Leidtragende sind Schüler, die zu Fuß oder per Fahrrad kommen

Jeden Morgen regiert das Verkehrschaos rund um Werdohler Grundschulen

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Autos halten nebeneinander an der Mittelstraße, der Verkehr staut sich – und Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, werden gefährdet. Schulleiterin Kristel Kringe appelliert an die Eltern: „Fahren Sie bitte nicht in die Mittelstraße.“

Werdohl - Ein SUV fährt über den Gehweg, um sich an zwei Autos vorbei zu drängen, die nebeneinander auf der Fahrbahn halten. Im letzten Moment sieht der Fahrer den Jungen, der gerade auf dem Gehweg in Richtung Grundschule unterwegs ist.

Solche und andere haarsträubende Szenen spielen sich an jedem Schulmorgen an der Mittelstraße ab. Kurz bevor der Unterricht in der katholischen Grundschule St. Michael beginnt, spitzt sich die Situation zu. 

Immer mehr Autos stauen sich in der Einbahnstraße, viele Eltern sind bemüht, ihre Kinder direkt am Schulhofzugang aussteigen zu lassen, um ihnen möglichst auch den kürzesten Fußweg noch zu ersparen. 

Einige Autos stehen minutenlang mit laufendem Motor mehr oder weniger am Fahrbahnrand; Mütter und Väter laden in aller Ruhe Tornister aus – und begleiten ihr Kinder mitunter sogar auf den Schulhof. Das Verkehrschaos scheint sie nicht zu interessieren. 

Autos stauen sich in der Einbahnstraße 

Leidtragende sind die Grundschüler, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch das Autochaos kämpfen müssen. Schulleiterin Christel Kringe kennt die Situation genau. Sie befürchtet: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einem Kind etwas passiert. 

Auch Sybille Böddecker sorgt sich um die Sicherheit ihrer Schüler. Die Leiterin der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Werdohl mit den Standorten Königsburg und Kleinhammer hat große Bedenken, dass das morgendliche Verkehrschaos rund um die Schulen in den ersten Wochen nach der Einschulung noch zunehmen wird. „Wir haben an beiden Grundschulstandorten die gleichen Probleme“, berichtet sie, und erklärt: „Die Eltern sorgen dafür, dass die Situation vor den Schulen für die Kinder sehr unübersichtlich wird.“ 

Immer mehr Kinder werden mit dem Auto gebracht

Tendenziell nehme die Zahl der Eltern zu, die ihren Nachwuchs mit dem Auto zur Schule bringen. „Und sie möchten ihre Kinder am liebsten direkt vor den Eingang fahren“, hat die Grundschulleiterin festgestellt. In Kleinhammer halten Mütter und Väter deshalb auch im absoluten Halteverbot im Bereich der Buswendestelle. 

„Dadurch werden die Busfahrer an manchen Tagen erheblich behindert“, sagt Böddecker. Lehrer können nicht auf ihre Parkplätze fahren, weil Eltern mit ihren Wagen die Zufahrt blockieren oder dort parken. 

Eltern werden auf Probleme hingewiesen

An der Grundschule Königsburg gibt es zwar keine Buswendestelle. „Aber an der Feldstraße ist wesentlich mehr Durchgangsverkehr als in Kleinhammer. Das macht es auch dort nicht einfacher“, stellt Böddecker fest. 

Die Leiterinnen der betroffenen Grundschulen haben die Eltern schon öfters auf das Problem aufmerksam gemacht – auch schriftlich. „Und ich habe schon mehrmals an der Straße gestanden – und die Eltern direkt angesprochen“, berichtet Christel Kringe. Dann verbessere sich die Situation kurzfristig. „Aber nach ein bis zwei Wochen ist die Wirkung wieder verpufft“, hat Sybille Böddecker festgestellt. „Selbst wenn die Polizei wieder einmal vor Ort war, geht es danach nur eine kleine Weile gut“, sagt Christel Kringe. 

Kontrollen durch das Ordnungsamt

Auch Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel weiß, dass sich kein dauerhafter Erfolg einstellt. „Unsere Außendienstmitarbeiter kontrollieren regelmäßig an allen Grundschulen“, berichtet sie. Dabei stehe das Gespräch mit den Eltern allerdings im Vordergrund: „Natürlich schreiben unsere Mitarbeiter in einigen Fällen auch auf. Aber in erster Linie geht es darum, den Eltern klar zu machen, dass sie Kinder in Gefahr bringen könnten.“ 

Der Fußweg, der vom Eggenpfad zur Schule führt, ist mit Pfosten von der Fahrbahn abgetrennt.

Sybille Böddecker und Christel Kringe wünschen sich, dass Eltern, deren Kinder nicht mit dem Bus fahren oder zu Fuß kommen können, ihrem Nachwuchs einfach mehr zutrauen: „Kinder müssen in der Lage sein, auch mal einen kleinen Fußweg alleine zu gehen,“ sagt Böddecker. Die Rektorinnen bitten die Erziehungsberichtigten dringend, nicht direkt an der Schule zu halten. 

Böddecker: „Sie sollten sich bei Gelegenheit in Ruhe umsehen, und überlegen, wo die Kinder morgens gut aussteigen können.“ Für die Eltern, deren Kinder die Grundschule auf der Königsburg besuchen, hat sie einen Tipp parat: „Die Eltern könnten auf dem Parkplatz der Kirche an der Oststraße halten.“ 

"Bitte fahren Sie morgens nicht in die Mittelstraße"

Mädchen und Jungen, die die Grundschule St. Michael besuchen, könnten am Eggenpfad oder an der Brüderstraße aussteigen, erklärt Kringe. „Vom Eggenpfad aus können die Kinder einen Fußweg nutzen, der mit Pfosten gesichert wurde“, beschreibt die Schulleiterin. Sie appelliert an alle Eltern: „Bitte fahren Sie morgens nicht in die Mittelstraße.“ 

Dagegen muss sich Britta Schwarze mit diesen Problemen kaum auseinandersetzen. „Wir haben sehr viele Kinder, die mit dem Bus aus Ütterlingsen zu uns kommen. Andere wohnen in der Nachbarschaft und machen sich zu Fuß auf den Weg“, berichtet die Leiterin der Martin-Luther-Grundschule. Lediglich ein geringer Teil der Mädchen und Jungen werde mit dem Auto zur Schule gebracht. Schwarze: „Entsprechend halten sich die Behinderungen sehr in Grenzen.“

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