Zurückgegebene Mittel sollen Bahnhofsbau zugute kommen

Noch bei der Vertragsunterzeichnung mit Bäcker Grote im April sagten Griebsch (rechts) und Peter Erwig vom Fachbereich Bauen (Mitte) nichts von den 600 000 Euro Mehrkosten.

WERDOHL ▪ Bereits im Januar hat die Wohnungsgesellschaft mehr als 500 000 Euro Stadtumbau-Fördermittel für ein nicht zu realisierendes Alters-Wohnprojekt für Migranten in Ütterlingsen an die Stadt zurückgegeben. Jetzt will die Verwaltung mit diesen Mitteln das überraschend aufgetretene Finanzierungs-Loch beim Bahnhof stopfen.

Woge-Chef Wöste fühlt sich durch eine entsprechende Erklärung des Bürgermeisters fremdbestimmt: „Die Mittelrückgabe hat mit dem Bahnhof nichts zu tun. Bürgermeister Griebsch weiß das schon lange.“

Griebsch erklärte erst nach einigem Drängen genauer, wie die Kostenexplosion beim Bahnhof um fast 600 000 Euro zustande kommt. Auf die erste Nachfrage, wie hoch die einzelnen Fehlbeträge der bisherigen Kalkulation sind, antwortete er: „Ich weiß nicht, ob das alles so notwendig ist.“ Noch in der Hauptausschussitzung am Vortag habe sich die Politik verärgert über die Informationspolitik des Bürgermeisters gezeigt. Griebsch teilte schriftlich mit, dass sich die Politik „über mangelnde Transparenz und verspätete Information“ beim Bürgermeister beschwert habe. Griebsch schreibt als Bürgermeister über sich selbst: „Dieser kann die Verärgerung nachvollziehen und versprach bei den anstehenden Baumaßnahmen eine umfassende und rechtzeitige Information über den Stand der noch ausstehenden Projekte.“

In dieser Presseerklärung teilt Griebsch mit, dass die Kosten für den Bahnhofsumbau auf voraussichtlich drei Millionen Euro steigen werden. Veranschlagt waren im Haushalt bisher nur 2,415 Millionen Euro. Mehrkosten in Höhe von 278 000 Euro seien durch „Mehraufwand durch Probleme im statischen System wie auch den tragenden Konstruktionsteilen der Wände, Decken und Dachflächen“ entstanden. In diesen Posten spielten auch Mehrkosten für die Sanierung der historischen Fassade hinein. 135 000 Euro Kostenerhöhung seien durch eine größere Steigerung des Baukostenindexes als bisher angenommen entstanden. Teurer wird es durch Mehraufwand bei Entkernungsarbeiten (52 000 Euro), Gerüstbau (45 000 Euro), Barrierefreiheit (60 000 Euro) und Unterbringung Stadtarchiv (15 000 Euro). Keine Antworten gibt Griebsch auf die Fragen, ob diese Mehrkosten nicht schon früher abzusehen gewesen seien oder ob sie gar hätten verhindert werden können. Die Veröffentlichung der Vorlage für den Hauptausschuss, die diese detaillierten Zahlen beinhaltet, verweigerte Griebsch.

Dem Hauptausschuss sei auch in nicht-öffentlicher Sitzung erläutert worden, so die Presseerklärung, wie die Gegenfinanzierung aus anderen Stadtumbaumitteln geplant sei. Mit Ingo Wöste, dem Geschäftsführer der Woge, sei alles abgestimmt worden.

Dem Eindruck, die Woge verzichte aufgrund der Kostensteigerung beim Bahnhof auf Projekte, wies Wöste gestern zurück. Vor fünf Jahren habe er im Rahmen des Stadtumbaus Mittel beantragt, um 20 Häuser mit 180 Wohnungen an der Berliner und der Leipziger Straße abreißen und die Flächen neu gestalten zu können. Aufgrund der guten Vermietungssituation brauche er jetzt nur noch vier Häuser abzureißen.

Das geplante Demenz-Wohnheim für Migranten ließe sich nach eingeholter Experten-Meinung nicht realisieren. Der Woge-Aufsichtsrat habe bereits im Januar die dafür bewilligten 500 000 Euro an die Stadt zurückgegeben. Im Aufsichtsrat sitzen auch Bürgermeister Griebsch und Vertreter aller Rats-Fraktionen. ▪ heyn

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