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Ukraine-Krise: So wird der Krieg in den Werdohler Grundschulen thematisiert

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Von: Carla Witt

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Wie mit Kindern über Krieg sprechen? Diese Frage stellt sich derzeit auch den Lehrern der heimischen Grundschulen, an denen der Urkaine-Konflikt überall großes Gesprächsthema ist.
Wie mit Kindern über Krieg sprechen? Diese Frage stellt sich derzeit auch den Lehrern der heimischen Grundschulen, an denen der Urkaine-Konflikt überall großes Gesprächsthema ist. © Heyn, Volker

Wohnhäuser in Trümmern, kampfbereite Panzer, verzweifelte Menschen – solche Bilder aus der Ukraine lassen die meisten Erwachsenen fassungslos zurück. Doch viele Kinder nehmen diese Bilder aus den Medien ebenfalls wahr.

Auch in Werdohl stehen Lehrerinnen und Lehrer nun vor der schwierigen Frage: Wie spreche ich mit Kindern über Krieg?

In einem Punkt sind sich die Leiterinnen aller Werdohler Grundschulen einig: Viel Einfühlungsvermögen ist erforderlich, denn Kinder und Jugendliche reagieren ganz unterschiedlich auf Nachrichten, die ihr Grundvertrauen in die Sicherheit der Welt erschüttern könnten.

Reaktionen der Kinder „völlig verschieden“

Das hat auch Nina Manns bereits festgestellt: „Die Reaktionen der Kinder sind völlig verschieden. Sie reichen von Aussagen zum Einsatz von Nuklearwaffen bis hin zu dem Satz: ,Davon möchte ich nichts hören.’“ Für die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Werdohl steht fest: „Die Kinder bekommen durch die Medien auf jeden Fall etwas von der Krise mit. Deshalb haben wir uns im Kollegium zusammengesetzt, um gemeinsam zu überlegen, wie wir vorgehen können.“

Im Team habe man beschlossen, das Thema proaktiv aufzugreifen, „auch um Gerüchten vorzubeugen und Falschinformationen entgegenzuwirken“. Bei den kleineren Kindern der ersten und zweiten Klasse komme ein Bilderbuch zum Einsatz, das das Thema Streit thematisiert. „Mit den Älteren sprechen wir zum Beispiel über die Frage, was Frieden eigentlich bedeutet und wie man ihn erhalten kann“, erklärt die Schulleiterin. Auch das Basteln von Friedenstauben oder das Gestalten von bunten Peace-Zeichen gehöre dazu. Ebenso wie eine Luftballon-Aktion, die am Freitag an beiden Schulstandorten in Kleinhammer und auf der Königsburg geplant ist.

Verallgemeinerung verhindern

Doch nicht nur die Reaktionen der Kinder auf die erschreckenden Ereignisse selbst bereiten Nina Manns Sorgen: „Wir unterrichten momentan zwar keine Kinder aus der Ukraine, aber aus Russland. Wir müssen jetzt unbedingt dafür sorgen, dass es nicht zu Verallgemeinerungen kommt. Wir müssen allen Kindern erklären: Nein, es sind nicht die Russen, die gerade etwas so schrecklich tun. Es ist ein Mensch, der dafür verantwortlich ist.“

In der Katholischen Grundschule St. Michael würden sowohl ukrainische als auch russische Kinder unterrichtet, erklärt Schulleiterin Maria Apprecht: „Je nachdem, wie das Thema bei diesen Schülern zuhause behandelt wird, müssen wir hier darauf eingehen und genau hinschauen.“ Das sei generell aber bei allen Kindern erforderlich. „Man muss schon sehr sensibel hinschauen, ob die Kinder etwas zu dem Thema hören möchten oder nicht. Jede Klasse ist anders. Wir müssen erkennen, welche Strömungen jeweils da sind und welche Ängste wir den Kindern vielleicht nehmen können.“ Unterm Strich sei das ein schwieriger Balanceakt. „Aber zum Glück bekommen auch wir Lehrer Hilfe von der Schulpsyschologischen Beratungsstelle NRW“, weist Apprecht auf ein Internetportal des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW hin, dass auch hilfreiche Informationen für Eltern im Kontext Ukraine/Krieg zu bieten hat (www.schulpsychologie.nrw.de).

Informations-Angebote des Landes

Auch Britta Schwarze, Leiterin der Martin-Luther-Grundschule, hat sich mit entsprechenden Informations-Angeboten des Landes beschäftigt – und empfiehlt unter anderem die „Maus“-Seite (www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/ukraine): „Dort wird die Situation kindgerecht erklärt.“ An der Schule in Ütterlingsen habe man sich dazu entschlossen, mit den Dritt- und Viertklässlern offen über das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu sprechen. „Sie sehen Fernsehen und lesen zum Teil auch, was in der Ukraine passiert.“ Bei den Erst- und Zweitklässlern müsse man dagegen noch genauer hinschauen. „Wenn wir merken, dass ein Kind Angst hat, dann sprechen wir es an.“

Unabhängig vom Alter der Mädchen und Jungen sei eines aber ganz wichtig: „Wir müssen den Kindern signalisieren, dass sie über ihre Ängste sprechen können. Sie sollen ihre Ängste und Nöte los werden können. Dafür müssen wir uns in der Schule die Zeit nehmen.“

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Fingerspitzengefühl sei dabei extrem wichtig. Ganz besonders in Einzelfällen: „Wir haben zwei Kinder aus Russland an unserer Schule. Putin ihnen gegenüber im Gespräch anzugreifen wäre wohl nicht der richtige Weg. Aber das Krieg eine wirklich schlimme Sache ist, das kann man den Kindern sehr deutlich machen.“

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