Werdohl: Alle drei Fachbereichsleitungen fallen weg

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Die Leitungsstellen der Stadtverwaltung im April 2009 nach der letzten großen Umstrukturierung durch Bürgermeister Jörg Bora: Vorne von links Abteilungsleiter Bodo Schmidt, die Fachbereichsleiter Bernd Mitschke, Jörg Bora und Michael Grabs, hinten von links die Abteilungsleitungen Sybille Dworschak, Andrea Mentzel, Ingeborg Kurlandt, Thomas Schroeder, Regina Wildenburg und Rainer Gumz.

Werdohl – Die Stadtverwaltung hat keine Überkapazitäten, es kann nicht weiter eingespart werden. Das ist das vorläufige Ergebnis einer groß angelegten Organisationsuntersuchung des Rathauses durch die Gemeindeprüfungsanstalt und durch die bundesweit tätige BSL Managementberatung GmbH. Aus dem seit 2012 festgelegten Personaleinsparkonzept werde spätestens ab 2021 ein Personalentwicklungskonzept, um die Aufgaben mit dem vorhandenen Personalschlüssel bestmöglich abdecken zu können.

Das hat Bürgermeisterin Silvia Voßloh am Mittwoch in einer Personalversammlung im Vier Jahreszeiten den Beschäftigten vermittelt. Jetzt stellte sie diese Entwicklung im Gespräch mit unserer Redaktion dar.

Dem Entwurf des Gutachtens folgend wird in naher Zukunft die Ebene der Fachbereichsleitungen abgeschafft. Zum Ende des Jahres geht Bodo Schmidt in den Ruhestand. Schmidt ist Abteilungsleiter Soziales und Wohnen und war seit 2015 auch Fachbereichsleiter. Unter ihm gibt es noch die Abteilungsleiterinnen Andrea Mentzel für Ordnung und Einwohnerwesen und Kirsten von der Crone für Jugend. Die Stelle der Abteilungsleitung Soziales und Wohnen wird ausgeschrieben, die Funktion als Fachbereichsleitung fällt weg. Die Arbeit auf Schmidts Stelle wird solange durch die stellvertretende Abteilungsleiterin Gabriele Schmitz aufgefangen.

Der Wegfall der Fachbereichsleitung durch Michael Grabs – der keine eigene Abteilungsleitung innehatte – fällt mit dessen Eintritt in den Ruhestand Anfang kommenden Jahres ebenfalls weg. Seine Funktion als Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin wird auf Kämmerin Vanessa Kunze-Haarmann übergehen. Der Rat wird dazu in der Sitzung Mitte Dezember eine Bestellung aussprechen. Wer die Aufgaben des Personalchefs – bisher Grabs – übertragen bekommt, ist noch offen.

Diese zukünftige Aufgabenverteilung war übrigens schon 2012 im Personaleinsparkonzept festgelegt worden. Die Funktionszuweisung der Allgemeinen Vertretung bei der Leitung der Kämmerei geschah vollkommen unabhängig von den jeweiligen Stelleninhabenden.

Der dritte Fachbereichsleiter ist derzeit Thomas Schroeder. Er hatte – wie Bodo Schmidt – die Fachbereichsleitung zusätzlich zu seiner eigentlichen Aufgabe als Abteilungsleiter Bauen und Immobilienmanagement übernommen. Vorher war Bernd Mitschke Fachbereichsleiter. Zum diesem bisherigen Fachbereich gehören noch der Baubetriebshof unter Uwe Bettelhäuser und die Tiefbauabteilung unter Martin Hempel. Schroeder bleibt Leiter seiner Abteilung, die Fachbereichsleitung werde sich später durch Umstrukturierungen erübrigen.

Kämmerin Vanessa Kunze-Haarmann wird Allgemeine Vertreterin der Bürgermeisterin.


Unterm Strich wird auf Ebene der Fachbereiche die Stelle von Grabs eingespart und auch nicht wiederbesetzt. Das sei aber kein Problem, so Voßloh: „Die Praxis hat gezeigt, das es geht.“ Die Aufgaben von Grabs verteilen sich auf die Abteilungen Steuerung und Finanzen sowie auf Schule, Kultur, Sport und Service. Dass Aufgabenbereiche in der Verwaltung zusammengelegt werden, ist nicht ungewöhnlich.

Das Gutachten durch die BSL Managementberatung koste die Stadt übrigens nichts, so Voßloh. Als Stärkungspaktkommune sei dies eine Dienstleistung durch das Land NRW. Wenn die endgültige Fassung des Gutachtens vorliege, soll eine Projektgruppe gebildet werden, die sich mit der Umsetzung befasst.

Voßloh will weiterhin einen offenen und transparenten Umgang mit den 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pflegen. Nur so könne die öffentliche Verwaltung zukunftssicher aufgestellt werden. Dazu gehöre auch, dass seit einigen Jahren im Rathaus wieder ausgebildet wird. Voßloh: „Wir brauchen bei der Personalentwicklung einen zeitlichen Vorlauf, wir wollen nicht immer nur reagieren.“

Angstgesteuerte Verwaltung unter Jörg Bora

Die Personalentwicklung hatte im Werdohler Rathaus vor gut zehn Jahren eine „angstgesteuerte“ Richtung genommen. Das Gutachten des Federas-Büros hatte 2009 den Führungsstil des damaligen Bürgermeisters Jörg Bora mit genau diesem Begriff kritisiert. Bora hatte an der Ebene der Fachbereichsleitungen festgehalten und sich selbst eingesetzt. Gut ein Drittel aller Stellen im Rathaus waren umbesetzt worden. Allein die Gutachten durch die Gemeindeprüfungsanstalt und die Federas kosteten 90 000 Euro. Weitere 36 000 Euro kostete der Personalumbau in den Folgejahren, Prozesskosten nicht eingerechnet.

Bis heute werden in der Verwaltung Folgekosten durch die damalige Umstrukturierung erzeugt. Zu der Zeit herrschten im Rathaus Angst, Misstrauen und Verunsicherung. Schon der auf Bora folgende Bürgermeister Siegfried Griebsch hatte einen kooperativen Führungsstil eingeschlagen. Selbst zehn Jahre nach Bora hat Silvia Voßloh immer noch mit den Verletzungen ihrer Mitarbeiter aus dieser Vergangenheit zu tun.

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