Verlagerungs-Konzept für Trinker ohne Alternative

An diesem Unterstand in direkter Nähe zum Discounter sollen sich diejenigen aufhalten, die gerne an der frischen Luft Alkohol trinken. Werden sie in der Innenstadt angetroffen, verweist sie das Ordnungsamt auf diesen Unterstand.

WERDOHL ▪ Rund zwanzig Gäste, davon die meisten WBG-Mitglieder und Teilnehmer des Bürgerstammtisches, besuchten am Mittwoch die WBG-Infoveranstaltung zu den Themen Sicherheit und Ordnung.

Den Abend eröffnete WBG-Vorsitzender Thomas Janikowski mit einer ganzen Reihe von diskussionsfähigen Punkten. Er habe im September Berichte über 21 Straftaten mit Sachschäden in Höhen von 21 000 Euro in der Zeitung lesen können. Janikowski sprach von „Jugendlichen mit Wodkaflaschen an Bushaltestellen“ in Kleinhammer und Pungelscheid. Zudem habe er gehört, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes Angst hätten, Knöllchen in der Neustadtstraße oder der Friedensstraße zu verteilen. Die Verwaltung behaupte anderes, da stecke doch ein Fehler im System. Diesen kritischen Aussagen widersprach auf der Stelle Bodo Schmidt: „Für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gibt es keine Angsträume, das ist falsch.“

Bevor es zu einer größeren Debatte kam, stellte Oberpolizeirat Bernd Scholz seine Sicht der Sicherheitslage in Werdohl vor. „Wir leben nach wie vor in einer der sichersten Regionen in ganz Nordrhein-Westfalen“, interpretierte er die immer wieder veröffentlichten Statistiken.

Scholz kam aber nicht mit leeren Händen nach Werdohl. „Ich werde die Präsenz der Polizei auf der Straße steigern, dass ist in den letzten Jahren vernachlässigt worden.“ Er arbeite gerade an einem Konzept für Innenstadtstreifen, das schon in allernächster Zeit umgesetzt werde. Dabei denke er auch an die Erneuerung der Ordnungspartnerschaft mit der Stadt. Um bei gewalttätigen Ausschreitungen wie etwa beim Stadtfest und beim Winterwahnsinn eingreifen zu können, habe er eine zentrale Eingreifmannschaft zusammen gestellt. Zudem seien extra Bezirks- und Schwerpunktdienste entwickelt worden. Scholz: „Die werden Sie bald auch in Werdohl erleben.“ Diese zumeist lebensälteren Kollegen würden ihre Aufgabe als Ansprechpartner in Sicherheitsfragen wahrnehmen.

Breiten Raum nahm das Gespräch über die offen Alkohol trinkenden Menschen in der Innenstadt ein. Bodo Schmidt verteidigte das Konzept, diese Trinker auf eine Unterstandshütte am Lenneufer zu verweisen. Ein anderer Platz werde von der Klientel nicht akzeptiert. Erfolgreich seien die Trinker immerhin vom Kinderspielplatz weggebracht worden. Weil die meisten von ihnen weder gewalttätig noch aggressiv seien, gebe es keine rechtliche Möglichkeit, sie zu belangen. Jeder Bürger habe das Recht, sich auch angetrunken auf der Straße aufzuhalten. Zudem fehle dem Außendienst des Ordnungsamtes dauerhaft eine ganze Stelle, so Schmidt. Die Satzung, die Alkoholgenuss in der Innenstadt untersage, sei vermutlich rechtlich nicht mehr lange haltbar.

Mehrere Gäste sagten offen, dass sie mit dieser Situation sehr unzufrieden seien. Jürgen Hennemann sprach gar von „einer Bürgerschaft voller Zorn“. Alternativen zum Verlagerungs-Konzept der Trinker konnte aber niemand nennen.

Von Volker Heyn

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