Im neuen Jahr geht es los

Umstellung von L- auf H-Gas: Das kommt auf die Werdohler zu

Auch in Werdohl muss die Versorgung von L- auf H-Gas umgestellt werden.
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Auch in Werdohl muss die Versorgung von L- auf H-Gas umgestellt werden.

Die Stadtwerke Werdohl beliefern etwa 3800 Kunden in Werdohl mit Gas. Sie alle werden im kommenden Jahr – im Zeitraum ab Januar bis voraussichtlich Anfang April – Besuch von einem Monteur der Firma Gatter 3 Technik bekommen

Ab dem 25. April 2023 sollen Gas-Endgeräte in Werdohl nicht mehr mit L-Gas, sondern mit dem so genannten H-Gas betrieben werden.

„Die Umstellung ist eigentlich ein Projekt der Ferngasnetzbetreiber, aber natürlich sind wir eingebunden“, erklärt Frank Schlutow, Geschäftsführer der Stadtwerke Werdohl GmbH. Sie sei erforderlich, weil die Förderverträge mit den Niederlanden auslaufen. „L-Gas ist nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden, H-Gas dagegen schon“, erklärt Schlutow.

Vorbereitungen zur Erdgasumstellung starten

In Kooperation mit den Stadtwerken Plettenberg starten nun in Werdohl die Vorbereitungen zur Erdgasumstellung. „Zunächst müssen alle Gasverbrauchsgeräte erfasst werden“, erklärt Mikhail Tabatchnikov, Projektmanager der Enervie Service GmbH, die gemeinsam mit dem Unternehmen Gatter 3 Technik aus Holzwickede als Dienstleister im Rahmen der Gasumstellung auftritt. Viele Werdohler Kunden hätten bereits ein persönlich adressiertes Informationsschreiben mit einem Terminvorschlag für den Monteurs-Besuch erhalten.

Förderverträge mit den Niederlanden laufen aus

In Deutschland werden derzeit zwei verschiedene Arten von Erdgas, zum Beispiel zum Heizen oder Kochen und in der Industrie, verwendet. Zum einen wird H-Gas genutzt. Die Bezeichnung ist von dem englischen Begriff „high calorific gas“ abgeleitet und kennzeichnet Erdgas mit einem hohen Brennwert und hohem Methangehalt.

Allerdings findet auch L-Gas Verwendung – sowohl in Werdohl als auch in Plettenberg und im Norden und in weiteren Teilen Westdeutschlands. Dieser Begriff leitet sich vom „low calorific gas“ ab und bezeichnet Erdgas mit einem niedrigeren Energiegehalt als H-Gas. Auslaufende Förderverträge mit den Niederlanden machen in Deutschland die Umstellung von L-Gas auf H-Gas aus Norwegen, Dänemark, Großbritannien und Russland notwendig. Für die Umstellung müssen die Netzbetreiber in den versorgten Regionen jedoch nicht nur die Gas-Verteilnetze, sondern auch insgesamt etwa fünf Millionen gasbetriebene Heizungen, Thermen, Herde und Produktionsanlagen anpassen. Denn nur mit angepassten Brennern funktionieren die Geräte nach der Umstellung weiter zuverlässig. Wann in welcher Region umgestellt wird, gibt der jährlich aktualisierte und mit der Bundesnetzagentur abgestimmte Netzentwicklungsplan „Gas“ vor.

Die Stadtwerke Werdohl sind L-Gas-Netzbetreiber in Werdohl. Die Umstellung von L- auf H-Gas soll gemäß dem übergeordneten Netzentwicklungsplan der Fernleitungsnetzbetreiber, welcher den „Fahrplan“ für die Erdgasumstellung aller betroffenen Netzbetreiber festlegt, im Jahr 2023 stattfinden.

Die Netze, in denen diese beiden unterschiedlichen Gasqualitäten transportiert werden, werden getrennt voneinander betrieben. Dienstleistungspartner für die Erdgasumstellung der geschätzt etwa 4800 Erdgasgeräte in Werdohl sind die Enervie Service und Gatter 3 Technik aus Holzwickede.

Diese Dienstleister haben bereits bei Umstellungen anderer Netzbetreiber in der Region und Norddeutschland mitgearbeitet. Die entsprechenden Mitarbeiter könne sich ausweisen und kommen zu vorher vereinbarten Terminen.

Während der Datenerhebung erfasst das von den Stadtwerken Werdohl beauftragte Partnerunternehmen Gatter 3 Technik alle Gasanlagen und -geräte. Mikhail Tabatchnikov weist in diesem Zusammenhang auf einen Vorteil hin, der dem Gas-Kunden durch den kostenfreien Besuch des Monteurs entstehe: „Im Rahmen der Überprüfung werden ja auch Mängel festgestellt. Diese können zu einem höheren Gasverbrauch führen oder auch sicherheitsrelevant sein. Deshalb ist es gut, wenn der Kunde die Möglichkeit hat, diese beheben zu lassen oder das Gerät alternativ auszumustern.“ Er nennt ein Beispiel aus der Nachbarstadt Plettenberg. Dort sei bei einem Gas-Kunden ein mittlerweile etwa 50 Jahre alter, gasbetriebener Wäschetrockner überprüft worden, dessen Betrieb nicht mehr sicher gewesen sei. „Der Kunde hat das Gerät ohnehin eigentlich nicht mehr benutzt, dann aber sofort stillgelegt“, erklärt Tabatchnikov.

Der Druck muss eingestellt werden

Mithilfe der Erhebungsdaten könnten die für die spätere Anpassung notwendige Methode sowie die benötigten Materialien bestimmt werden. Bei der eigentlichen Anpassung müsse dann beispielsweise der Druck eingestellt, die Düsen getauscht oder die Geräte handwerklich für das neue Gas umgebaut werden.

Wichtig sei den Beteiligten, dass Betrüger, die sich als Monteure ausgeben könnten, keine Chance hätten. Deshalb habe man vorgesorgt. Das Ordnungsamt und die Polizei seien über die Tätigkeit der insgesamt sechs Monteure in Werdohl informiert. Darüber hinaus sollen auch die Verbraucherzentrale, die Schornsteinfeger und die Vertragsinstallateure vor Ort in Kenntnis gesetzt werden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Gasumstellung im Überblick:

Können alle Gasgeräte einfach angepasst werden oder gibt es Ausnahmen?

Ein Großteil der Gasanlagen kann laut Stadtwerken problemlos umgestellt werden. Bei sehr alten Anlagen seien Probleme aber nicht ausgeschlossen. Geschätzt könnten etwa 20 bis 25 Geräte in Werdohl nicht umgestellt werden, weil sie zu alt sind. Diese müssten ausgetauscht oder vom Netz genommen werden. Wird ein Mangel festgestellt, müsse dieser behoben werden: Die Gasgeräte dürften nur dann angepasst werden, wenn die Betriebssicherheit gewährleistet ist. Die Betreiber der Anlage sollen gegebenenfalls eine Mängelkarte erhalten, die sie ihrem Vertragsinstallateur zur Reparatur vorlegen können.

Wie erfolgt die Anpassung?

Die Arbeiten sollen in zwei Schritten mit einem Zeitabstand von mehr als einem Jahr erfolgen. Beim ersten Termin – zwischen Januar und April 2021 – soll der Mitarbeiter des Partnerunternehmens Gatter 3 Technik die Gasgeräte erfassen. Beim zweiten Termin soll zwischen Oktober 2022 und Juni 2023 die technische Anpassung der Geräte auf die neue Gasart erfolgen. Geplant sei, bei etwa zehn Prozent der Kunden nach der Erhebung oder Anpassung der Gasgeräte einen zusätzlichen Termin zur Qualitätskontrolle durchzuführen. Ausgewählte Gaskunden sollen benachrichtigt werden.

Sie befassen sich in Werdohl mit der Gasumstellung: (von links) Dietmar Nörthemann, Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungsbaumeister der Stadtwerke Werdohl, Fred Lange, Betriebsleiter Gas- und Wassertechnik der Stadtwerke Werdohl, sowie Mikhail Tabatchnikov, Projektmanager der Enervie Service GmbH.

Entstehen Kosten für den Gaskunden?

Die Erhebung, Anpassung und eventuellen Qualitätskontrollen sind für die Kunden kostenfrei, betonen die Verantwortlichen. Die Kosten trage der Gasnetzbetreiber. Allerdings sollen die Kosten, die den Netzbetreibern für die bundesweite Erdgasumstellung entstanden sind, anschließend in die Netzentgelte einfließen.

Wie erkennt man die Monteure?

Damit Trickbetrüger keine Chance haben, sollen die Monteure die Werdohler nicht ohne vorherige Ankündigung besuchen. Geplant sei, die Kunden vorab mit einem persönlich adressierten Schreiben zu informieren. Für den Besuch und die Umstellarbeiten würden keine Rechnungen ausgestellt. Dieser Service sei für die Kunden kostenfrei. Die Gatter-3-Monteure könnten nicht nur einen Mitarbeiterausweis vorweisen, sie seien in der Lage, auch die Auftragsnummer und die Pin zu nennen, die im persönlichen Terminanschreiben der Stadtwerke an den Kunden genannt werde.

Wie sieht der Zeitplan für den Umstellungsprozess in Werdohl aus?

Erste Info-Schreiben seien bereits an die Gaskunden verschickt worden. Zwischen Anfang Januar und Anfang April soll die Erhebung der Gasgeräte erfolgen, die Anpassung ist von Oktober 2022 bis Juni 2023 geplant.

Wo kann man sich informieren?

Gaskunden können sich im Erdgasbüro der Stadtwerke Werdohl im Gebäude der Stadtwerke am Grasacker 7 informieren und von Mikhail Tabatchnikov und Raafat Al-Saleh von der Enervie Service GmbH beraten lassen. Das Büro ist dienstags und donnerstags von 10 bis 16 Uhr besetzt. Termine können über die kostenfreie Hotline 08 00 / 9 37 07 53 oder per E-Mail an erdgasbuero@stadtwerke-lenne.de vereinbart werden. Zudem sind auf der Homepage der Stadtwerke Informationen zu finden: www.stadtwerke-werdohl.de.

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