dieser Art hätten folgen müssen, ist aus Sicht der Bürgermeisterin vollkommen klar. „Dass so etwas immer wieder notwendig ist, ist doch selbstverständlich. Es ist doch offensichtlich, dass die Pflanzen dort eine Größe erreichen, die für die Bausubstanz nicht gut sein kann“, kann sie nicht verstehen, warum die Bahn nicht von sich aus tätig wird.

Und sie ist merklich genervt, dass sie den Konzern immer wieder an seine Verpflichtungen erinnern muss. „Wir führen immer wieder Gespräche, und trotzdem müssen wir die Bahn immer wieder auffordern, tätig zu werden“, ist ihr schleierhaft, warum die Pflege des denkmalgeschützten Bauwerks immer wieder ins Stocken gerät. „Man hat das Gefühl, dass dieses Viadukt von der Bahn nicht wertgeschätzt wird“, äußert Voßloh ganz vorsichtig einen Verdacht, den andere Beteiligte auch schon deutlicher formuliert haben.

Voßloh will nicht locker lassen

Doch die Bürgermeisterin will die Deutsche Bahn offenbar auch nicht verprellen, will vielmehr die Tür offenhalten für Gespräche. Andererseits ist spürbar, dass sie allmählich die Geduld verliert. Sie erinnert daran, dass der dauerhafte Erhalt des Viadukts schon vor der Kommunalwahl 2014 ein Thema gewesen sei. „Seitdem sind sechs Jahre ins Land gegangen, aber wirklich passiert ist nichts“, ärgert sie sich über die Verzögerung und befürchtet einen weiteren Verfall des rund 160 Jahre alten Brückenbauwerks. Schließlich hatte die Bahn zuletzt das Jahr 2025 als Beginn einer möglichen, aber noch keineswegs beschlossenen Sanierung genannt.

Voßloh denkt deshalb jetzt darüber nach, den Ton gegenüber der Bahn zu verschärfen. „Wir werden uns nicht mehr auf schwammige Aussagen verlassen“, kündigte sie an. Und Voßloh hält auch eine härtere Gangart auf der Grundlage des Denkmalschutzgesetzes für möglich. Das Gesetz verpflichtet Eigentümer von Denkmälern, für deren Erhalt zu sorgen. Das Bruchsteinviadukt sei „ein tolles Einfahrtstor für Werdohl“, stellt Voßloh den Wert dieses Bauwerks für die Stadt heraus. „Deshalb werden wir in dieser Sache auch nicht locker lassen.“

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