Treffen mit dem G-Kurs per Skype

Unterricht aus dem Arbeitszimmer: So arbeiten die Lehrer seit den Schulschließungen

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Englischunterricht über Laptop und Skype: Der Werdohler Marc Stoman unterrichtet normalerweise an der Hönnequell-Schule in Neuenrade. Aktuell aber ist das Arbeitszimmer sein virtueller Klassenraum.

Neuenrade/Werdohl – Normalerweise ist es nicht so ruhig, wenn Marc Stoman seiner Arbeit nachgeht.

Doch in den Zeiten der Coronakrise steht der Werdohler eben nicht in einem Klassenraum der Hönnequell-Schule in Neuenrade vor vielen Jugendlichen, sondern sitzt in seinem Arbeitszimmer in Werdohl am Rechner. Kontakt zu den Schülern hat der Pädagoge dennoch – per Telefon, E-Mail oder auch Skype. 

Bereits etwa drei Wochen vor der Schulschließung habe das Kollegium der Hönnequell-Schule während einer Dienstbesprechung über einen möglichen Notfallplan gesprochen, berichtet Stoman. „Wir waren also gut vorbereitet“, stellt er fest. 

Aufgaben werden zusammengestellt

Stoman fragte Handynummern und E-Mail-Adressen von Schülern und Eltern ab, und gab seinen Schülern Tipps, wie sie den Instant-Messaging-Dienst Skype auf ihrem Rechner installieren können. Der Werdohler ist Klassenlehrer einer zehnten Klasse, außerdem unterrichtet er Sechst- und Achtklässler im Fach Englisch. 

Das Unterrichtssystem ist durchdacht: „Wir stellen für unsere Klassen Aufgaben zusammen, die auf die Homepage der Schule gestellt werden“, erklärt der Werdohler. Die Schüler können die Aufgaben herunterladen, Arbeitsblätter ausdrucken, bearbeiten und mit den Lösungen vergleichen, die ihnen ebenfalls online zur Verfügung gestellt werden. 

Schüler müssen eigenständig sein

Doch so einfach wie es sich anhört, ist das natürlich nicht. „Wenn wir beispielsweise im Englischunterricht eine neue Zeitform durchnehmen, sehe ich normalerweise an den Reaktionen der Schüler, ob sie alles verstanden haben, oder wo ich vielleicht noch helfen muss“, stellt der Pädagoge fest. Jetzt muss er sich darauf verlassen, dass die Schüler sich eigenständig und intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen – und sich bei Verständnisproblemen auch tatsächlich bei ihm melden, „denn ich möchte sie so gut wie möglich unterstützen“. 

So treffe er sich beispielsweise an jedem Wochentag morgens mit Teilnehmern seines G-Kurses – natürlich per Skype. „Dann besprechen wir die Aufgaben in kleinen Gruppen“, erklärt der Werdohler. Dabei, so gesteht er schmunzelnd, habe auch er schon einiges von den Jugendlichen gelernt. „Denn die wissen am Rechner manchmal besser Bescheid als ich.“ 

Online-Unterricht auf Dauer kein Ersatz

Doch trotz der guten Vorbereitung und der guten Materialausstattung ist der Online-Unterricht auf Dauer natürlich kein Ersatz für den Schulbesuch. Und das nicht nur, weil die Technik nicht immer mitspielt und manche Seiten aufgrund von Überlastung schlecht erreichbar sind. „Die Zehntklässler stehen vor ihren Prüfungen. Wir hätten das eine oder andere Thema im Unterricht noch einmal wiederholen müssen“, stellt Marc Stoman fest. Hinzu komme, dass die Schüler, die eher wenig Unterstützung von ihren Eltern erhalten, augenblicklich noch größere Nachteile hätten – der direkte Kontakt zu den Lehrern fehlt ihnen besonders. Und: Nicht alle Haushalte sind mit Blick auf digitale Medien gut aufgestellt. „Das war uns aber von Anfang an klar. Deshalb bieten wir betroffenen Schülern nach wie vor die Möglichkeit an, die ausgedruckten Aufgabenblätter nach Absprache in der Schule abzuholen.“ 

Das sei wiederum für die Mitarbeiter im Schulsekretariat mit viel Arbeit verbunden, stellt der Werdohler fest. Und auch er habe den Arbeitsaufwand für den Unterricht in Zeiten der Coronakrise zunächst unterschätzt: „Meine Arbeitszeiten haben sich verschoben, aber ich kann sicher nicht sagen, dass der zeitliche Aufwand aktuell geringer ist.“

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