Nach Griechenland, Spanien und in die Türkei

Nach Fridays for Future: Fliegen Werdohler 2019 seltener?

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Annika Becht vermittelt Urlaubsreisen bei den Lennetaler Reisewelten.

Werdohl - Nicht zuletzt durch die Fridays-for-Future-Bewegung sind Urlaubsreisen und vor allem die dafür genutzten Verkehrsmittel in den vergangenen Monaten wieder zu einem zentralen Thema geworden. Eine Umfrage des SV zeigt, wie die Werdohler reisen und wohin.

Nicht zuletzt durch die Fridays-for-Future-Bewegung sind Urlaubsreisen und vor allem die dafür genutzten Verkehrsmittel in den vergangenen Monaten wieder zu einem zentralen Thema geworden. Ob Bus oder Bahn, Auto oder Flugzeug, Fähre oder Kreuzfahrtschiff: Der SV hat bei zwei Werdohler Reisebüros nachgefragt, welche Reiseziele in diesem Jahr am beliebtesten sind, wer reist und wie gereist wird.

Wohin wird 2019 gereist?

„Wie eigentlich in jedem Jahr sind die Top-Reiseziele Spanien, Griechenland und die Türkei“, sagt Lutz Hoffmann, Geschäftsführer des Reisebüros ReiseClub in Werdohl. Das kann auch Annika Becht von den Lennetaler Reisewelten bestätigen: „Besonders beliebt ist die griechische Insel Kos.“ Die Türkei sei als Reiseziel derzeit wieder sehr gefragt, weil sich die politische Situation etwas entspanne und die negative Medienpräsenz abgenommen habe, stimmen beide überein.

„Es wird aber nicht nur ins Ausland gefahren“, sagt Hoffmann. „Auch innerhalb Deutschlands wird wieder sehr viel gereist.“ Den Grund dafür sieht der ReiseClub-Geschäftsführer in dem warmen Sommer des vergangenen Jahres: „Das Wetter war sehr gut und diejenigen, die 2018 im Inland gereist sind, haben positive Erfahrungen gemacht. Daher sind sie auch in diesem Jahr gegenüber einer Inlandsreise nicht abgeneigt.“

Hoffmann weiß auch, wohin es die Urlauber dann zieht: „Die Nord- und Ostseeregion und die Alpen sind die meistgebuchten Ziele in Deutschland. Gerade die Alpenregion ist für viele Urlauber sehr attraktiv. Weil für die Wintersaison immer mehr Hotels entstehen, sollen diese Kapazitäten möglichst auch im Sommer ausgelastet werden.“ Dies bedinge, dass die Preise vergleichsweise gering sind und der Urlaub in den Alpen gerade für junge Familien erschwinglich bleibt.

Lutz Hoffmann ist Geschäftsführer beim ReiseClub Werdohl.

Wer reist eigentlich?

Hoffmann: „In den Ferien reisen natürlich vor allem Familien mit schulpflichtigen Kindern.“ „Sobald Urlaub ist, wird gereist“, stellt auch Annika Becht fest. „Die Nachfrage ist in diesem Jahr wirklich gut.“ Hoffmann ergänzt: „Die Eltern nehmen sich ja in der Regel passend zu den Sommerferien Urlaub.“

Für junge Familien hat Becht einen Tipp: „Günstig, schön und schnell zu erreichen ist Bulgarien. Mit seinen langen Promenaden und den weitläufigen Sandstränden ist das Land ein tolles Reiseziel.“ 

Skurrile Reiseziele auch in Werdohl?

Reisen an besondere Orte, die nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen, sind immer mal wieder gefragt. „Ich habe einem Mann eine Reise nach Nordkorea vermittelt. Das war hochinteressant und alles andere als ein gewöhnliches Reiseziel. Es gibt nur zwei Veranstalter, die überhaupt Reisen nach Nordkorea anbieten“, erinnert sich Lutz Hoffmann an die außergewöhnlichste Anfrage, die ihm in diesem Jahr untergekommen ist.

Nordkorea zu besichtigen sei dabei nicht ohne Risiko. Ein Urlaubsbesuch müsse genau durchgeplant werden. So dürften die Touristenguides, ohne die ein Urlaub in Nordkorea gar nicht möglich ist, ihren Besuchern nur zeigen, was von der Regierung abgesegnet ist. Sogar der Kleidungsstil werde einem Urlauber zu bestimmten Aktivitäten, wie beispielsweise für die Besichtigung des Mausoleums, vorgegeben.

Nach Nordkorea wollte von Annika Bechts Kunden zwar noch keiner, dafür hatte sie aber andere außergewöhnliche Anfragen: „Besonders faszinierend finde ich immer, wenn Menschen Reisen schon drei Jahre im Voraus buchen. Das ist zum Beispiel bei Expeditionskreuzfahrten in die Antarktis nötig.“

Besonders beliebt seien bei den Lennetaler Reisewelten auch Reisen zu den Galapagos-Inseln. „Mein Geheimtipp ist allerdings Sardinien – gut zu erreichen und landschaftlich wunderschön“, so Becht. 

Klimabewussteres Reisen erkennbar?

Die zahlreichen Klimaschutz-Protestaktionen, die zuletzt stattgefunden haben, wurden öffentlich immer wieder kontrovers diskutiert. Haben die Demos und die starke Medienpräsenz zu einem Umdenken beim Reisen geführt? „Teils teils“, sagt dazu Hoffmann.

Es würden immer noch Kreuzfahrten gebucht und es werde auch nach wie vor geflogen. Insgesamt stellt der Geschäftsführer aber fest, dass die Kunden sich mehr Gedanken darüber machten, wie sie ihr Urlaubsziel erreichen können. Kurzstreckenflüge beispielsweise nähmen tendenziell ab. Die findet Hoffmann auch persönlich äußerst bedenklich: „Für 9,90 Euro sollte man nicht nach Mallorca fliegen können. Urlaub muss das kosten, was er auch wert ist.“

Annika Becht erinnert sich in diesem Zusammenhang an Kunden, die sehr viel wert darauf legten, das Fliegen zu vermeiden: „Die beiden wollten damals nach Kopenhagen – mit dem Zug. Die Zugfahrt hätte aber so lange gedauert, dass die Rundreise in Kopenhagen nicht mehr lohnenswert gewesen wäre. Als Konsequenz sind sie gar nicht nach Kopenhagen gereist.“

Kritik richten die Reiseexperten Hoffmann und Becht vor allem an die Deutsche Bahn beziehungsweise an die Bundesregierung in Berlin: „Natürlich sind Kurzstreckenflüge aus Umweltsicht ein großes Problem. Aber: Einen solchen Flug nach beispielsweise Berlin gibt es schon ab 49 Euro. Für ein Bahnticket zahlt man aber häufig mindestens 150 Euro. Daher ist die Bahn oft einfach keine Alternative. Daran muss sich etwas ändern, damit wieder mehr Bahn gefahren und so das Klima weniger belastet wird.“ 

Bündnis 90/Die Grünen haben zu diesem Zweck zuletzt vorgeschlagen, eine Kerosinsteuer auf Inlandsflüge zu erheben, um diese damit teurer zu machen. Die zusätzlichen Steuergelder sollen in den Schienenverkehr fließen, um so das Bahnfahren im gleichen Zug günstiger zu machen.

Zudem soll die Mehrwertsteuer auf Bahntickets von 19 auf sieben Prozent reduziert werden. Wie die Kunden von Lutz Hoffmann und Annika Becht auf diese Maßnahmen reagieren, werden dann erst die nächsten Urlaubszeiten zeigen.

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