Firma investiert 65 Millionen Euro

Umweltschonende Lackieranlage im MK ist ein Pilotprojekt

Wo zukünftig lackiert wird, fahren jetzt noch Bagger und Baumaschinen. Projektleiter Frank Schneider (links) erläutert, was das besondere an der neue Beschichtungsanlage sein wird.
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Wo zukünftig lackiert wird, fahren jetzt noch Bagger und Baumaschinen. Projektleiter Frank Schneider (links) erläutert, was das besondere an der neue Beschichtungsanlage sein wird.

Im Märkischen Kreis steht eine der weltweit größten Fabriken für Alu-Räder. Fast zwei Millionen der oft silbern glänzenden Felgen werden dort jährlich produziert. Mit einer Investition von 65 Millionen Euro wird der Standort, an dem fast 600 Menschen arbeiten, nun gerade modernisiert.

Werdohl Rund 65 Millionen Euro investiert Superior Industries seit Mitte vergangenen Jahres in seinen Werdohler Standort im Gewerbegebiet Dresel. Die Corona-Krise hat das Unternehmen, das bis 2018 unter Uniwheels firmierte, allerdings um Monate zurückgeworfen. Dafür kann der Aluminiumrad-Hersteller jetzt auf Unterstützung des Bundesumweltministeriums bauen, das in Dresel eine Pilotanlage für die Oberflächenbeschichtung fördert.

Seit dem Sommer 2019 wird viel gebaut auf dem Werksgelände in Dresel: In zwei neuen Hallen werden zwei neue Wärmebehandlungslinien und eine neue Beschichtungsanlage aufgebaut, und auch ein Hochregallager entsteht. Rund 34 Millionen Euro investiert Superior Industries allein dafür. Weitere rund 31 Millionen Euro kosten ein neuer Schmelzofen, eine Prüfanlage, ein automatisches Bearbeitungszentrum, die Vernetzung von Robotern sowie andere Ersatzbeschaffungen und Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung.

 Wir müssen und wollen unseren Standort Werdohl weiterentwickeln.

Andreas Meyer, Vorstandsvorsitzender  von Superior Industries Europe AG

Die Steigerung der Produktivität ist auch das übergeordnete Ziel aller Investitionen. „Wir müssen und wollen unseren Standort Werdohl weiterentwickeln“, sagt deshalb auch Andreas Meyer, seit etwa einem Jahr neuer Vorstandsvorsitzender der Europa-Sektion des weltweit zweitgrößten Herstellers von Aluminiumrädern.

Investitionsstopp und Kurzarbeit

Die Corona-Krise hat allerdings dafür gesorgt, dass die Neubaumaßnahmen nicht wie eigentlich geplant voranschreiten konnten. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr stand die Alufelgenfabrik in Dresel, in der normalerweise an fast 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr gearbeitet wird und beinahe 1,7 Millionen Autoräder vom Band laufen, wie auch alle anderen europäischen Standorte für vier Wochen still. „Wir hatten Kurzarbeit mit 100 Prozent Arbeitsausfall“, blickt Werkleiter Christof Martin zurück. Der Grund liegt auf der Hand: Weil die Autohersteller ihre Produktion zurückfuhren, wurden auch weniger Räder benötigt. Vorstansdschef Meyer rechnet deshalb für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von 20 bis 25 Prozent.

Die erste Linie der neuen Wärmebehandlung wird gerade aufgebaut und soll im Januar 2021 in Betrieb gehen.

Die Unternehmensführung rief auch einen Investitionsstopp aus, was dazu führte, dass auf der Baustelle monatelang kaum bis gar nicht weitergearbeitet wurde. Nach dem Sommer ging es dann aber weiter mit der Modernisierung des Werkes, was offensichtlich auch dringend notwendig ist. „Die europäische Autoindustrie erholt sich gerade erstaunlich gut. Wir sind von der Nachfragesteigerung positiv überrascht“, gibt Europa-Chef Meyer einen kleinen Einblick in die Auftragsbücher.

Mittlerweile kommt das Ende der Bauarbeiten ganz allmählich in Sichtweite. In einer der neu errichteten Hallen, rund 2500 Quadratmeter groß, wird in diesen Tagen bereits die erste von zwei neuen Wärmebehandlungslinien aufgebaut. Darin werden die gegossenen Aluräder noch einmal bis knapp unter den Schmelzpunkt geglüht, was sie widerstandsfähiger macht. Im Januar soll die Anlage in Betrieb gehen, bevor dann ab dem Sommer die zweite Linie aufgebaut wird. In derselben und einer benachbarten Halle soll bis Ende 2023 dann auch noch ein Hochregallager für rund 45.000 Aluräder aufgebaut werden, womit Superior Industries auch seine Logistik optimieren will.

Neuartige Lackieranlage

Mit 7200 Quadratmetern ist zweite neue Halle, die nur ein paar Schritte entfernt entsteht, fast drei Mal so groß wie der andere Neubau. Bis Ende April soll sie fertig sein. Dort wird dann ab Mai die neue Beschichtungsanlage mit drei Linien aufgebaut, die ab Ende 2021 in Betrieb gehen sollen. Und auf diese Lackieranlage, in der jährlich gut zwei Millionen Räder behandelt werden können, ist man bei Superior Industries besonders stolz. Denn es handelt sich um eine umweltschonende und hochflexible Pilotanlage, die das Bundesumweltministerium mit einem Investitionszuschuss unterstützt.

Und darum geht es: Bei der Herstellung von Leichtmetallrädern sind hochwertige Oberflächen mit einer exzellenten Produktqualität wichtig. Die Lackierung ist der letzte Schritt im Herstellungsprozess des Aluminiumrades. Dieser besteht aus den Prozessschritten Vorbehandlung, Pulverbeschichtung und Nasslackierung. Der Farb- und Typenwechsel ist normalerweise aus ökologischer Sicht höchst ineffizient und mit einem hohen Reinigungsaufwand verbunden: Die bei der Reinigung anfallenden verschmutzten Lösemittel werden energieintensiv zurückgewonnen, der zurückbleibende Lackschlamm muss als Sondermüll entsorgt werden.

Noch ist die große neue Halle offen, aber bis Weihnachten soll sie winterfest sein. Dazu wird das Gerüst aus Stahlbeton mit Stahlblech verkleidet und dazwischen mit Steinwolle gedämmt.

Superior Industries will nun mit einer neuartigen Pulverförderung, -dosierung und -aufbereitung die Ressourcen- und Energieeffizienz in Kombination mit einer hohen Anlagenflexibilität und -produktivität steigern. „Wir werden zum Beispiel zum Lackieren mitfahrende Sechs-Arm-Gelenkroboter einsetzen, die den Verbrauch von Lösemitteln stark reduzieren“, erläutert Projektleiter Frank Schneider. Das soll den sogenannten Overspray, also den Anteil des Materials, der beim Lackieren an der Felge vorbeigespritzt wird, reduzieren. „Die Roboter lackieren also nur noch da, wo sie auch lackieren sollen“, formuliert Schneider das Ziel in einfachen Worten.

Kunden achten auf Ökologie

Das neue Verfahren soll den jährlichen Energiebedarf laut einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums um rund 2000 Megawattstunden reduzieren, was einer Senkung des CO2-Ausstoßes um fast 600 Tonnen entspricht. Geplant ist darüber hinaus im Vergleich zu einer konventionellen Lackieranlage den jährlichen Pulverabfall um 163 Tonnen sowie den Lösemitteleinsatz im Rahmen von Farbwechseln um 148 Tonnen zu verringern, was jeweils einer Einsparung von über 80 Prozent entspricht. „Und ab Januar versorgen wir das gesamte Werk auch mit grünem Strom“, verkündete Werkleiter Martin.

Wir sind bemüht, ein CO2-neutrales Rad hinzubekommen. 

Christof Martin, Werkleiter von Superior Industries in Werdohl

Superior Industries profitiert von diesen Maßnahmen durch Ressourceneinsparung, wird von seinen Kunden aber gleichzeitig zu derartigen Schritten gedrängt. Das räumt auch Christof Martin ein. Autohersteller achten zunehmend darauf, dass ihre rollenden Produkte einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Das fordert natürlich auch Zulieferer wie Superior Industries heraus. „Wir sind bemüht, ein CO2-neutrales Rad hinzubekommen. Mittelfristig wird das mit Sicherheit möglich“, definiert Martin eines der Ziele, die die Alufelgenfabrik am nordwestlichen Rand von Werdohl erreichen will.

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet der Unternehmensführung aber noch die Verkehrsführung auf dem langgezogenen Werksgelände zwischen Bundesstraße 236 und Lenne. Mit Rädern beladene Lastwagen müssen auch in Zukunft noch immer vom hintersten Ende durchs ganze Werk fahren, um die Bundesstraße zu erreichen. Superior Industries wünscht sich deshalb eine eigene Zufahrt zur B 236. Bisher habe der Landesbetrieb Straßen.NRW davon aber noch nicht überzeugt werden können, sagt Werkleiter Martin.

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