Viele Tropfen bringen das Fass zum Überlaufen

WERDOHL ▪ Der sprichwörtliche Regentropfen, der ein Fass zum Überlaufen bringt, fiel im Amtsgericht Altena. Dort musste sich ein 20-jähriger Werdohler wegen der versäumten Abmeldung aus dem Leistungsbezug der Arbeitsagentur und wegen Beförderungserschleichung vor dem Schöffengericht verantworten. „Das sind keine Lappalien, aber mit diesen Taten wird man im Jugendstrafrecht im Allgemeinen fertig“, erklärte Richter Dirk Reckschmidt. Es musste also besondere Gründe geben, warum am Ende eine Freiheitsstrafe von stattlichen drei Jahren und vier Monaten im Urteil stand.

Das Amtsgericht Lüdenscheid hatte den Mann im Mai 2009 wegen des Versuchs eines schweren gemeinschaftlichen Raubes zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Wohl aus Gnade beließ es das Amtsgericht Altena im Oktober 2009 nach einem besonders schweren Diebstahl ebenfalls bei einer Freiheitsstrafe auf Bewährung: 18 Monate kamen auf die zwei Jahre drauf. 2010 gab es dann wegen Körperverletzung eine Woche Jugendarrest, die der Angeklagte tatsächlich verbüßte. Erneut hatte er Gnade gefunden oder einfach sehr viel Glück gehabt, dass die vorangegangenen Bewährungsstrafen nicht widerrufen wurden. Das „Bewährungsfass“ war also mit drei Jahren und sechs Monaten gefüllt, schon bevor die gestrige Verhandlung über einen 299 Euro teuren Betrug und eine Schwarzfahrt begann. Im Prinzip war der 20-Jährige geständig: „Ich hatte ein Konto mit meinem Bruder und wusste gar nicht, dass ich das Geld (von der Arge) bekommen hatte“, erklärte er. Vor der Beförderungserschleichung zwischen Dortmund und Werdohl habe er seinen Zeitfahrausweis verloren, nannte er auch hier einen Grund für sein Vergehen. Doch das waren alles nebensächliche Details der beiden kleinen Straftaten, die die Geduld von Staatsanwalt und Schöffengericht enden ließen. Gemäß der Theorie des vollen und nun übergelaufenen Fasses, hätten die beiden jüngsten Taten eben dieses nun zum Überlaufen gebracht, befand das Schöffengericht. „Deshalb ist diesmal Feierabend“, sagte Richter Reckschmidt. Die angesammelten drei Jahre und sechs Monate und die beiden jüngsten „Tropfen“ wurden zusammengezogen zu einer Gesamtjugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Verteidiger Mitschke kündigte an, das Urteil von einer Berufungskammer des Landgerichts überprüfen zu lassen. Damit sein Mandant endlich einen reinen Tisch oder ein vollständig geleertes Fass habe, solle auch über weitere Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft Hagen verhandelt werden. - Thomas Krumm

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