Versuchter Mord: Sind die Richterinnen befangen?

+
Das Hagener Schwurgericht unter Marcus Teich verhandelt wegen versuchten Mordes, gegen die beisitzenden Richterinnen gibt es zunächst einen Befangenheitsantrag.

Werdohl/Hagen - Versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft einem 27-jährigen Werdohler vor. Der Mann soll in der Nacht zum 2. Juli vergangenen Jahres versucht haben, einen Zeugen mit seinem Auto zu überfahren.

Dabei soll er bewusst den Tod des Mannes in Kauf genommen haben. Den beisitzenden Richterinnen wird Befangenheit vorgeworfen. Die beiden Männer hatten in jener Schützenfest-Nacht zuvor offenbar einen heftigen Streit gehabt. Auf der Straße „Altes Dorf“ eskalierte dieser.

Der Angeklagte soll mit seinem Mercedes zunächst einen Schlenker gemacht haben, um dem am Straßenrand gehenden Zeugen über den Fuß zu fahren. Als dieser anschließend die Straße überquerte, soll der Angeklagte gewendet haben. Laut Anklage fuhr er nun mit mindestens 40 Stundenkilometern auf den Zeugen zu.

Aus bisher nicht ganz geklärten Gründen schlug dieser mit den Füßen voran in der Frontscheibe ein, verlor einen Schuh und wurde von dem Auto schließlich seitlich „abgeladen“. Mit einer gebrochenen Kniescheibe und einem verletzten Knorpel wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, um operativ behandelt zu werden.

Der 27-jährige Fahrer war in jener Nacht ohne Fahrerlaubnis, dafür aber alkoholisiert unterwegs. Er kam in Untersuchungshaft und wies zunächst jegliche Schuld von sich: Der Zeuge sei von sich aus auf die Motorhaube gesprungen.

Zeugen könnten bestätigen, dass er sich gegenüber einem Mitfahrer erschrocken über den Unfall gezeigt habe. Von der früheren Aussage, dass seine Freundin das Auto in jener Nacht gefahren habe, trat er später zurück.

Erste Verhandlung unter neuem Vorsitzenden

Für die Schwurgerichtskammer des Landgerichts war es die erste Verhandlung unter dem neuen Vorsitzenden Marcus Teich. Seine beiden beisitzenden Richterinnen wurden zum Auftakt des Prozesses zum Ziel eines Befangenheitsantrages von Verteidiger Andreas Trode. Er bezog sich dabei auf eine jüngst beschlossene Verlängerung der Untersuchungshaft für seinen Mandanten. 

Nach dem Grundsatz „Das Wort ist das Werkzeug des Juristen“ kritisierte er die Begründung für die Fortdauer der Inhaftierung. Einige Formulierungen ließen darauf schließen, dass die an der Entscheidung beteiligten Richterinnen nicht mehr unvoreingenommen seien. 

Formulierungen nach dem Muster „Die Handlung war nicht beherrschbar – deshalb muss davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte die Absicht hatte, den Zeugen zu töten“ deuteten darauf hin, dass „die abgelehnten Richter(innen) schon vor dem Abschluss der Beweisaufnahme eine abgeschlossene Meinung“ hätten. Problematisch sei, Angaben von Zeugen vorab als „lebensfremd“ zu qualifizieren.

Richter Marcus Teich vertagte eine Entscheidung über den Antrag auf den nächsten Verhandlungstag (24. Januar). So konnte Staatsanwältin Beatriz Föhring die Anklage verlesen. Dass der Angeklagte in dieser Situation noch nichts zu den Vorwürfen sagen wollte, war nachvollziehbar.

Alle Infos rund um den Prozess:

Werdohler soll anderen Mann angefahren haben

Durch Sprung dem Auto ausgewichen

Ex-Freund holt sich das Familienauto

Gutachter erkennt Schuldfähigkeit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare