Verliebt in Schottland

Die 21-jährige Stefanie Gerdes verlässt Werdohl, um in Aberdeen zu studieren.

WERDOHL ▪ Stefanie Gerdes hat die Nase voll. Überfüllte Hörsäle und Seminare sollen für die 21-jährige Werdohlerin im kommenden Semester der Vergangenheit angehören. Gerdes wird das nächste Jahr in der schottischen Stadt Aberdeen verbringen. Dort will sie den Masterstudiengang im Fach Kulturwissenschaft absolvieren.

„Ich fliehe vor der Massenabfertigung an den deutschen Universitäten“, erklärt Gerdes ihre Motivation für den Auslandsaufenthalt. Schließlich biete die Uni in der drittgrößten Stadt Schottlands hervorragende Studienbedingungen.

„Ein bisschen mulmig ist mir schon“, sagt die Studentin. Denn wenn es am kommenden Mittwoch Richtung Vereinigtes Königreich geht, wartet allerhand Arbeit auf die 21-Jährige. An den ersten vier Tagen ihres neuen Lebens in Schottland wird sie von ihrer Mutter begleitet, um verschiedenste organisatorische Dinge zu erledigen. „Ich muss erstmal ein Konto eröffnen und mich im staatlichen Gesundheitssystem registrieren. Auch muss ich mich einschreiben und meine Studiengebühren bezahlen“, berichtet Gerdes von den Punkten, die ganz oben auf ihrer To-Do-Liste stehen.

3500 britische Pfund, umgerechnet etwa 4500 Euro, werden für das Studium an der schottischen Universität fällig. Um diese Summe aufzubringen, hat die junge Werdohlerin, die regelmäßig als freie Mitarbeiterin für unsere Zeitung schreibt und in einem Buchladen jobbt, einen Kredit aufgenommen. Mit diesem Geld will sie auch die Miete für ihre erste eigene Wohnung bezahlen.

Auch wenn sich in Aberdeen ein Studienberater um Stefanie kümmert, warten noch viele Herausforderungen auf sie. „Viele Dinge, wie beispielsweise die Anforderungen von Kursen und Seminaren werden nicht wie in Deutschland im Vorlesungsverzeichnis aufgeführt“, berichtet Gerdes. Großen Respekt hat sie auch vor der akademischen Abschlussarbeit, die sie nach dem einjährigen Studium natürlich in englischer Sprache verfassen muss. Ihren Bachelor im Fach Medienwissenschaften hat Gerdes im Sommer an der Universität Siegen erfolgreich absolviert.

Dass die Schotten sehr gastfreundlich sind, hat Stefanie während ihres ersten Schottland-Aufenthaltes 2008 festgestellt. Damals, im Rahmen ihrer Studienfahrt mit dem Bergstadt-Gymnasium, hat sie sich in das kleine Land im Nordwesten Europas verliebt. „Ich wollte schon immer für einen längeren Zeitraum ins Ausland“, sagt die 21-Jährige. Während der Schulzeit war das nicht möglich, weil Stefanie und ihre Jahrgangsstufe am G8-Schulversuch teilnahmen. Nach dem Abitur wollte Stefanie nicht weggehen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt und die richtige Gelegenheit“, ist sich die Studentin sicher.

Die Weihnachtsfeiertage wird Gerdes in Werdohl verbringen. Silvester wird sie mit einigen schottischen Bekannten feiern, die sie im vergangenen Jahr bei einem Irlandaufenthalt kennen gelernt hat. Für die Zeit nach dem Studium hat Gerdes ebenfalls schon Pläne: „Ich möchte mich um ein Volontariat bewerben.“ Ob ihre Bewerbung an ein Medienunternehmen in Deutschland oder dem Vereinigten Königreich gehen wird, weiß Gerdes noch nicht. „Das hängt von meinem Studienabschluss und den Erfahrungen ab, die ich in Schottland sammeln werde.

Über ihrer Erlebnisse in Aberdeen wird Stefanie Gerdes künftig regelmäßig in unserer Zeitung berichten.

Von Ute Heinze

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