Versewehr in der Borbecke kein Industriedenkmal

Das längst ausgediente Verse-Wehr am Carl-Borbeck-Weg zwischen Bärenstein und der Borbecke: Voraussichtlich nach 2016 soll es beseitigt werden. Die Chance, es als Industrie-Denkmal zu erhalten, besteht nicht.

WERDOHL ▪ Die Europäische Union ist es, die das Ziel ausgegeben hat, einen „guten ökologischen und chemischen Zustand“ für alle Gewässer zu erreichen und dauerhaft zu erhalten.

Von Rainer Kanbach

Gewässer sollen wieder Lebensadern der Natur werden, um so auch die Identifikation der Menschen mit ihrer Umgebung zu fördern und unter anderem eine Erhöhung der Lebensqualität zu erreichen. Ansatzpunkt für die Renaturierung von Fließgewässern ist in Werdohl ausschließlich – aus finanziellen Gründen – die Verse.

Eine erste große Maßnahme in Henneckenhammer ist bereits abgeschlossen, eine zweite an der Feuerwehr in Eveking steht so gut wie vor der Fertigstellung, eine dritte – in Versevörde – befindet sich bereits in der Planung.

Pro Jahr, so erläuterte Peter Erwig von der Abteilung Bauen und Planung der Stadt Werdohl die Zielsetzung, soll ein größeres Projekt in Angriff genommen werden. Parallel dazu ist auch der Märkische Kreis mit kleineren Wehr-Beseitigungen – etwa im Bereich Ehrenfeld – aktiv. Die nunmehr für Werdohl ins Blickfeld kommende Maßnahme in Versevörde soll freilich auf zwei Jahre verteilt werden, denn selbst bei einer optimalen Bezuschussung ist der finanzielle Eigenanteil der Stadt beachtlich.

Vorgesehen ist am Mühlenweg oberhalb der Tankstelle die Einrichtung einer Verzweigungsrinne der Verse als Trittsteinbiotop. Will heißen: Das Versebett wird dort geteilt und eine Pflanzinsel eingerichtet. Von der Bundesstraße 229 aus soll das Ufer in abgeflachter Form bis zum Gewässer führen. Auf der anderen Seite bleibt wegen der Wohnbebauung und Grundbesitzverhältnisse alles, wie es derzeit ist. Peter Erwig: „Die Verse soll hier zugänglich werden. Jeder kann hingehen, um am Ufer zu verweilen.“ Deutlich machte Erwig aber gleichzeitig: „Hier entsteht kein Happening-Gelände mit Grillplatz-Charakter.“ Hier wird vielmehr eine Planung umgesetzt, die einerseits ein Aha-Erlebnis mit sich bringt und andererseits im Sinne der Natur ist.

Die Planungen laufen – wie erwähnt, und wenn das Genehmigungsverfahren abgeschlossen sei, könne 2013 mit der Baumaßnahme am Tor zur Stadt begonnen und diese ein Jahr später beendet werden, so Peter Erwig. Das alles stehe freilich unter dem Vorbehalt, dass auch die Zuschussgelder in der jetzt bekannten Höhe fließen.

Bei einem anderen Projekt im Rahmen der Renaturierung der Verse und Beseitigung von Querbauwerken gibt es aus Sicht der Stadtverwaltung eine klare Vorgabe: Das Wehr am Carl-Borbeck-Weg zwischen Bärenstein und Borbecke soll in jedem Fall beseitigt werden – und zwar vermutlich noch ein Jahr später, als im bisher festgeschriebenen Zeitplan, also ab 2016. Eventuell klappt es auch etwas eher, aber dann müsste der frühere Nutznießer der Anlage mitziehen.

Von dem Vorschlag aus der Bevölkerung, dieses Bauwerk als Industrie-Denkmal zu erhalten und mit Hilfe einer Frischtreppe zu umgehen, hält Peter Erwig nichts. Technisch wäre eine solche Lösung zwar kein Problem, „aber jedes Bauwerk muss unterhalten werden, und das wiederum kostet Geld“, weiß der Fachmann aus dem Rathaus. Regelmäßige Kontrollen, Säuberungsaktionen oder auch Reparaturen am „Denkmal“ seien nicht leistbar.

Das Wehr soll beseitigt werden. Dafür wird ein sechsstelliger Betrag zu Buche schlagen. In einer Sitzungsunterlage vom April 2010 ist von 253 000 Euro die Rede. Nach heutigem Stand dürfte dieser Betrag sich wohl erhöht haben. In jedem Fall werde diese Maßnahme kostenintensiver, als die Wehr-Beseitigung in Henneckenhammer. Übrig bleibt am Ende eine so genannte „Raue Rampe“, die den Fischen und Wassertieren auf ihrer Wanderung keine Probleme bereiten dürfte.

Ausgelegt ist die Umsetzung der „Wasserrahmenrichtlinie“ (WRRL) der EU auf einen Zeitraum bis 2027. Bis dahin sollen auch Projekte im Ehrenfeld, in Kleinhammer, an der Blumenstraße sowie Altenmühle und im Rotenhohl abgeschlossen sein. Sicher dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass der im Frühjahr 2010 genannte Gesamtkostenrahmen von 1,25 Millionen Euro (davon trägt die Stadt zehn Prozent) nach oben hin korrigiert werden muss. Ebenso sicher ist: Die Umsetzung des Maßnahmenkatalogs ist nur möglich, wenn die Zuschussgelder uneingeschränkt fließen.

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