Steigende Buchungszahlen

Urlaub in Corona-Zeiten: Das sind die Reiseziele der Werdohler und Neuenrader

Coronavirus - Griechenland - Urlaub ist wieder möglich, Gäste in Taverne
+
Griechenland ist eines der ausländischen Ziele, das bei heimischen Urlaubern derzeit hoch im Kurs steht. Denn Mitte des Monats sind dort viele Corona-Einschränkungen weggefallen und die Tourismus-Saison ist gestartet.

Rapide sinkende Inzidenzzahlen und die ersten Lockerungen lassen bei vielen Deutschen das Fernweh aufkeimen. „Das habe ich auch gelesen“, sagt Wolfgang Reinhardt, Geschäftsführer vom Neuenrader Reisebüro Reinhardt Business Travel. „Doch von einem Ansturm kann ich da nicht sprechen.“

Reinhardt sagt: „Es geht zwar sichtlich voran, aber ich habe im Schnitt bloß eine Buchung pro Tag. Das ist nach langer Zeit, in der es oft in einer ganzen Woche keine einzige Buchung gab, aber schon ein erster kleiner Lichtblick.“ Die niedrigen Inzidenzwerte an Urlaubszielen wie Mallorca, Kanaren und Griechenland sind auch – Lichtblicke. Kein Wunder, dass diese Destinationen genau die sind, die Reinhardts Kunden derzeit vermehrt buchen.

„Vereinzelt gibt es auch Anfragen für die Dominikanische Republik“, sagt der Reisebüro-Geschäftsführer. Abschließend erklärt er: „Dazu kommen noch ein paar wenige Geschäftsleute, die in die USA fliegen.“ Möglich sei Letzteres aber nur, wenn eine Einladung aus Amerika vorliege und der deutsche Geschäftstreibende mit dieser im Konsulat in Frankfurt vorstellig werde, um ein Sondervisum zu erhalten. „Die müssen nachweisen, dass ihre Reise besonders dringend ist“, weiß Reinhardt, der auch erfahren hat: „Reisen nach China – auch geschäftliche sind hingegen derzeit noch ein absolutes No-Go.“

Auch Reiseziele in Deutschland werden vermittelt

An Privatreisende vermittelt der Tourismusexperte derzeit immer wieder auch Aufenthalte im Inland. „Zwar gilt in vielen Regionen noch ein Beherbergungsverbot, aber in den Corona-Pilotprojektregionen ist ein Urlaub möglich.“ Konkret seien der Timmendorfer Strand und Sylt gefragt bei seinen Kunden.

Bei Wolfgang Reinhardt in Neuenrade ist Griechenland eines der begehrtesten Reiseziele.

Wenn ausländische Touristenhotspots wie jüngst Griechenland wieder öffnen, führe das nach Beobachtung des Neuenrader Reisevermittlers bislang nicht zu Umbuchungen von deutschen zu anderen Zielen. „Im Gegenteil: Ich habe eine Reise zum Gardasee umgebucht zu einer Tour an die Ostsee. Die Leute nehmen lieber die sichere Variante vor der Haustür – aus Angst vor Corona.“

Herdenimmunität erst nach der Saison?

Trotz des zarten Pflänzleins erster Buchungen nach der lang andauernden Flaute, bleibt Wolfgang Reinhardt skeptisch: „Ich sehe die Sommerferien mit Respekt.“ Er begründet seine Zurückhaltung: „Wir werden doch erst Ende September die Herdenimmunität erreichen. Und dann ist die Saison vorbei.“

Er sei mit seinem Reisebüro gerade erst bei zehn Prozent des sonstigen Umsatzes angelangt. Drei seiner fünf Angestellten befänden sich noch zu 100 Prozent in Kurzarbeit. „Die anderen beiden wechseln sich von Woche zu Woche ab und kommen dann jeweils halbtags. Mehr ist momentan noch nicht drin“, bedauert er. „Ich hoffe einfach, noch da zu sein, wenn dieser ,Run’, von dem jetzt die Rede ist, einmal wirklich einsetzt.“

Umsatz liegt deutlich unter den Vor-Corona-Zahlen

Gleiches hofft wohl auch Lutz Hoffmann vom Reiseclub Werdohl. Er sei allerdings schon einem kleinen Schritt weiter als sein Neuenrader Kollege. „Wir haben derzeit einem Umsatz im Umfang von rund 40 Prozent der normalen Werte. Vor gerade einmal drei Wochen lagen wir aber noch bei nur zehn bis 15 Prozent der Vor-Corona-Zeit.“

Hoffmann möchte auch noch nicht jubeln, „doch die Zahl der Buchungen ist stetig steigend“. Er hat aber auch festgestellt, „dass die Preise für Reisen aufgrund des knappen Angebotes täglich in die Höhe gehen“. Mallorca, Kanaren, Griechenland und von Zeit zu Zeit auch mal die Dominikanische Republik. Die Ziele der Werdohler Reisewilligen unterscheiden sich kaum von denen in Neuenrade. „Nur innerhalb Deutschlands verkaufe ich kaum etwas“, berichtet Hoffmann.

Auch die Türkei wird nachgefragt

„Das war aber vor Corona nicht anders.“ Er vermutet: „Da gibt es keine Sprachbarriere. Da rufen die Menschen direkt im Hotel an und buchen selbst.“ Ein paar wenige Kreuzfahrten auf der Ostsee habe Hoffmann aber doch vermitteln können in den vergangenen Tagen. Und der ein oder andere seiner Kunden habe auch die Türkei als Ziel gewählt.

Lutz Hoffmann reicht im Reiseclub Werdohl seiner Auszubildenden Elena Ganiti einen Griechenland-Katalog.

Aus Gesprächen mit seinen Kunden, aber auch im privaten Umfeld, wisse er: „Die Leute freuen sich wieder auf einen Urlaub.“ Darüber hinaus habe er festgestellt: „Die Menschen schauen wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Sie haben den Eindruck, dass die Pandemie wirklich dem Ende zugeht.“

Arbeit ist deutlich digitaler geworden

Alles wie vorher werde es dann für Hoffmann und seine Mitarbeiter nicht. „Wir sind in den anderthalb Jahren jetzt deutlich digitaler geworden.“ Was das bedeutet, erklärt der Reisebüro-Inhaber so: „Wir beraten häufiger per Skype oder mit Zoom. Und wir haben die Rechner gegen Notebooks eingetauscht. So können wir vom Homeoffice aus arbeiten, oder wenn wir auf einer Tagung sind aus dem Hotel heraus und letztlich sogar auch beim Kunden zuhause.“

Lutz Hoffmann beschäftigt im Reiseclub Werdohl eine Vollzeitkraft, die derzeit noch zu 90 Prozent in Kurzarbeit sei. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird sie aber bald wieder zwei volle Tage in der Woche an die Derwentsider Straße kommen.“ Dort trifft sie dann auch auf Auszubildende Elena Ganiti. „Eine weitere Mitarbeiterin von mir befindet sich noch bis September in Elternzeit“, sagt Hoffmann. „Eine Kollegin hat gekündigt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare