Versetal: Bis zu 60 Prozent Verlust durch Baustelle

Floristin Katja Winter atmet auf: „Ich blicke wieder positiv in die Zukunft.“

WERDOHL ▪ Monatelang beanspruchte die Baustelle entlang der B 229 im Versetal nicht nur das Gemüt der Autofahrer, sondern zehrte vor allem auch an den Nerven der Einzelhändler. „Es war eine schwierige Zeit, in der ich durchaus Existenzängste gehabt habe“, erinnert sich Katja Winter, Inhaberin des Blumengeschäfts an der Hauptstraße. Doch allmählich schöpft sie wieder Hoffnung. „Es geht wieder bergauf.“

Etwa seit dem Ende der Sommerferien kommen wieder mehr Kunden in ihr Floristikgeschäft. Winter ist darüber mehr als erleichtert. „In diesem Jahr habe ich hohe Einbußen hinnehmen müssen“, erzählt sie. Etwa die Hälfte ihres Einkommens habe während der Bauarbeiten gefehlt. Doch die Treue ihrer Stammkunden hätten sie jeden Morgen wieder weitermachen lassen.

„Außerdem ist der Laden mein Kindheitstraum“, verrät Winter, weshalb sie sich keine ernsthaften Gedanken über eine Geschäftsaufgabe in der schwierigen Zeit gemacht habe. „Ich blicke wieder positiv in die Zukunft“, zeigt sich die Einzelkämpferin optimistisch.

Ähnlich äußert sich auch Murat Gülacan, der mit seiner Frau Romana Andionache die Versetaler Pizzeria und Kebabstube betreibt. „Es geht merklich bergauf. Die Umsätze steigen wieder“, freut sich Gülacan. „Vor allem die Stammkundschaft kommt zurück.“

An die Zeit der Baustelle denkt er nur ungern zurück: „Man war erschöpft, steht zwölf bis 13 Stunden im Laden und es kommt einfach keiner. Und das über mehrere Tage.“ An die 60 Prozent Verlust sei in den vergangenen Monaten eingefahren worden. „Wir haben zwei Kollegen entlassen müssen und arbeiten heute noch daran, aus dem Minus rauszukommen“, beschreibt er die Situation.

Die Baustelle habe Existenzen bedroht, ärgert er sich noch heute. Von dem Besitzer der Spielhalle an der Hauptstraße weiß der Imbissbetreiber, dass die Vermieterin für drei Monate auf die Mieteinnahmen verzichtete. „Das war unglaublich kulant. Aber ohne dieses Entgegenkommen hätte er schließen müssen.“

Auf die Kundenzahlen von vor der Baustellen-Zeit wartet die Bäckerei Mähler allerdings immer noch; eine 80-prozentige Einbuße musste seinerzeit hingenommen werden. „Es kommen zwar wieder etwas mehr, aber bei weitem nicht so viele wie vorher“, ist Nicole Mählers Eindruck.

Früher hätten vor allem viele Lastwagenfahrer vor dem Laden gestoppt, erinnert sich Verkäuferin Ulla Laubach. Doch als die Baustelle vorwärts rückte, konnte vor der Bäckerei über Monate nicht mehr angehalten werden – fehlende Einnahmen, die auch bei Mähler ein spürbares Loch in die Kasse rissen.

Etwa die Hälfte der Kunden fehle nach wie vor. Ob sie sich anders orientiert haben, kann Mähler nur vermuten – deshalb sei sie froh, dass die Bauarbeiten ein Ende haben.

Von Susanne Riedl

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