Vergewaltigung in Werdohler Wohnung? Fall vor Gericht

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Werdohl/Altena - Nachdrückliche Ermahnungen nahm ein 27-jähriger Angeklagter mit aus dem Amtsgericht Altena.

Er habe die Gefühle einer sensiblen jungen Frau ausgenutzt, die „nicht an einer nur kurzfristigen Geschichte interessiert war“, warf Richter Dirk Reckschmidt ihm vor. „Das war nicht nett.“ Staatsanwältin Ina Pavel bemühte ein kraftvolleres Wort: „Mies“ sei das Spiel des Angeklagten mit den Gefühlen der 20-Jährigen gewesen. Erleichtert konnte der 27-Jährige nach der Verhandlung im Amtsgericht Altena dennoch sein: Ein Schöffengericht sprach ihn vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. 

Darüber, was sich am 9. Mai 2017 in einer Werdohler Wohnung zugetragen hatte, gab es zwei recht unterschiedliche Berichte: Die Anklage, die ausschließlich auf den Angaben der 20-jährigen Geschädigten beruhte, warf dem 27-Jährigen vor, dass er die junge Frau mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe – trotz mehrfacher Äußerungen, dass sie das nicht wolle. 

Zweifel an der Entschlossenheit

„Nein heißt Nein“, lautet in diesen Fällen eigentlich das bewährte Prinzip, aber es gab im Gerichtssaal Zweifel, wie viel Kraft und Entschlossenheit ihr angebliches „Nein“ hatte. Eine gewisse Alkoholisierung trug möglicherweise dazu bei, dass sie sich nicht entschieden gegen den sexuellen Kontakt wehrte. Die Staatsanwältin vermisste nach der Aussage der 20-jährigen Zeugin eine klare Auskunft darüber, warum sie eine entsprechende Gelegenheit „nicht genutzt hatte, um zu gehen“ – bevor Schlimmeres passierte. Zweifel nährte auch der Umstand, dass die Zeugin erst später zur Polizei ging. 

Auf der anderen Seite stand eine erhebliche Straferwartung von mindestens zwei Jahren, die dem Angeklagten drohten. Bei einer Verurteilung hätte er kaum damit rechnen können, einer vollstreckbaren Haftstrafe zu entgehen. Entsprechend hoch waren deshalb die Ansprüche an die Qualität der Aussage der Zeugin: „Eine belastende Aussage muss absolut unangreifbar sein“, erklärte die Staatsanwältin. Und so blieb es bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation. Denn der Angeklagte bestritt die Vorwürfe entschieden: „Ich habe sie zu keinem Zeitpunkt vergewaltigt – niemals“, versicherte er. „Jedes Mal kam sie aus freien Stücken. Sie wusste, worauf sie sich einließ.“ 

Einander mehrfach sehr nahe gekommen

Dass die Beteiligten sich vor jenem 9. Mai einander mehrfach und freiwillig sehr nahe gekommen waren, räumten beide ein. Beim letzten Treffen habe aber eigentlich ein Schlussstrich im Raum gestanden. „Ich hatte ein Interesse daran zu hören, was er noch zu sagen hatte“, nannte die Zeugin den Grund ihres Besuches. 

„Wir können nicht genau feststellen, wie genau die Zeugin in dieser Situation ihren Willen geäußert hat“, fasste Richter Dirk Reckschmidt schließlich das Ergebnis der Zeugenvernehmung zusammen, bevor das Schöffengericht den Angeklagten freisprach.

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