Riskantes Überholmanöver

Unfall mit getötetem 47-Jährigen: „Unter’m Strich ein Unglück“

+
Der Wagen des Unfallverursachers war am 18. Oktober 2016 ebenfalls zerstört worden. Zur Gerichtsverhandlung gegen ihn erschien er nicht.

Werdohl - Zornig kamen die Angehörigen eines 47-jährigen Autofahrers am Dienstag ins Amtsgericht Altena, um jenem Mann in die Augen zu sehen, der aus ihrer Sicht den Tod ihres Familienmitglieds verursacht hatte.

Und es war nachvollziehbar, dass sie es als feige empfanden, dass dieser der Ladung nicht nachgekommen war und der Gerichtstermin deshalb ohne ihn stattfand. „Ich möchte ihn einmal sehen“, hieß es. 

Der Angeklagte war – so das gerichtsfeste Ergebnis der Ermittlungen – am 18. Oktober auf der B 236 am Kettling aus ungeklärten Gründen in den Gegenverkehr geraten und hatte einen Laster gerammt. Der geriet dadurch seinerseits in den gegenläufigen Verkehr und rammte das Auto des 37-jährigen. Er war sofort tot. 

Riskantes Überholmanöver

Die Angehörigen trugen im Amtsgericht vehement ihre Sicht der Dinge vor: Der Unglücksfahrer sei durch ein riskantes Überholmanöver auf die Gegenfahrbahn geraten, er sei vorbestraft, stehe unter Bewährung und müsse zweifellos gerast sein.

Die vorhandenen Zeugen hatten allerdings kein überholtes Auto gesehen – ihre Aussagen trugen letztlich kaum dazu bei, das komplexe Geschehen mit drei beteiligten Unfallfahrzeugen weiter aufzuklären. Zur Gerichtsverhandlung waren sie nicht geladen. 

Auch die Geschichte mit der Bewährungsstrafe hatte keinerlei Substanz. Der Angeklagte hatte nicht einmal einen Punkt im Flensburger Straßenverkehrsregister. Das spricht gegen die Annahme eines verantwortungslosen und leichtsinnigen Rasers. „Unter’m Strich war das ein Unglück“, erklärte der Richter den traurigen bis empörten Angehörigen und erläuterte den Ablauf des Unfalls, soweit er bekannt ist. 

Schwerer Fehler mit schrecklichen Folgen

Was strafrechtlich blieb, war die Feststellung, dass der Angeklagte aus Unachtsamkeit einen schweren Fehler mit schrecklichen Folgen begangen hatte. Und weil mehrere der Angehörigen sich über die verhängte Strafe von sechs Monaten auf Bewährung empörten, erläuterte der Richter ausführlich den Straftatbestand der fahrlässigen Tötung, der ein solches Augenblicksversagen in einem ganz anderen Rahmen ahndet als willentlich herbeigeführte Tötungsdelikte. 

„Sie würden sich auch wünschen, dass angemessen reagiert wird“, versuchte der Richter den Angehörigen zu erklären, dass jeder Autofahrer mit der Gefahr einer fahrlässigen Tötung leben muss. 

Trost konnte das nicht spenden. „Es ist schwer zu verstehen für uns“ – mit diesem bitteren Bekenntnis verließen die zornigen und schrecklich traurigen Angehörigen das Amtsgericht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare