Aus der Versetalsperre in 3900 Haushalte

+

Werdohl - 3500 Kubikmeter Trinkwasser – das ist die durchschnittliche Menge, die in Werdohl täglich gebraucht wird.

„Dass dieses über das gesamte Jahr hinweg zuverlässig aus dem Hahn kommt, wird längst als selbstverständlich hingenommen. Das ist toll, weil eine Wertschätzung unserer Arbeit, welch großer Aufwand dahinter steckt, sieht man allerdings nicht“, sagt Frank Schlutow, Geschäftsführer der Stadtwerke Werdohl, die das Trinkwasser in der Stadt an Lenne und Verse verteilen.

„Was alles verloren geht und plötzlich nicht mehr möglich ist, merken viele erst, wenn mal kein Wasser kommt“, ergänzt Schlutow. Davon seien über das Jahr hinweg in Werdohl jedoch nur die wenigsten Menschen betroffen. „Weniger als ein Prozent der Bevölkerung ist von einer unplanmäßigen Unterbrechung von unter zwölf Stunden betroffen“, sagt der Geschäftsführer. 

Der „existenzielle Baustein“ 

Gemeinsam mit den weiteren Stadtwerke-Mitarbeitern arbeitet Schlutow täglich an einer sicheren und nachhaltigen Wasserversorgung, die „der existenzielle Baustein jeder Kommune“ ist. Das Wasser für Werdohl kommt aus der Versetalsperre. Am Fuße der Staumauer bereiten die Stadtwerke Lüdenscheid das Wasser gemäß den Richtlinien der deutschen Trinkwasserverordnung im Wasserwerk Treckinghausen auf. Von dort beziehen es die Werdohler fertig. 

„Versorgt werden kann unsere Stadt über zwei große Leitungen, von denen jede autark in einem Störungsfall in der Lage wäre, Werdohl ausreichend zu beliefern“, erklärt Schlutow. Die Haupteinspeisung erfolgt durch das Versetal, die andere Leitung verläuft parallel zum Höhenweg. 

Durch moderne Geräte in den Haushalten und dem demografischen Wandel geht der Wasserverbrauch in Werdohl jährlich um ein bis zwei Prozent zurück. „In Spitzenzeiten waren wir mal bei etwa 1,2 Millionen Kubikmetern, jetzt ist es etwa noch eine Million“, sagt Schlutow. 

Stollen ist fast 700 Meter lang

Gespeichert wird das Wasser von den Stadtwerken nicht nur in fünf Hochbehältern, sondern als Werdohler Besonderheit in dem fast 700 Meter langen Trinkwasserstollen „Schemm“, der ein Fassungsvermögen von 1300 Kubikmetern hat. „Insgesamt fassen unsere Behälter 4500 Kubikmeter Trinkwasser. Sollte Werdohl also mal komplett von der Wasserversorgung abgeschnitten sein, was bisher nie der Fall war, könnte die Stadt mit diesen Reserven etwa eineinhalb Tage auskommen“, sagt der Geschäftsführer. 

Aus dem Stollen und den Hochbehältern fließt das Trinkwasser durch ein 120 Kilometer langes Rohrleitungssystem, das ein Fassungsvermögen von 2700 Kubikmetern hat, zu den insgesamt etwa 3900 angeschlossenen Haushalten. Dabei sind enorme Höhenunterschiede zwischen 150 und 361 Metern über Normalnull zu überwinden. Damit das Trinkwasser mit dem richtigen Versorgungsdruck von drei bis maximal zehn bar in jedem Haushalt ankommt, betreiben die Stadtwerke sieben Druckerhöhungs- und elf Druckminderungsanlagen. 

Um diese Anlagen, das Leitungssystem und die Hausanschlüsse in Schuss zu halten, investiert das Unternehmen nach Aussage von Schlutow jährlich 200 000 bis 300 000 Euro. „Dennoch kostet ein Liter Trinkwasser nur etwa 0,25 Cent, ein Liter Mineralwasser vom Discounter dagegen etwa 57 Mal so viel“, zieht der Geschäftsführer einen plakativen Vergleich. 

Höchster Verbrauch zwischen 8 und 10 Uhr 

Den höchsten Tagesverbrauch an Wasser messen die Stadtwerke wenig überraschend morgens zwischen 8 und 10 Uhr. „Da kommen wir auf bis zu 200 Kubikmeter in der Stunde“, sagt Dietmar Nörthemann, Gas- und Wassermeister der Stadtwerke. Den über das Jahr hinweg insgesamt niedrigsten Verbrauch registriert Nörthemann stets während der Sommerferien, „wenn viele Werdohler in Urlaub sind“. 

Das Werdohler Trinkwasser liegt übrigens im Härtebereich eins und gilt damit als „weich“, weil es weniger Calcium und Magnesium enthält, als das Wasser in anderen Regionen Deutschlands. „Damit reicht es wenig Entkalkungsmittel zu verwenden, weil ,weiches’ Wasser für Anlagen und Armaturen besser ist als ,hartes’. Und auch mit Waschmittel kann man sparsamer umgehen“, sagt Gas- und Wassermeister Nörthemann.

Mehr zum Tag des Wassers lesen Sie in der Printausgabe des Süderländer Volksfreund.

Der Tag des Wassers oder auch Weltwassertag wurde anlässlich der Weltkonferenz „Umwelt und Entwicklung“ 1992 in Rio de Janeiro ins Leben gerufen und wird seitdem alljährlich immer am 22. März begangen. Der Tag 2018 steht unter dem Motto „Nature for Water“. Das Thema des World Water Development Reports, der immer aus Anlass des Weltwassertages von UN Water herausgegeben wird, konzentriert sich ebenso auf die Thematik und lautet für 2018 „Nature-Based Solutions for Water“. Der Tag des Wassers 2018 soll für eine stärkere Berücksichtigung naturnaher beziehungsweise die natürlichen Potenziale von Ökosystemen nutzender Lösungen im Gewässermanagement werben. Dabei geht es auch um die Inwertsetzung der vielfältigen Leistungen, die solche Ökosysteme bereitstellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare