Vorwürfe gegen Werdohler Krankenhaus

Vater stirbt in Stadtklinik: Tochter beklagt fehlende Information

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Der internistische Chefarzt Dr. Christoph Solbach und Verwaltungs- und Pflegedienstleiterin Christine Lehnert in einem Einzelzimmer in der Werdohler Stadtklinik.

Werdohl - Carmen Verley ist aufgewühlt und in tiefer Trauer, ihr Vater (92) ist Anfang Mai in der Werdohler Stadtklinik verstorben. Weil sie ihrer Auffassung nach nicht richtig Abschied von ihrem Vater nehmen konnte, hat sie sich mit konkreten Vorwürfen an die Stadtklinik gewandt.

Das Krankenhaus schildert in aller Offenheit die ärztlichen und sozialen Bemühungen um ihren früheren Patienten und seine Angehörige. 

Der Vater lebte zuvor schon Jahre im St. Johannes-Altenheim in Balve. Tochter Verley ist Pianistin und Lehrerin an der Musikschule Lennetal. Die 58-Jährige ist eine bekannte Person in der Gegend. Emotional schilderte sie die Umstände des Sterbens ihres Vaters im Werdohler Krankenhaus. 

Herzversagen und Lungenprobleme 

Der Mann war mit schwerem Herzversagen und Lungenproblemen schon am 21. April in die Stadtklinik verlegt worden. Fünf Tage lang musste er künstlich beatmet werden. Sein gesamter Gesundheitszustand war außerordentlich schlecht, Anfang Mai lag der Mann im Sterben.

Der internistische Klinikdirektor Dr. Christoph Solbach: „Der Patient war Anfang Mai sterbenskrank, im medizinischen Sprachgebrauch reden wir von einem prä-terminalen Zustand.“ All das sei mehrfach mit der Tochter des Patienten besprochen worden, sagt Dr. Solbach. Ihr müsse klar gewesen sein, dass es mit ihrem Vater bald zu Ende gehen würde. 

Genau das sieht Carmen Verley nicht so. Am Freitag, 4. Mai, habe sie ihren Vater am Abend – zum letzten Mal – besucht. Samstagmittag habe sie sich im Krankenhaus telefonisch nach dem Zustand ihres Vaters erkundigt, ohne ihn zu besuchen. Es ginge ihm den Umständen entsprechend, erfuhr sie. 

Unzureichende ärztliche Besetzung? 

Weil sie die behandelnde Ärztin für den Fortgang der Behandlung sprechen wollte, sei sie erst am Sonntag gegen 14 Uhr wieder in die Klinik gefahren. Dort wurde ihr gesagt, dass ihr Vater am Samstagabend gegen 22 Uhr verstorben sei. 

Diese Nachrichtenübermittlung bringt sie auch heute noch völlig außer Fassung. Sie habe geschockt reagiert. Sie ist immer noch der Meinung, dass sie über den sich verschlechternden Zustand ihres Vaters hätte informiert werden müssen. Mindestens aber vom Tod ihres Vaters hätte sie zeitnah unterrichtet werden wollen.

„Ich hatte keine Gelegenheit, von meinem Vater Abschied nehmen zu können“, sagt sie. Stattdessen kritisiert sie die ihrer Meinung nach unzureichende ärztliche Besetzung in der Nachtschicht der Klinik und die „Unmenschlichkeit“, dass keine Schwester sie über die Gesundheit ihres Vaters informiert habe. 

Telefonische Entschuldigung 

Der diensthabende Facharzt habe in der Nacht drei schwere Fälle zu betreuen gehabt, erklärt Klinikdirektor Dr. Solbach. Der Arzt sei absolut kompetent und in jeder Hinsicht der Situation gewachsen. Bis nach Mitternacht sei er mit der ärztlichen Versorgung seiner Patienten im Einsatz gewesen. 

Er habe es schlicht und einfach nicht geschafft, sich bei der Angehörigen zu melden. Für dieses Versäumnis hat sich der Arzt sogar bei Carmen Verley telefonisch entschuldigt. Diese Entschuldigung lässt die 58-Jährige nicht gelten. Sie meint, der Arzt sei überfordert gewesen. 

Diese Kritik weist die Stadtklinik entschieden zurück: Für die 79 Patienten der Klinik in jener Nacht seien drei Fachärzte und zwei im Hintergrund arbeitende Chefärzte zuständig gewesen. Nur ein Arzt dürfe Aussagen über den Gesundheitszustand von Patienten mitteilen, nur ein Arzt dürfe den Tod eines Menschen feststellen. 

Klinik: Doppelzimmer freigeräumt

Dem Sterbenden sei durch die Pflegedienstleitung des Hauses in seinen letzten Tagen ein Doppelzimmer freigeräumt worden. Klinikleiterin Christine Lehnert sagt: „Wir haben der Angehörigen das Signal gegeben, dass sie so lange wie gewünscht bei ihrem Vater bleiben kann.“ Frau Verley sei aber am Samstag gar nicht in die Klinik gekommen. 

Mit diesen Erklärungen lässt sich Verley nicht beruhigen. Sie bleibt dabei: „Ich bin so wütend, die unmenschlichen Gesetze müssen geändert werden.“ Die Entschuldigung des Arztes bringe ihr nichts: „Ich nehme es dem Arzt übel.“

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