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Unternehmen auf Nachwuchssuche: Die Kleinen haben es schwerer

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Von: Volker Griese

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Beim Quiz zur Berufsorientierungsmesse gewann Nisanur Türkyilmaz (Zweite von links) von der Albert-Einstein-Gesamtschule ein iPad.
Beim Quiz zur Berufsorientierungsmesse gewann Nisanur Türkyilmaz (Zweite von links) von der Albert-Einstein-Gesamtschule ein iPad. © Volker Griese

Fast alle Unternehmen bieten Ausbildungsstellen an, aber oft haben vor allem kleinere Betriebe Probleme, passende Bewerber zu finden. Die Berufsorientierungsmesse (Bom) der Städte Werdohl und Neuenrade bietet die Chance, dass Unternehmen und Bewerber zusammenfinden. Am Mittwoch herrschte am Riesei wieder reger Betrieb.

Werdohl/Neuenrade ‒ Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann, der die Bom diesmal eröffnete, sprach von einer „großen Herausforderung, die auf uns zukommt“ und meinte damit die Besetzung von Ausbildungsstellen in der Wirtschaft, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Eine Veranstaltung wie die Bom sei daher „wichtiger denn je“.

Dass Wiesemann mit seiner Einschätzung zumindest teilweise richtig lag, zeigte sich bei Gesprächen mit Arbeitgebern, die sich im Festsaal, im Eingangsbereich und sogar auf dem Außengelände der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) niedergelassen hatten, um sich potenziellen Bewerbern um Ausbildungsplätze zu präsentierten. Während große Unternehmen ihren Nachwuchs noch einigermaßen problemlos rekrutieren können, haben kleinere Mittelständler und Handwerksbetriebe schon Schwierigkeiten.

An den Ständen der Unternehmen entwickelten sich mitunter – wie hier – lebhafte Gespräche, manchmal kamen Jugendliche aber auch nur vorbei, um kleine Präsente oder Süßigkeiten einzusammeln.
An den Ständen der Unternehmen entwickelten sich mitunter – wie hier – lebhafte Gespräche, manchmal kamen Jugendliche aber auch nur vorbei, um kleine Präsente oder Süßigkeiten einzusammeln. © Volker Griese

Die Lukad-Holding beispielsweise, zu der die Firmen Menshen und Stauff gehören, könne ihre Ausbildungsstellen „ohne große Probleme“ besetzen, berichtete Personalleiter Niclas von Seidlitz. Die Unternehmen könnten die Messlatte sogar ein wenig höher legen: „Ohne vorheriges Praktikum bekommt bei uns keiner einen Ausbildungsplatz!“

Der Bewerbungseingang sei schleppender geworden, räumte Martin Andratschke ein. Der Ausbildungsleiter bei Vossloh betonte aber, dass die Stellen – aktuell bildet der Bahntechnik-Riese 15 Azubis vor allem in gewerblich-technischen Berufen aus – noch immer problemlos besetzt werden könnten.

„Wir haben guten Zulauf, aber es könnten natürlich noch ein paar Bewerber mehr sein“, berichtete Eric Weinberger, der bei VDM gerade eine Ausbildung zum Industriemechaniker und gleichzeitig ein Verbundstudium im Maschinenbau absolviert. Auf die Stelle eines Elektronikers beispielsweise habe es zuletzt keine Bewerbung gegeben.

Bei kleineren Unternehmen ist die Suche nach Auszubildenden meistens schwieriger, manchmal sogar schlicht erfolglos. Ein Beispiel dafür ist die Bauschlosserei Levermann aus Neuenrade. „Früher haben wir jedes Jahr einen Azubi eingestellt, jetzt haben wir schon seit drei Jahren keinen mehr“, klagte Firmenchef Bernd Levermann. Der Job sei für viele schlicht noch attraktiv genug, vermutet er, betont aber: „Es geht bei uns weniger um Muckis als um Computerkenntnisse und die Fähigkeit, Werkzeuge und Maschinen zu steuern.“ Dabei würden dann auch durchaus so spannende Projekte umgesetzt wie der Bau einer Kartbahn für ein Kreuzfahrtschiff.

Bei der Bom konnten die etwa 600 Schülerinnen und Schüler aus Werdohl und Neuenrade natürlich einen Blick hinter so manche Firmenkulisse werfen, denn immerhin waren 46 Unternehmen und Bildungsträger vertreten. Mehr Hintergrundwissen vermittele jedoch, das war immer wieder zu hören, ein Praktikum. Ein solches Hineinschnuppern in potenziell interessante Berufe war für viele junge Menschen in den vergangenen zwei Pandemiejahren allerdings nicht möglich. Das soll sich aber wieder ändern: Die Schulen haben die Termine für die Praktikumswochen 2023 schon festgelegt – „und zwar alle auf denselben Zeitraum“, wusste Julia Hasenkamp, Azubi-Betreuerin beim Pumpenhersteller Kracht. Sie empfiehlt Jugendlichen deshalb, sich schon sehr frühzeitig um einen Praktikumsplatz zu bewerben.

Am Rande der Bom wurden auch die Gewinner von drei Preisen ermittelt, die bei einem Quiz ausgelobt waren. Einen Bluetooth-Lautsprecher konnte Akin-Semi Kaya (AEG Werdohl) mit nach Hause nehmen, und einen Tablet-PC gewann Katharina Stremel (Waldorfschule Neuenrade). Der Hauptpreis, ein iPad ging an Nisanur Türkyilmaz (AEG Werdohl).

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