Vertrauensverhältnis zur Bürgermeisterin belastet

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Diese „Angelegenheit“ war die bevorstehende Insolvenz des stellvertretenden Bürgermeisters Andreas Späinghaus (SPD).

Werdohl - Eine kommunalpolitische Affäre hat das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) und dem zweiten stellvertretenden Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) belastet.

Der Hintergrund: Späinghaus musste für sein Unternehmen a.s.w. Präsentation bereits im Sommer Insolvenz beantragen. Noch lange bevor diese Insolvenz überhaupt rechtskräftig wurde, rief Silvia Voßloh die Fraktionsspitzen zusammen, um den Rat über Späinghaus bevorstehende Pleite im Zusammenhang mit seinem Bürgermeisteramt zu informieren. Späinghaus reagierte damals emotional: „Ich fühle mich kriminalisiert, wie Freiwild, das grenzt an Rufmord.“

Das spontan einberufene Treffen von Voßloh mit den Fraktionsvorsitzenden fand am 15. September statt. Die Bürgermeisterin bat die vier Fraktionsspitzen nach der Sitzung des Hauptausschusses zum Gespräch. Die Bürgermeisterin habe den Rat über die Fraktionsspitzen über eine „wichtige Angelegenheit der Stadt“ informiert, ließ Voßloh am Freitag durch Fachbereichsleiter Michael Grabs erklären. Persönliche Veränderungen des ehrenamtlichen zweiten stellvertretenden Bürgermeister seien eine „wichtige Angelegenheit“. Grabs weiter: „Die Bürgermeisterin hat den Fraktionen Gelegenheit zu frühzeitigen Beratungen gegeben, wie sie mit der Situation umgehen wollen.“

Späinghaus, der auch Ortsvereinsvorsitzender der SPD ist, hatte aus seiner bevorstehenden Insolvenz offenbar keinen Hehl gemacht. Bereits am 30. Juni habe er die Insolvenz angemeldet, sagte er auf Nachfrage unserer Redaktion. Er habe das damals seiner Fraktion mitgeteilt und auch im privaten Freundeskreis davon berichtet.

Ein paar Tage nach dem Treffen der Bürgermeisterin mit den Fraktionsspitzen – Ende September – hatte Späinghaus die Bürgermeisterin per E-Mail zu einem Gespräch gebeten. Daraufhin sei nichts gekommen, so Späinghaus. Erst auf Druck seines Rechtsanwaltes habe sich die Bürgermeisterin zu einem Gespräch mit ihm bereiterklärt.

„Sie kann doch nicht mit den Fraktionsvorsitzenden über meine noch nicht einmal amtliche Insolvenz sprechen. Warum hat sie mich nicht einfach darauf angesprochen?“

Hinzu kommt ein pikantes Detail: CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Ohrmann ist Privatkundendirektor der Volksbank. Späinghaus’ Haus ist über die Volksbank finanziert. Der Geschäftsmann Späinghaus war existenziell beunruhigt: „Der Insolvenzantrag ist noch in der Überprüfungsphase, da ist so eine Information unter Umständen finanziell gefährlich für mich.“

Späinghaus arbeitete als eingetragener Kaufmann, sein Unternehmen war ein Ein-Mann-Betrieb als Handelsvertreter. Seine Insolvenz hinge mit der Wirtschaftskrise 2009 zusammen, sagte er. Danach seien viele Druckereien vom Markt verschwunden. Späinghaus: „Auf diese Weise habe ich 40 Prozent meiner Kundschaft verloren.“ Im Sommer sei es einfach nicht mehr gegangen.

Jetzt, sechs Wochen nach der fraglichen Besprechung, sieht Späinghaus die Affäre wohl nicht mehr so emotional. Am 20. Oktober wurde das Insolvenzverfahren veröffentlicht. Drei Tage später, am Donnerstag, kam es zu einem vertraulichen Gespräch zwischen ihm und der Bürgermeisterin. Späinghaus schweigt jetzt.

Dieses Gespräch sei „vertraulich und konstruktiv“ gewesen, so die Bürgermeisterin gestern, über Inhalte sei beidseitiges Stillschweigen vereinbart. Voßloh legt im Nachgang Wert auf die Feststellung, dass es damals keine interfraktionelle Runde war, sondern das „kleinstmögliche interne Organ, das ich als Ratsvorsitzende einberufen kann“. Zur einer interfraktionellen Sitzung hätten auch die stellvertretenden Bürgermeister gehört, solche Treffen hätten eine Tagesordnung und ein Protokoll.

Sie dürfe nicht aus solchen Runden berichten: „Da muss ich mich gesetzeskonform verhalten.“ Zu den damaligen Vorwürfen von Späinghaus – speziell warum sie nicht von sich aus das Gespräch mit ihm gesucht habe – könne sie keine Stellung nehmen.

Von Volker Heyn

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