Rund 120 Einsätze

Unwetter-Bilanz: Wehrkräfte 24 Stunden nonstop im Einsatz

Als Dank für den unermüdlichen Einsatz der Feuerwehr während der Unwetterkatastrophe übergaben Ali und Hatice Akdeniz stellvertretend für den Türkischen Elternverband eine Spende an die Wehrleitung Kai Tebrün (links) und Andreas Wäscher (rechts).
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Als Dank für den unermüdlichen Einsatz der Feuerwehr während der Unwetterkatastrophe übergaben Ali und Hatice Akdeniz stellvertretend für den Türkischen Elternverband eine Spende an die Wehrleitung Kai Tebrün (links) und Andreas Wäscher (rechts).

„Die Alarmierungen kamen in einer Tour herein“, erinnert sich der stellvertretende Werdohler Wehrleiter Andreas Wäscher.

Letztlich seien es am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche allein rund 120 Einsätze gewesen, die die Werdohler Feuerwehr aufgrund des Starkregens gefahren sei. „Insgesamt hat uns die Flut aber fünf Tage in Atem gehalten“, ergänzt Stadtbrandinspektor Kai Tebrün.

„Die Alarme siehst Du auf dem Bildschirm in einer Art Excel-Tabelle. Und die Einsätze habe ich priorisiert. Ein Keller unter Wasser ist weniger schlimm als beispielsweise ein Keller unter Wasser, in dem noch ein Öl- oder ein Gastank ist“, schildert Wäscher die Vorgehensweise während der Unwetterkatastrophe. „Du schaust einfach bloß, dass Du das Schlimmste abwendest.“

Stündliche Lagemeldung

Stündlich habe er eine Lagemeldung zur Kreisleitstelle auf Rosmart geschickt. Wäscher sagt: „Und jedes Mal habe ich Verstärkung für uns hier vor Ort angefordert.“ Da er nicht mitbekommen habe, was in den Städten rund um Werdohl herum geschehe, „habe ich mich irgendwann gefragt: ,Warum kommt denn da keiner?’“

Bis zu 110 Kräfte seien zeitgleich im Einsatz gewesen während der fünf Tage, die die Wassermassen die Freiwillige Feuerwehr beschäftigten. „Das waren bis zu 70 hier aus Werdohl, einige aus anderen Städten, die dann doch zu unserer Hilfe gekommen waren und auch noch welche vom Technischen Hilfswerk oder den Maltesern“, zählt Wäscher auf.

Auch positive Erlebnisse

Wehrleiter Kai Tebrün berichtet mit nun etwas Abstand aber auch von positiven Erlebnissen während der Katastrophenereignisse: „Man hat gesehen, dass die Gesellschaft zusammengerückt ist.“ Er betont: „Vorher herrschte eine große Respektlosigkeit auf der Straße.“ Doch während des Starkregens hätten sie als Einsatzkräfte oft „eine Kiste Wasser oder Kaffee und Mettwürstchen von der Bevölkerung bekommen“.

Tebrün versucht Verständnis für nörgelnde Mitmenschen aufzubringen: „Sicher, ich wäre auch lieber zuhause, statt bei einem Verkehrsunfall.“ Dann aber hellt sich sein Gesicht auf und er bekräftigt: „Während der Flutereignisse standen hier in Werdohl alle hinter uns.“

Feuerwehrmann bezahlte den Einsatz mit seinem Leben

Ein Werdohler Feuerwehrmann bezahlte seinen Einsatz letztlich jedoch mit seinem Leben. Der 52-Jährige kollabierte im Bereich des Kraftwerks Elverlingsen und verstarb trotz Reanimations- und Hilfsmaßnahmen. Der stellvertretende Wehrleiter Wäscher gesteht: „Das hängt einem auch jetzt noch nach.“ Er weiß: „Ich habe im Laufe der Jahre einen Weg gefunden, damit umzugehen. Aber meine jungen Kameraden haben das noch nicht gelernt.“ Auch in Altena starb ein Feuerwehrmann.

Deshalb fand am Mittwochnachmittag statt eines Übungsdienstes ein sogenannter PSU-Termin für die Werdohler Wehrleute statt. PSU steht für „psychosoziale Unterstützung“. Tebrün erinnert sich an den Moment, als er erfuhr, dass einer seiner Kameraden reanimiert werden soll. „Man hofft, dass er überlebt.“ Wäscher pflichtet ihm bei: „So was will keiner haben!“

Dank an die Einsatzkräfte

„Als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz, danken wir den Kräften der Feuerwehr Werdohl“, sagt Ali Akdeniz. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Hatice überreichte er Tebrün und Wäscher im Namen des Türkischen Elternverbandes 300 Euro. Akdeniz unterstrich: „Sei es Feuer oder Wasser, die Kameraden riskieren bei ihren Einsätzen nicht selten ihr eigenes Leben.“ Er fügte hinzu: „Den Angehörigen der verstorbenen Feuerwehrmänner in Werdohl und Altena sprechen wir unser Beileid aus.“

22,5 Stunden war Andreas Wäscher am Unwetter-Mittwoch im Einsatz – am Stück. „Am Donnerstag dann noch einmal zwölf Stunden“, hat der stellvertretende Wehrleiter ausgerechnet. Ähnliches kann auch Kai Tebrün berichten: „Am Mittwoch war ich 24 Stunden nonstop im Dienst. Zuhause habe ich dann gerade einmal eine Stunde geschlafen, dann waren es am Donnerstag noch einmal 19 Stunden.“ Der Körper stehe in solchen Extremsituation so unter Dampf, dass man einfach keine Müdigkeit verspüre.

Last und Anspannung fallen ab

Als jedoch am Ende die Last und die Anspannung von ihm abgefallen seien, habe er das beim Autofahren registriert: „Ich musste langsamer fahren als sonst. Ich merkte, meine Reaktionsgeschwindigkeit war deutlich geringer.“

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