1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Vater fährt, Sohn hängt auf Motorhaube: Jetzt entscheidet das Landgericht

Erstellt:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Das Gericht entschied im Fall eines 27-jährigen Vergewaltigers auf zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung.
Das Landgericht bekräftigte das Urteil des Altenaer Amtsgerichts. © Volker Hartmann / dpa

Bestätigt hat eine Berufungskammer des Landgerichts das Urteil des Amtsgerichts Altena vom November 2020 gegen einen Werdohler Familienvater, der seinen Sohn nach einem Streit am 9. Mai 2020 mindestens 600 Meter auf der Kühlerhaube seines Autos durch Werdohl gefahren hatte. Zu den Hintergründen.

Werdohl – Mit der Entscheidung des Landgerichts blieb es bei einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 15 Euro wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehrs, versuchter Nötigung und Beleidigung. Gegen diese Entscheidung halfen auch alle Bemühungen des Sohnes nichts, der seinen Vater im Landgericht offenbar entlasten wollte.

„Wir wollen die Vergangenheit auf sich beruhen lassen, um als Familie einen Neustart zu machen“, erklärte der 23-Jährige und nahm die Schuld für die Ereignisse im Mai 2020 auf sich: „Ich habe den Streit provoziert zu diesem Zeitpunkt.“ Bei der unfreiwilligen Fahrt auf der Kühlerhaube sei er nicht verletzt worden. Die Vorsitzende Richterin entnahm den Akten eine andere Schilderung des Sohnes bei der Polizei: „Da haben Sie mal angegeben: ‘Verletzung am Bein’.“

Der Zeuge winkte ab: Nur „zur Kontrolle“ sei er im Krankenhaus gewesen. Der Familien-Mini habe eine „abgerundete Motorhaube“. Will sagen: Da muss man sich bei einer solchen Fahrt nicht verletzen, solange man nicht runterfällt. Auch von dem einstmals zu Protokoll gegebenen Gefühl, dass sein Vater ihn „umbringen“ wollte, war nichts mehr geblieben. Solche Absichten hatte dem Angeklagten allerdings niemand ernsthaft unterstellt, und so wurde die Sache ja auch nicht vor dem Schwurgericht des Landgerichts verhandelt.

Der Angeklagte wiederholte seine Behauptung, dass nicht er seinen Sohn mit der Motorhaube „aufgegabelt“, sondern dass dieser ihm umgekehrt auf’s Auto gesprungen sei. Dafür gab es allerdings eine Erklärung des 23-Jährigen: Er sei hochgesprungen, als sein Vater anfuhr. Das erklärt noch nicht, warum der Vater mit seiner kostbaren Fracht weiterfuhr. Er habe mehrfach angehalten, damit sein Sohn von der Motorhaube absteigen könne, behauptete der Vater.

Dazu passte nicht die ebenfalls geäußerte Behauptung, dass er aus Angst, sein Sohn würde ihn schlagen, nicht angehalten habe. Letztlich gab es auch im Landgericht wenig Zweifel an dem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Dazu kamen üble Beleidigungen weiterer unbeteiligter Personen und eine versuchte Nötigung. Die Staatsanwältin sah angesichts der soliden Beweislage keinen Anlass für eine Minderung der Strafe und beantragte die Verwerfung der Berufung.

Sie verwies auf insgesamt drei Tatvorwürfe und das „erhebliche Gefährdungspotential“, das durch die Länge und Dauer der unfreiwilligen Fahrt noch erhöht wurde.

Diesem Antrag folgte die Berufungskammer: Die Richter verwarfen die Berufung als unbegründet: „Die Fahrstrecke war objektiv gefährlich, denn es war eine kurvige Strecke“, stellte die Vorsitzende Richterin fest. Nur durch glückliche Umstände sei der Sohn nicht verletzt worden. Die Richter gingen auch von dessen früheren Aussage aus, dass er Todesangst gehabt habe. Auch die vom Angeklagten damals geäußerten Beleidigungen, die ziemlich ekelhaft waren, kamen gar nicht gut an: Diese seien „von bedrückendem Kaliber“, stellte die Vorsitzende fest.

Auch interessant

Kommentare