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Unsicherheit in Corona-Teststellen: „Wie sollen wir das kontrollieren?“

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Von: Volker Griese

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In der Corona-Teststelle am Eggenpfad in Werdohl nimmt ein Mitarbeiter bei einem Probanden einen Nasenabstrich. Das Angebot wird es auch weiterin geben, aber nicht mehr kostenlos.
In der Corona-Teststelle am Eggenpfad in Werdohl nimmt ein Mitarbeiter bei einem Probanden einen Nasenabstrich. Das Angebot wird es auch weiterin geben, aber nicht mehr kostenlos. © Volker Griese

Die Betreiber der Corona-Teststellen leben in der Ungewissheit, wieder einmal. Ab dem 1. Juli gilt die neue Regelung, dass anlasslose Corona-Schnelltests für die meisten Bürger nicht mehr gänzlich kostenlos sind. Erneut hapert es aber an Vorgaben der Politik, wie das umgesetzt werden soll. Trotzdem gibt es für die Menschen in Werdohl und Neuenrade eine gute Nachricht.

Werdohl/Neuenrade ‒ Ab Freitag, 1. Juli, sollen die sogenannten Bürgertests nicht mehr kostenlos sein – es sei denn, man spürt Symptome und vermutet deshalb sich mit Covid-19 infiziert zu haben. Mit 3 Euro pro Test sollen sich die Probanden ansonsten an den Kosten beteiligen, 6,50 Euro übernimmt der Bund. Weiterhin komplett kostenlos sind die Tests nur für bestimmte Personengruppen:

Doch wie sollen die zumeist privatwirtschaftlichen Betreiber der Testzentren herausfinden, wer Anspruch auf einen kostenlosen Test hat? Diese Frage treibt zum Beispiel auch Verena Bette um. „Wahrscheinlich werden wir die Probanden bitten, um Formular auszufüllen, in dem sie bestätigen, dass sie Anspruch auf einen Gratis-test haben“, sagt die Sprecherin des Instituts für Arbeitsmedizin (Ifam), das Testzentren unter anderem in Werdohl (Riesei) und in Küntrop betreibt. Auf Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium habe das Ifam aber bis Mittwoch,, zwei Tage vor dem Inkraftreten der neuen Regelung, vergeblich gewartet. „Wir hängen deshalb komplett in der Luft“, beklagt Bette.

Ähnliche Sorgen hat Sabrina Subat, Geschäftsführerin der Firma Medi-Co, die seit Februar eine Teststelle am Eggenpfad in Werdohl betreibt. „Ich sehe Probleme auf uns zukommen und den Freitag im Chaos enden“, formuliert sie ihre Befürchtungen. Auch ihre Hauptsorge gilt der Frage, wie denn das Testpersonal den Anspruch eines Probanden auf einen kostenlosen Test überprüfen soll. Subat: „Die Leute werden uns sagen, dass sie Symptome haben. Aber wir können doch nicht jedem unterstellen, dass er uns anschwindelt.“ Deshalb überlege auch Medi-Co, ein Formular einzuführen, auf dem die Probanden versichern, zum Kreis der Berechtigten zu gehören.

Allerdings hat Subat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass das Land NRW den Bürger-Anteil an den Testkosten doch noch übernimmt. Sie würde das begrüßen, weil es auch die Bereitschaft zum Testen erhöhen würde. Dass wieder mehr kontrolliert werden müsste, steht nämlich für Subat außer Frage. „Im Herbst wird es knallen, die Infektionszahlen werden extrem steigen“, prophezeit sie. Die vielen Partys und Feste, die derzeit wieder gefeiert würden, dürften ihrer Einschätzung nach dafür sorgen. „Und die Urlauber werden aus anderen Ländern neue Varianten mitbringen“, befürchtet sie. Subat glaubt deshalb, dass sich die Pandemie nur mit einer neuen Teststrategie und mit weiteren Impfungen in Schach halten lässt.

Mit der Abschaffung des komplett kostenlosen Bürgertests sinkt übrigens auch der Ertrag für die Testzentren. Die erhalten bisher 11,50 Euro pro Test, ab 1. Juli sinkt dieser Betrag auf 9,50 Euro. Dennoch wollen sowohl Ifam als auch Medi-Co die Teststellen in Werdohl in Neuenrade weiterbetreiben. Für Moritz Marl, Geschäftsführer des Ifam, ist das auch eine Frage der Moral. „Wir sind damals angetreten, um etwas für die Bürger zu machen. Diesem Credo wollen wir treu bleiben“, betont er. Andere Betreiber ziehen sich zurück: Das DRK in Neuenrade schließt seine Teststelle vorerst. In Werdohl wird auf dem ehemaligen WK-Parkplatz schon seit Ende Mai nicht mehr getestet, und auch die Neue Apotheke hat ihr Angebot eingestellt.

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