Prange rechnet mit Privat-„Knöllchen“

An die Parkregelungen in der Friedensstraße müssen sich die Anwohner erst gewöhnen.

WERDOHL - „Es findet eine Verdrängung von innen nach außen statt“, hat Rolf Prange festgestellt. Er ist bei der Stadtverwaltung zuständig für das Konzept der Parkraumbewirtschaftung und macht fast jeden Tag Kontrollgänge. Wer keinen Dauerparkausweis hat und die Parkscheinautomaten meidet, sucht Lücken. Im bewirtschafteten Stadtgebiet finden sich noch zwei Möglichkeit, kostenfrei zu parken. Beide werden allerdings nicht lange bestehen.

Zum einen ist das der Rathausparkplatz, der bekanntlich wegen der noch ausstehenden rechtlichen Klärung zwischen der Stadt und VDM einige Wochen mit verhängten Parkscheinautomaten ganz legal zum Freiparken lockt. Zum anderen der Aldi-Parkplatz. Hier ist zwar eine Parkscheibe Pflicht, die für eine Stunde freies Parken erlaubt – doch hier wird nicht von der Stadt kontrolliert. Das wissen viele Dauerparker, die ihren Wagen teilweise sogar ohne Parkscheibe auf dem Privatgelände von Aldi abstellen. Prange: „Ich habe da schon zwischen 60 und 70 Autos gezählt und dann in den Laden geschaut: Da waren auf keinen Fall so viele Kunden drin.“

Während Kik und Lidl mit der Stadt ein Abkommen haben, dass das Ordnungsamt die dort bestehende Parkscheibenregelung kontrolliert, hat sich bei Aldi zu dem Thema niemand gerührt. Prange: „Ich bin sicher, dass es nicht lange dauern wird, dass Aldi einen privaten Überwachungsdienst engagieren wird.“ So bereits geschehen in Meschede. Dort hat Aldi eine Sicherheitsfirma zur Parkplatzkontrolle eingestellt. Wer dort länger als eine Stunde mit Parkscheibe parkt oder die Scheibe einfach weiterdreht, bekommt ein privates „Knöllchen“. Das schlägt mit 15 Euro sogar etwas kräftiger in die Kasse als die zehn Euro, die die Kommunen nehmen dürfen. „Rechtlich ist das einwandfrei“, weiß Prange. Privatleute oder eben Firmen dürfen ihre Parkplätze auch privat bewirtschaften. „Knöllchen“ gibt es dann in Form von Abmahnungen oder Sondergebühren.

Prange: „Wenn Aldi das auch in Werdohl so regeln wird, werden sich diese Dauerparker einen anderen Parkplatz im Bahnhofsbereich suchen.“ Aktuell gibt es solche Probleme im weiteren Bahnhofsumfeld an der Friedensstraße. Dort ist erst vor wenigen Tagen das Parken nur mit Anliegerparkausweisen erlaubt. Prange: „Die Straße war bis obenhin zugeparkt mit Fremdparkern, die Anwohner mussten woanders hin ausweichen.“ Anders sei es zum Schutz der Anwohner nicht machbar, weil die Straße ab 6 Uhr morgens mit Fremden zugestellt war.

Probleme habe es auch mit den Angestellten und den Patienten einer Arztpraxis dort gegeben. Die Ärztin und ihre vier Angestellten hatten auf einmal keine Stellplätze mehr, und für die Patienten fand sich auch nichts. Dieses Problem hat Prange jetzt mit Bewohnerparkausweisen für die Mitarbeiter gelöst. Auf der Straßenecke gibt es eine kleine Parkfläche, die mit Parkscheibe betrieben wird. Hier können Patienten stehen.

Gäste oder Besucher von Anwohnern finden es problematisch, in reinen Anwohnerstraßen Parkplätze zu finden. Kostenfreie Parkplätze finden sich eventuell erst ein paar Straßen weiter oder der nächste Parkscheinautomat ist weit entfernt. Hierfür hatte Prange in seinem Konzept so genannte Besucherparkscheine für Anwohner vorgesehen. Das hatte der Rat allerdings abgelehnt mit dem Hinweis, das Ordnungsamt damit nicht noch zusätzlich belasten zu wollen.

Von Volker Heyn

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