Versuchter Mord: Gutachter erkennt Schuldfähigkeit

Werdohl/Hagen - Nachdem die Kollision zwischen dem Mercedes des 28-jährigen Angeklagten und seinem 25-jährigen Unfallgegner in der Nacht zum 2. Juli mit Hilfe der Zeugen und eines Unfallgutachters so weit wie möglich aufgeklärt war, konnte sich das Schwurgericht gestern der Persönlichkeit des Angeklagten zuwenden.

Schon vor der Tat auf der kleinen Straße „Altes Dorf“ in der Nähe des Goethe-Parkplatzes war er bereits mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten verurteilt worden. Der psychiatrische Gutachter Bernhard Bätz attestierte dem Angeklagten, „in psychiatrischer Hinsicht recht unauffällig“ unterwegs gewesen zu sein. 

Verschiedene Rauschmittel hätten den Angeklagten allerdings schon seit längerem begleitet. Er sei auch eine Zeit lang spielsüchtig gewesen. Seine Mutter habe ihn daraufhin verhauen, erzählte er dem Gutachter. Der fasste das Ergebnis der robusten Erziehungsmethoden lapidar zusammen: „Da hat er das gelassen.“ 

1,8 Promille zum Tatzeitpunkt

Einige Stunden nach der Tat wurde dem Angeklagten eine Blutprobe entnommen, die darauf schließen lässt, dass er zum Tatzeitpunkt bis zu 1,8 Promille „intus“ hatte. Die von seiner Freundin nach seiner Rückkehr beobachteten „glasigen Augen“ wertete der Gutachter als einen ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass der Angeklagte zusätzlich Marihuana geraucht hatte. 

Doch beides reiche nicht, um anzunehmen, dass seine Schuldfähigkeit stark eingeschränkt oder gar aufgehoben gewesen sei, trug Bernhard Bätz vor. Immerhin habe er noch Auto fahren können – die Realitätswahrnehmung sei also nicht entsprechend eingeschränkt gewesen.

Erinnerungen an die Ereignisse

Nicht ausschließen könne man aber, dass seine Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt erheblich beeinträchtigt gewesen sei. Zum Anlass für eine längere Diskussion zwischen Verteidiger und Gericht wurde der Hinweis des Gutachters, dass der Angeklagte sich noch sehr gut an die Ereignisse jener Nacht erinnern könne.

Rechtsanwalt Andreas Trode argumentierte, dass diese scheinbare Klarheit des Angeklagten sich auch seinem Vortrag verdanke: „Die Erinnerung war nicht so minutiös, wie der blöde Verteidiger das aus den Aussagen zusammengestellt hat.“

Denn natürlich käme sein Mandant besser weg, wenn er in jener Nacht den Verstand so gründlich verloren hätte, dass er kaum noch begriff, was er tat. 

Wiederholungsgefahr

Möglich wäre auch die Einweisung in eine geschlossene Entzugsanstalt. Die Voraussetzungen dafür seien durchaus gegeben, sagte der Gutachter. „Er wurde wiederholt wegen Gewaltdelikten verurteilt. Ich gehe von einer Wiederholungsgefahr aus.“ Die Erfolgsaussichten einer solchen Therapie seien allerdings eher ungünstig. 

Positiv sei allerdings zu bewerten, dass der Angeklagte sowohl einen Schulabschluss als auch eine Berufsausbildung habe. Er verfüge über ein großes Intelligenzpotenzial. „Er hätte mehr aus sich machen können“, bedauerte Bernhard Bätz.

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Rubriklistenbild: © dpa-avis

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