1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Ungewohnt politische Worte an einem ungewohnten Ort

Erstellt:

Von: Volker Griese

Kommentare

Kranzniederlegung am Mahnmal: Bürgermneister Abndreas Späinghaus (links) und sein Stellvertreter Dirk Middendorf schritten voran.
Kranzniederlegung am Mahnmal: Bürgermeister Andreas Späinghaus (links) und sein Stellvertreter Dirk Middendorf schritten voran. © Volker Griese

Das Timing hätte besser sein können: Just zu Beginn der Rede, die Bürgermeister Andreas Späinghaus am Sonntag anlässlich des Volkstrauertages hielt, läuteten die Glocken der Christuskirche zur Mittagszeit. Doch der Redner schmunzelte nur kurz, schwieg einige Minuten und wertete das Geläut als „ausgesprochen guten Start in diese Veranstaltung“.

Werdohl ‒ Ungewohnt war, dass die Teilnehmer sich diesmal auf dem Brüninghaus-Platz und nicht wie sonst nebenan vor dem Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park versammelt hatten. Ungewohnt auch, dass diesmal der Bürgermeister die Ansprache hielt. Bisher war das den Werdohler Geistlichen vorbehalten gewesen. Und so fiel die Gedenkrede auch sehr politisch aus.

Späinghaus ging zunächst auf die Symbolik des von dem Werdohler Künstler Paul Seuthe geschaffenen Mahnmals ein und geißelte dann Kriege im Allgemeinen. Sie seien „eine furchtbare Folge von Eitelkeit, Machtgier, territorialer Großmannssucht und Gier“, sagte er. Einen „zutiefst verabscheuungswürdigen“ Krieg gegen das eigene Volk führe derzeit das Regime im Irak, wandte sich der Bürgermeister dann der Weltpolitik zu. Auch den Krieg in der Ukraine kritisierte Späinghaus. Er führe dazu, „dass unser friedliches Land aufgerüstet werden muss“. Die deutsche Bevölkerung müsse sich mit den Opfern in der Ukraine solidarisieren, fand der Bürgermeister. „Wir müssen bereit sein, Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet aufzunehmen, um ihnen Halt und Sicherheit zu geben“, sagte er. Dafür müsse man auch Einschränkungen in Kauf nehmen. „So kann ein Volkstrauertag auch ein Tag der Solidarität sein“, schlug Späinghaus den Bogen zum Anlass seiner Rede.

An die Rede des Bürgermneisters schloss sich ein ökumenisches Friedensgebet des evangelischen Pfarrer Dirk Grzegorek an. Er bediente sich dabei eines Kirchenliedes des niederländischen Theologen Jan Nooter, das wiederum auf einem Gedicht von Ernst Moritz Arndt fußt und in der DDR-Friedensbewegung der 1980er-Jahre eine wichtige Rolle spielte. „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“, heißt es darin mehrfach. Und in der ersten Strophe: „Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.“ Es passt also mit seiner Aussage auch in die gegenwärtige Zeit.

Anschließend legten Bürgermeister Späinghaus und sein Stellvertreter Dirk Middendorf für die Stadt Werdohl am Mahnmal einen Kranz nieder. Für die Werdohler Vereine folgten ihnen Dr. Richard Müller-Schlotmann (Stadtsportverband) und Udo Böhme (Heimat- und Geschichtsverein), für den Schützenverein dessen Oberst Andreas Schreiber und Schützenkönig Volker Brahmsiepen.

Wie bei der Auflösung des Vereins Heimatfreunde Schlesien vor nunmehr zwölf Jahren vereinbart, hat die Stadt Werdohl außerdem am Gedenkstein der Heimatvertriebenen am Friedrich-Keßler-Platz ein Blumengebinde niedergelegt.

Auch interessant

Kommentare