Versuchter Mord: Ex-Freund holt sich das Familienauto

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Etwa an dieser Stelle der Straße "Altes Dorf" wurde der Mann überfahren.

Werdohl - Die Eltern fahren in Urlaub, die Tochter und ihr Freund hüten derweil das Haus. Scheinbar ganz entspannt war die Situation, als ein 40-jähriger Werdohler und seine Frau vergangenen Sommer einige Wochen in Griechenland verbrachten. „Wir waren froh, dass jemand im Haus war“, sagte der Zeuge am Montag im Landgericht Hagen.

Denn der Ex-Freund seiner Tochter ist jener Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft, weil er in der Nacht zum 2. Juli bewusst einen anderen Menschen überfahren haben soll. Das Auto, das er dabei verwendete, gehörte dem Zeugen. Dessen Ansage vor der Abreise war eigentlich recht klar gewesen, wie er im Schwurgerichtssaal erklärte: „Im Notfall kann das Auto von der Tochter genutzt werden.“

Weil im Gericht das Mündlichkeitsprinzip gilt, musste der Vorsitzende Richter Marcus Teich noch einmal danach fragen, was eigentlich allen klar war: „Was haben Sie (nach der Rückkehr) vorgefunden?“ – „Eine Katastrophe“, lautete die komprimierte und im weiteren Verlauf der Aussage entfaltete Auskunft des Zeugen, der angesichts der Schäden etwas überraschend von einem „psychologischen“ Totalschaden sprach.

Nicht einmal seine Tochter konnte er sprechen, da auch sie vorübergehend in Untersuchungshaft war. „Sie wusste gar nichts davon“, versicherte ihr Vater. „Sie hatte Frühschicht und wurde von der Polizei aus dem Schlaf geklingelt.“ Das nächste Problem stellte sich gleich darauf: Der Mercedes, mit dem der Angeklagte in der Tatnacht ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen war, war natürlich von der Polizei beschlagnahmt worden.

3500 Euro Schaden am Auto

Mit immensen Schäden kam er schließlich zurück: Die Windschutzscheibe war zertrümmert, Kratzer und Beulen auf dem Dach und am Kotflügel summierten sich auf eine Schadenssumme von etwa 3500 Euro.

Der Zeuge erinnerte sich an die dazugehörige Erklärung des Angeklagten: „Glaube es mir: Der ist mir in die Scheibe gesprungen.“ Die Folgen dieses „Sprungs“ auf das Auto, der dem ehemaligen Basketballer möglicherweise das Leben rettete, schilderte ein Chirurg aus Iserlohn. 

Am schwersten wog ein offener Bruch der Kniescheibe. Damit verbunden ist ein Schaden an dem dahinterliegenden Knorpel, dessen Ausmaß noch nicht in vollem Umfang festgestellt werden konnte. „Schäden am Gelenk können auch noch nach ein bis zwei Jahren auftreten“, erklärte der Arzt. „Es ist möglich, dass dadurch Dauerschäden entstehen.“

Der Prozess wird am Montag ab 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

Alle Infos rund um den Prozess:

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Durch Sprung dem Auto ausgewichen

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