1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Urteil gegen Netto-Räuber: So lange müssen die Angeklagten ins Gefängnis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Der Netto-Markt in Pungelscheid war einer der Discounter, auf den es die Täter bei ihrem Beutezug durch die Region abgesehen hatten.
Der Netto-Markt in Pungelscheid war einer der Discounter, auf den es die Täter bei ihrem Beutezug durch die Region abgesehen hatten. © Birke, Maximilian

Sie haben mehrere Discounter und Getränkemärkte in der Region überfallen. Jetzt ist das Urteil gegen die Netto-Räuber gefallen. Der Haupttäter und einer der Mitangeklagten müssen beide für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Mit einer Haftstrafe von sechs Jahren für den 25-jährigen Angeklagten aus Werdohl und einer Jugendeinheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten für den 19-jährigen bewaffneten Haupttäter ist im Landgericht Hagen der Prozess gegen zwei Netto- und Getränkemarkt-Räuber zu Ende gegangen.

Eine Jugendstrafkammer verurteilte die beiden Männer wegen schwerer räuberischer Erpressung in sieben Fällen. Da die Täter bei Überfällen in Herscheid und Meinerzhagen ohne Beute blieben, wurden zwei dieser Taten lediglich als Versuch gewertet.

Geständnisse wirken sich strafmildernd aus

Der Vorsitzende hielt beiden Angeklagten ihre umfassenden Geständnisse zugute, da die Beweislage bei den ersten sechs Taten „dürftig“ war. Der 25-jährige Werdohler hatte alle Prozessbeteiligten damit verblüfft, dass er seine Mitwirkung an allen sieben Raubüberfällen einräumte. Da die Anklage zuvor von einer Beteiligung an nur einem Raubüberfall ausgegangen war, sprach der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz hinsichtlich dieses viel weitergehenden Geständnisses von einem „einzigartigen Fall“, den die Kammer so noch nicht erlebt habe.

Der Fall: Sieben Überfälle

Ein 25-jähriger Werdohler und ein 19-jähriger Iserlohner haben im Landgericht Hagen ihre Beteiligung an sieben Raubüberfällen auf Netto- und Getränkemärkte in Werdohl, Neuenrade, Balve, Herscheid, Menden, Meinerzhagen und Arnsberg Ende April, Anfang Mai gestanden. Eine dritte Angeklagte soll bei einem Überfall als Fahrerin dabei gewesen sein. Ein vierter Angeklagter ist derzeit nicht auffindbar.

Sechs Jahre Haft sind auf dem Papier eine lange Zeit. Der 25-Jährige bekommt aber die Chance einer zweijährigen Therapie in einer geschlossenen Entziehungsanstalt. Sollte die Therapie, die es mit einem in vielen Drogen erfahrenen Patienten zu tun bekommt, erfolgreich verlaufen, könnte der 25-Jährige in zweieinhalb Jahren auf Bewährung entlassen werden. Noch vor der Verhandlung hatte er seinen Rechtsanwalt Ulrich Schorner gebeten, einen Haftprüfungstermin abzusagen. Damit hatte er Verantwortung für sich selber übernommen. Ihm war klar, dass er sofort wieder in selbstzerstörerische Muster zurückgefallen wäre, wenn die Richter ihn auch nur vorübergehend auf freien Fuß gesetzt hätten.

Richter sieht „erhebliche kriminelle Energie“

Bei dem Iserlohner Angeklagten schlug über die schwere räuberische Erpressung hinaus ein Gewaltdelikt, die gefährliche Körperverletzung eines Marktmitarbeiters in Herscheid, negativ zu Buche. Richter Jörg Weber-Schmitz warf dem 25-Jährigen eine „erhebliche kriminelle Energie“ vor. Noch bei seinem Geständnis habe er „versucht, der Kammer einen Bären aufzubinden“. Das bezog sich vor allem auf die anfängliche Behauptung des 19-Jährigen, dass er die verwendete PTB-Waffe in einem Papierkorb in Neuenrade gefunden habe. Diese Schwindelei hatte er schon am zweiten Verhandlungstag zurückgezogen. Das Strafmaß gibt ihm nun die Chance, in der Justizvollzugsanstalt eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker abzuschließen.

Überzeugend war die Beweislage zunächst nur hinsichtlich des letzten Überfalls auf einen Netto-Markt in Arnsberg-Herdringen. Dort wurden die Täter direkt festgenommen. Dabei stieß die Polizei auch auf die dritte Angeklagte, die die Täter lediglich zum dortigen Tatort gefahren hatte. Die Richter verurteilten die Neuenraderin wegen Beihilfe zur schweren räuberischen Erpressung zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Vierter Angeklagter verschwunden

Verschwunden ist immer noch der vierte Angeklagte, dessen Verfahren abgetrennt wurde. Die Beweislage scheint in seinem Fall gar nicht so schlecht zu sein: Die Polizei fand Spuren seiner DNA nach dem Überfall auf den Netto-Markt in Herscheid.

Auch interessant

Kommentare