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Unternehmen aus dem MK schleift deutsche Bahnschienen

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Von: Volker Griese

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Mit einem Schienenschleifverfahren, dessen herausragendes Merkmal die weltweit einzigartige Arbeitsgeschwindigkeit von 80 km/h ist, bearbeitet Vossloh das Schienennetz der Deutschen Bahn.
Mit einem Schienenschleifverfahren, dessen herausragendes Merkmal die weltweit einzigartige Arbeitsgeschwindigkeit von 80 km/h ist, bearbeitet Vossloh das Schienennetz der Deutschen Bahn. © Markus-Steur.de

Der Werdohler Bahntechnikkonzern Vossloh und die DB Netz AG, das Schieneninfrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn (DB), haben ihren bestehenden Rahmenvertrag zur präventiven Schieneninstandhaltung erweitert. Der Vertrag umfasst nun ein Volumen von mindestens 12 000 Kilometern im kommenden Jahr, also gut ein Drittel des von der DB betriebenen Schienennetzes.

Werdohl ‒ Achslasten, hohe Geschwindigkeiten, tonnenschwere Ladungen, aber auch starkes Beschleunigen und Bremsen führen zu Defekten an Bahnschienen, beispielsweise in Form von feinen Oberflächenrissen, Riffeln oder Verformungen. Werden solche Schäden nicht rechtzeitig behoben, müssen die Schienen früher als notwendig kostenintensiv erneuert werden. Technisch und wirtschaftlich am sinnvollsten ist es, Schienenfehler schon im Anfangsstadium ihres Entstehens zu bekämpfen. Vossloh hat einen Schleifzug entwickelt, mit dem schadhafte Bahnschienen instandgesetzt werden können.

Im Auftrag der DB Netz AG wird Vossloh insbesondere die am stärksten beanspruchten Streckenverbindungen des deutschen Eisenbahnnetzes, das sogenannte Hochleistungsnetz, mit der High-Speed-Grinding-Technologie (HSG) instand halten. Zusätzlich wurde der Vertrag um eine digitale Komponente erweitert. Zum Einsatz kommt ein HSG-Zug, der mit umfangreicher Mess- und Analysetechnologie ausgestattet ist und im Betrieb wichtige Zustandsdaten des Fahrwegs erfassen kann.

Weltweit einzigartiges Verfahren

Die HSG-Technologie dient der präventiven Instandhaltung des Schienennetzes. Basierend auf einem laut Vossloh weltweit einzigartigen Schleifverfahren können die Instandhaltungsmaschinen bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h auf Vollbahn- beziehungsweise bis zu 60 km/h auf Nahverkehrsstrecken eingesetzt werden. Sie sind mit modernster und in Teilen selbstentwickelter Sensorik ausgestattet und können während des Schleifens gleichzeitig auch Zustandsdaten des Fahrwegs Schiene erfassen, ohne dass Streckensperrungen erforderlich wären. Die Zustandsdaten werden in Echtzeit gesammelt, mit Algorithmen ausgewertet und können in einer webbasierten Anwendung einschließlich konkreter Handlungsempfehlungen visualisiert werden.

Das Schleifprogramm kann individuell an den jeweiligen Streckenzustand angepasst werden. Der regelmäßige Einsatz der smarten HSG-Maschinen beugt somit nicht nur Schienenfehlern effektiv vor und verlängert die Schienenlebensdauer, sondern bildet mit wachsender Datenhistorie auch die Basis für eine vorausschauende Instandhaltung des Fahrwegs Schiene.

Mehr Verkehr auf die Schiene

„Eine höhere Verfügbarkeit von Strecken ist eine zentrale Voraussetzung, um mehr Verkehr auf die Schiene verlagern zu können. Angesichts der zunehmenden Auslastung der Netze gewinnen präventive und perspektivisch prädiktive Instandhaltungstechnologien massiv an Bedeutung“, kommentierte Oliver Schuster, Vorstandsvorsitzender der Vossloh AG, die Vertragsunterzeichnung und ergänzte: „Mit unserer führenden Fahrwegkompetenz und unserem umfassenden Serviceportfolio können wir unseren Kunden maßgeschneiderte und einzigartige Lösungen zur Erhöhung der Streckenverfügbarkeit anbieten. Wir freuen uns sehr über das Vertrauen der Deutschen Bahn, die mit diesem Auftrag ihre ,Starke Schiene‘-Strategie untermauert. Wir sind stolz, dass wir ein weiteres Mal einen wesentlichen Beitrag zu einem leistungsfähigen, zuverlässigen Schienennetz leisten und somit mehr nachhaltige Mobilität in Deutschland ermöglichen.“

Mehr Zuverlässigkeit und Wachstum

Die Rolle der präventiven Instandhaltung von Schienen hebt Dr. Volker Hentschel, Vorstand für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement der DB Netz AG, hervor: „Die DB Netz unterstreicht mit diesem konsequenten Einsatz der HSG-Technologie ihren Anspruch, den steigenden Belastungen des Netzes mit innovativen Lösungen zu begegnen. Auf unserem Hochleistungsnetz wird die betriebsschonende Schienenpflege durch HSG einen wertvollen Beitrag für mehr Zuverlässigkeit und Wachstum leisten.“

Die DB hat jüngst die Stärkung des Hochleistungsnetzes bis zum Jahr 2030 angekündigt. Die aktuell hoch belasteten Streckenverbindungen umfassen insgesamt 3500 Streckenkilometer und stehen im Zentrum des jetzt erweiterten Rahmenvertrags. Die DB erwartet, dass das hoch belastete Netz bis Ende 2030 auf voraussichtlich mehr als 9000 Streckenkilometer anwachsen wird.

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