Übung: Mensch in Not – Stallgebäude in Flammen

Die Handgriffe saßen, die Eins-zu-eins-Umsetzung des theoretisch Erlernten gelang.

Werdohl -  Die Gänseherde auf Hof Crone geriet am Freitagabend vorübergehend in Aufruhr – flackerndes Blaulicht von fünf Feuerwehrfahrzeugen leuchtete in der Dunkelheit. Dem aufgeregten Geschnatter folgte wenige Minuten später die aufmerksame Beobachtung. Aber nicht nur das Federvieh hatte ein Auge auf das, was vor sich ging. Der Hof auf Dösseln war als geeigneter „Einsatzort“ für die Abschlussprüfung der Jugendfeuerwehr der Stadt Werdohl auserkoren worden.

Von Susanne Jentzsch

18 Mitglieder der Jugendfeuerwehr im Alter zwischen 12 und 17 Jahren rückten um 18.08 Uhr vom Gerätehaus Eveking zum Dösseln aus und fanden folgendes Szenario vor: Ein Landwirt und seine Mitarbeiter bemerkten Rauch und Feuer aus dem Stall. Sie waren mit einem Traktor samt Anhänger auf dem Weg zur Landstraße. Als einer der Mitarbeiter vom Traktor abspringen wolle, rutschte er ab, fiel zwischen Fahrzeug und Anhänger und wurde unter dem Anhängerrad eingeklemmt. Das Feuer breitete sich derweil weiter aus und griff auf einen in der Halle stehenden Anhänger über.

Die Abschlussprüfung war somit in zwei Abschnitte eingeteilt. Während eine Gruppe die Aufgabe der Menschenrettung unter dem Anhänger übernahm, zeichnete die Besatzung des Rüstwagens und eines der Löschfahrzeuge für die Ausleuchtung der Einsatzstelle und für die Absicherung des Gespanns verantwortlich. Die Fahrzeuge wurden gegen ein mögliches Wegrollen gesichert, außerdem hob der Feuerwehrnachwuchs den Anhänger mit einer sogenannten Büffelwinde an – die verletzte Person konnte vorsichtig befreit und dem Rettungsdienst übergeben werden. Währenddessen bestand die Aufgabe der Zwölf- bis 15-Jährigen darin, die weitere Einsatzstelle auszuleuchten und einen Löschangriff aufzubauen.

Lars Dittmann, Leiter der Jugendfeuerwehr, zeigte sich im Anschluss an die Abschlussprüfung zufrieden. „Es ist alles gut gelaufen. Prima gemacht“, lobte er die Arbeit des Feuerwehrnachwuchses und bestätigte, dass das theoretische Wissen eins-zu-eins umgesetzt worden sei. Einen Einsatz unter möglichst realen Umständen zu trainieren, das sei ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung, so Dittmann, denn: „In der Praxis sieht manches dann doch anders aus.“

Gerade der Aspekt der zusätzlichen Gefahren am Einsatzort könne während einer solchen Übung anschaulicher dargestellt werden. Und auch der Zeitpunkt der Jahresabschlussprüfung war bewusst in die Dunkelheit gelegt worden. Der Leiter der Jugendfeuerwehr spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: „Mehr als 90 Prozent meiner eigenen Einsätze fanden im Dunkeln und/oder bei schlechtem Wetter statt.“ Eine zusätzliche Herausforderung, auf die der Feuerwehrnachwuchs vorbereitet wurde.

Aus den Reihen der Jugendfeuerwehr wird übrigens Anfang des kommenden Jahres ein Mitglied in die Riege der erwachsenen Brandbekämpfer nachrücken.

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