Verlobte verprügelt: Sechs Monate Haft

- Symbolbild

WERDOHL -  Die Anklage berichtete von einem finsteren Beziehungsdrama. Am 22. August sollte ein 39-jähriger Werdohler stark angetrunken auf seine damalige Verlobte losgegangen sein. Ärztlicherseits wurden Würgemale am Hals sowie eine Rötung im Brust- und Rückenbereich festgestellt.

Die 26-jährige Zeugin berichtete gestern im Amtsgericht Altena von dem Geschehen: „Er hat mich vom Badezimmer ins Bett gezerrt, geschlagen und gewürgt, dann hat er sich auf mich gelegt.“ Durch einen Tritt vor den Brustkorb sei sie zudem rückwärts in die Badewanne gestürzt. Der Tumult war so heftig, dass sie den Ursprung einer blutigen Wunde am Knöchel nicht mehr rekonstruieren konnte. Der Angeklagte beteuerte trotz der vorliegenden Befunde, dass er die junge Frau an jenem Abend lediglich „zur Seite geschubst“ habe. „Dann bin ich wieder aus der Wohnung gegangen.“

Kühn war die Behauptung, dass die 26-Jährige sich die über den Körper verteilten Prellungen selber zugefügt habe – nur um ihn fertigzumachen. Richter Dirk Reckschmidt hielt sich für die Beantwortung der Frage, warum es zu den Übergriffen kam, lieber an die Zeugin: „Weil er betrunken war“, antwortete sie. Mehrere Stunden nach dem Geschehen ließ die Polizei eine Blutprobe entnehmen. Sie deutete darauf hin, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt etwa ein Promille Alkohol im Blut hatte – ein hoher, aber kein sehr hoher Wert, zumal der Angeklagte regelmäßigen Alkoholkonsum und damit eine gewisse Gewöhnung zugab. Für eine Bewährungsstrafe empfahl sich der 39-Jährige nicht mehr. Denn in seinem Strafregister fanden sich mehrere Körperverletzungen – die letzte Strafe war ihm nach einer dreijährigen Bewährungszeit kurz vor dem Übergriff gegen seine Freundin erlassen worden.

Die Staatsanwältin sah die Vorwürfe bezüglich der Körperverletzung „vollumfänglich bestätigt“ und forderte sechs Monate Haft für den Angeklagten – ohne Bewährung.

Dem folgte Richter Reckschmidt in seinem Urteil: „Sie sind da durchgedreht“, stellte er fest und verzichtete darauf noch einmal detailliert zu schildern, auf welch unschöne Weise sich der Angeklagte „aus dieser Beziehung verabschiedet“ hatte. Für eine weitere Bewährungsstrafe sah auch er keinen Anlass: „Sie hatten Ihre Chance!“ Unmittelbar nach der Verhandlung machte sich der Angeklagte auf den Weg zum Geschäftszimmer des Amtsgerichts, um dort Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Von Thomas Krumm

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