Verärgert über die Bahn

Unterstützung für Viadukt: Bürgermeister-Kandidat startet Petition

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Das denkmalgeschützte Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen ist nach Auffassung vieler Werdohler vom Zerfall bedroht, wenn die Deutsche Bahn nicht bald etwas unternimmt.

Werdohl – Als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) und als Ortsheimatpfleger setzt sich Heiner Burkhardt für den Erhalt des Eisenbahnviadukts in Ütterlingsen ein.

Den Abriss konnte der frühere CDU-Bürgermeisterkandidat zumindest schon einmal verhindern, die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Denkmals zu einer Instandsetzung zu bewegen, ist seit Jahren sein Bestreben. Jetzt erhält Burkhardt weitere Unterstützung. Andreas Späinghaus, ausgerechnet der designierte Bürgermeisterkandidat der Werdohler SPD, hat eine Online-Petition an die Deutsche Bahn gestartet. 

„Mich ärgert, dass Heiner Burkhardt den Erhalt des Viadukts bei der Bahn immer wieder anmahnen muss“, sagt Späinghaus über seine Motivation, sich für das Natursteinbauwerk aus dem 19. Jahrhundert einzusetzen. Für Burkhardts Engagement findet er lobende Worte, vergleicht es mit dem Kampf des Junkers Don Quijote gegen Windmühlen. Die historische Eisenbahnbrücke ist es in seinen Augen aber wert, sich für sie einzusetzen. „Das ist ein Bauwerk, mit dem sich die Menschen in Werdohl identifizieren. Und auch wenn es nicht direkt in der Stadt steht: Es gehört zu Werdohl“, sagt Späinghaus, der sich als ehrenamtlicher Geschichtsbummler mit der Geschichte der Stadt an Lenne und Verse auseinandergesetzt hat. 

Moderne Betonbrücke keine Alternative

Eine moderne Betonbrücke wäre für ihn keine akzeptable Alternative zu der schmucken Brücke mit vier Segmentbögen, die auf Strompfeilern ruhen. Für Architekturkenner dokumentiert das Bauwerk,für das sich erst kürzlich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag eingesetzt hat, die noch dem Historismus verhaftete Architekturform der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Übergang zum reinen Ingenieurbau der Folgezeit. 

Damit das unter Denkmalschutz stehende Wahrzeichen Werdohls nicht langsam verfällt („Es darf nicht zu einem kalten Abriss kommen!“), möchte Andreas Späinghaus nichts unversucht lassen. „Vielleicht kann man durch eine Petition Druck aufbauen und mehr Leute animieren, sich zu äußern“, lautet sein Kalkül. Nun hätte er natürlich als SPD-Politiker auch im Stadtrat die Initiative ergreifen und das höchste Gremium der Stadt dazu bewegen können, beispielsweise eine Resolution zu verabschieden. Aus zwei Gründen hat sich Späinghaus dagegen entschieden. Erstens glaubt er, als SPD-Bürgermeisterkandidat derzeit nicht in der richtigen Position zu sein, um den ganzen Rat zu einem solchen Schritt zu bewegen. Und zweitens möchte er „die Bevölkerung dahinterbringen“, sich die möglichst breite Unterstützung der Werdohler für sein Anliegen sichern. 

Ortsheimatpfleger: "Wir können jeden gebrauchen"

Die Unterstützung von Heiner Burkhardt ist ihm schon sicher. „Wir können jeden gebrauchen, der sich für das Viadukt einsetzt“, sagt der. Schade fände es der HGV-Vorsitzende und Ortsheimatpfleger allerdings, wenn das Anliegen zu einem Wahlkampfthema würde. „Ich habe aber nicht den Eindruck, dass Andreas Späinghaus das beabsichtigt“, sagt Burkhardt. Allerdings betont der SPD-Mann, dass er sich als Bürgermeister Werdohls für das Bauwerk einsetzen wolle. 

Gestartet hat Späinghaus die Online-Petition am Mittwoch, unterschrieben haben schon mehr als 100 Unterstützer. 2000 Unterstützer hat sich Späinghaus zum Ziel gesetzt, erreichen möchte er das innerhalb von sechs Monaten. Unterstützen kann man die Petition bisher nur, indem man sich dafür auf der entsprechenden Internetseite registriert. Späinghaus möchte aber so bald wie möglich auch offline Unterstützungen sammeln. „Sobald die Corona-Lockerungen das zulassen, möchte ich auch an Info-Ständen Unterschriften für den Erhalt des Viadukts sammeln“, kündigte er bereits an.

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