Unternehmerin betrügt Sozialkasse

WERDOHL - Den Schaden hatten die Sozialkassen: Auf gut 100.000 Euro sollen sich die Beträge summiert haben, die eine Werdohler Unternehmerin in den Jahren 2006 bis 2011 nicht für ihre Mitarbeiter abführte. Vor dem Amtsgericht Altena wurde deshalb Anklage wegen Vorenthaltens und Unterschlagens von Arbeitsentgelt erhoben.

Zum ersten Verhandlungstermin erschien die Angeklagte jedoch nicht. Richter Dirk Reckschmidt erließ deshalb einen postalischen Strafbefehl: Ein Jahr auf Bewährung kassierte die Werdohlerin dafür, dass sie sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung nicht abgeführt hatte.

Dagegen wehrte sie sich, und am Dienstag wurde die Sache tatsächlich in ihrer Gegenwart verhandelt. Dabei zeigte sich die Frau prinzipiell geständig. Offenbar hatte sie die Stundenzettel von insgesamt 72 Mitarbeitern über Jahre hinweg systematisch manipuliert. So wurden unter anderem Stunden so verteilt, dass die Geringfügigkeitsgrenze möglichst nicht überschritten wurde.

Stunden wurden von einem Monat in den anderen geschoben, unbeschäftigte Mitarbeiter hatten Stunden auf ihren Abrechnungen, die eigentlich andere Mitarbeiter geleistet hatten. Solche Praktiken seien auch in anderen Unternehmen weit verbreitet, behauptete die Angeklagte: „Man schiebt die Stunden hierhin und dorthin.“

Diese knappe Zusammenfassung der Praktiken ließ es eher zweifelhaft erscheinen, dass die Unternehmerin aus Ahnungslosigkeit in die Falle falscher Abrechnungen gelaufen war: „Ich habe mich nicht richtig informiert.“

Der Staatsanwalt und das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Dirk Reckschmidt machten der Angeklagten schließlich deutlich, dass sie – auch mit Blick auf die Aktenlage – mit dem Urteil relativ gut bedient war. „Ich komme bei einem Schaden von 100.000 Euro normalerweise auf mehr als ein Jahr“, rechnete der Staatsanwalt vor. „Es war ein langer Tatzeitraum, und es entstand ein hoher Schaden.“

Das gelte auch denn, wenn sich bei ganz genauem Nachrechnen möglicherweise ergebe, dass der tatsächliche Schaden „nur“ bei 70.000 Euro gelegen habe. Der Einspruch gegen den Strafbefehl löste deshalb ein wenig Verwunderung bei den Prozessbeteiligten aus. Psychologische Gründe mussten herhalten, warum möglicherweise für eine Minderung der Strafe um drei Monate gestritten werden sollte.

Letztlich zog die Angeklagte ihren Einspruch jedoch ohne weitere Diskussionen zurück, und der Strafbefehl wurde rechtskräftig. - Von Thomas Krumm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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