Urteil 26 Jahre nach Vergewaltigung

WERDOHL - Fast 26 Jahre nach einer Vergewaltigung wurde am Freitag im Landgericht Hagen gegen den heute 50 Jahre alten Täter von damals verhandelt. Am Ende verhängte die 4. Strafkammer eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Eine Verständigung aller Prozessbeteiligten ersparte dem Gericht eine aufwändige Beweisaufnahme und der Geschädigten eine Reise von Griechenland in ihre Vergangenheit in Werdohl.

Die Szene war filmreif: Am 8. April 1988 verfolgte ein BMW einen Kleinbus auf der Höhenstraße zwischen Werdohl und Lüdenscheid. In Höhe Brunscheid bremste der BMW den Kleinbus aus, der nicht mehr bremsen konnte und beim Auffahren stark beschädigt wurde. Ein bewaffneter Mann sprang aus dem BMW, zerschlug mit seiner Pistole die verriegelte Seitentür des Busses, öffnete die Tür des Busses und zog eine Frau an den Haaren heraus. Anschließend rasten die beiden Entführer mit der damals 30-Jährigen davon.

Die Griechin war erst Ende 1987 nach Werdohl gekommen, um dort eine Gaststätte zu übernehmen. Ein damals 24-jähriger Türke half der verheirateten Frau, sich in Deutschland zurechtzufinden.

Diese menschliche Wärme führte die beiden bald sehr viel näher zueinander. Erst als sich der Ehemann der 30-Jährigen aus Griechenland ankündigte, ging sie stärker auf Distanz zu ihrem Geliebten. Das jedoch duldete der junge Mann nicht. Er wollte seine Geliebte um jeden Preis festhalten.

In zwölf Anklagepunkten wurde später notiert, mit welchen Mitteln der Angeklagte der Geschädigten zugesetzt hatte: Drohungen und Schläge, ein „Würgen“ und zwei Freiheitsberaubungen.

Nicht verjährt war einzig eine Vergewaltigung: Der Angeklagte gab zu, dass er die 30-Jährige am 5. April 1988 geohrfeigt und mit Todesdrohungen gezwungen hatte, mit ihm zu schlafen. Dieses Ereignis hatte die Zeugin in ihren Vernehmungen immer wieder geschildert. Nur die Zahl der gewaltsamen Übergriffe hatte in den damaligen Vernehmungen zugenommen, während die Frau den Aspekt der freiwilligen Hingabe immer mehr geleugnet hatte. Dafür gab es einen plausiblen Grund: Ihr Ehemann war in Deutschland angekommen.

Am 8. April kam es dann zu der eingangs geschilderten Szene. Verwandte der 30-Jährigen wollten diese bei sich in Lüdenscheid in Sicherheit bringen. Das missfiel dem Angeklagten.

Dass der 50-Jährige erst knapp 26 Jahre nach den Taten vor Gericht stand, war nicht seine Schuld: Nach Verbüßung einer Haftstrafe war er in die Türkei abgeschoben worden. Deshalb konnte das Strafverfahren nicht weiterverfolgt werden. Nach vielen Jahren in Rumänien kam er 2013 als Familienvater zurück nach Deutschland, um im schwäbischen Biberach als Installateur zu arbeiten. Dadurch kam das Verfahren nach einem Vierteljahrhundert erneut auf die Tagesordnung.

Von Thomas Krumm

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